Bald Tauwetter? Bitcoin erlebt eine der schwächsten Phasen des Jahres. Die Kryptowährung fiel heute zwischenzeitlich bis auf 61.322 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit Anfang Februar. Zwar konnte sich der Kurs anschließend wieder bis in den Bereich von 63.500 Dollar erholen. Die Stimmung am Markt bleibt aber miserabel. Das könnte sogar positiv sein.
Besonders bemerkenswert: Inzwischen verkaufen sogar die bislang überzeugtesten Bitcoin-Anleger. Laut einer Analyse von Compass Point haben Investoren, die ihre Coins seit mindestens 155 Tagen halten, allein in den vergangenen zwei Tagen Bitcoin im Wert von rund 2,4 Milliarden Dollar auf den Markt geworfen.
Noch auffälliger ist eine weitere Zahl. Von allen Bitcoin-Verkäufen der vergangenen 30 Tage stammten 26 Prozent von Anlegern, die ihre Positionen oberhalb von 90.000 Dollar aufgebaut hatten.
„Die Kapitulation der Anleger, die nahe dem Hoch gekauft haben, ist ein sehr typisches Merkmal von Bärenmärkten in ihrer späten Phase“, sagt Compass-Point-Analyst Ed Engel. Die Kapitulation der letzten Optimisten erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass sich der aktuelle Bärenmarkt bereits in einer späten Phase befinde.
Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten inzwischen 13 Handelstage in Folge Nettoabflüsse. Insgesamt wurden dabei rund 4,4 Milliarden Dollar abgezogen. Es ist die längste Abflussserie seit Einführung der Produkte.
Zusätzliche Unsicherheit brachte jüngst der überraschende Verkauf von 32 Bitcoin durch Strategy. Zwar ist die Transaktion gemessen am Bestand von rund 53 Milliarden Dollar praktisch bedeutungslos. In der aktuellen Marktphase sorgte sie dennoch für Verunsicherung. Einige rechnen daher sogar damit, dass Strategy in den kommenden Tagen wieder demonstrativ zukaufen könnte.
Noch spricht wenig für eine schnelle Trendwende. Die ETF-Abflüsse halten an, die Stimmung ist schlecht und charttechnisch nähert sich Bitcoin der wichtigen Zone um 60.000 Dollar. Ja, es gibt Anzeichen für Kapitulation. Andererseits ist der erneute Rückfall in Richtung 60.000 Dollar auch nicht gerade ein positives Zeichen. Zumal es für renditehungrige Spekulanten inzwischen Alternativen zu Bitcoin gibt: Viele Aktien aus dem KI-Universum haben sich in den vergangenen Monaten deutlich stärker entwickelt. Selbst der Dow Jones ist heute auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Insofern dürfen Bitcoin-Fans zwar hoffen, dass die Unterstützung hält, aber es ist vielleicht nicht die Zeit, um all-in zu gehen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 19:22