Gold steht im Rampenlicht. Rund 4.400 Dollar kostete die Feinunze zuletzt. Gleichzeitig schwankt der Preis ungewöhnlich stark. Eine Analyse zeigt mehrere historische Auffälligkeiten, die Anleger vorsichtig machen könnten.
Der langfristige Vergleich mit Aktien liefert zunächst den Kontext. Auf einer gemeinsamen Skala starteten Gold und die Gesamtrendite des S&P 500 im Jahr 1927 jeweils bei 100. Heute kommen auf 100 Punkte beim US-Leitindex nur noch rund 2 Punkte für Gold. Anders gesagt: Gold hat gegenüber dem S&P 500 laut Bloomberg rund 98 Prozent an Wert eingebüßt.
Das bedeutet nicht, dass der Goldpreis selbst um 98 Prozent gefallen ist. Verglichen wird seine Entwicklung mit dem S&P 500 inklusive wieder angelegter Dividenden. Unternehmen erwirtschaften Gewinne, zahlen Dividenden und können weiter wachsen. Gold wirft dagegen keine laufenden Erträge ab. Der langfristige Abstand zu Aktien ist deshalb zunächst keine historische Anomalie.
Die aktuellen Auffälligkeiten zeigen sich in anderen Relationen. Im Vergleich zu langlaufenden US-Staatsanleihen ist Gold so teuer wie seit Jahrzehnten nicht. Zugleich war die Schwankungsintensität des Edelmetalls über 260 Handelstage 2,2-mal so hoch wie beim S&P 500. Vergleichbare Ausschläge gab es 1979/80 und 2006/07. Laut Bloomberg waren sie damals Warnsignale für eine Rezession.
Hinzu kommt der große Abstand zu längerfristigen Durchschnittswerten. Eine Rückkehr zum Zehnjahres- oder 60-Monats-Durchschnitt könnte rechnerisch einen Goldpreis von weniger als 3.000 Dollar bedeuten. Aktuell sind es rund 4.400 Dollar. Eine konkrete Kursprognose ist das nicht. Der Vergleich zeigt jedoch die gestiegene Fallhöhe.
Auch Aktien sind hoch bewertet. Der Börsenwert des US-Aktienmarktes entsprach zuletzt rund dem 2,4-Fachen der Wirtschaftsleistung. Das lag über jedem Jahresendwert seit 1928. Eine Korrektur bei Aktien könnte Gold zunächst stützen.
Für das Edelmetall bleibt die Lage dennoch heikel. Der langfristige Vergleich spricht für die Ertragskraft von Unternehmen. Die aktuellen Relationen zeigen, dass Gold bereits sehr viel Optimismus eingepreist hat. Historische Anomalien kündigen zwar keine Korrektur an, zeigen aber, wo die Risiken liegen, wenn die Stimmung dreht. Auch am Markt für US-Staatsanleihen gibt es derzeit übrigens ein extremes Niveau (siehe weiterführende Beiträge).
Heute, 20:54
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