31.07.2009 Leon Müller

DAX orientierungslos: Arcandor, Continental, Daimler, K+S, Infineon, Q-Cells, Singulus, Solarworld und Wirecard im Fokus

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Mit leichten Verlusten in den Tag gestartet, drehte der DAX nur wenige Minuten nach Handelsstart ins Plus, um seine Gewinne anschließend wieder abzugeben. Gegen elf Uhr notiert das deutsche Börsenbarometer mit einem Minus in Höhe von 0,29 Prozent bei 5.345,05 Punkten. Anleger nehmen zu Wochenschluss offenbar Gewinne mit, nachdem der Leitindex am Donnerstag erstmals seit Oktober wieder über der Marke von 5.300 Punkten geschlossen hatte. Trotz durchwachsener Quartalszahlen zahlreicher Unternehmen katapultierten die Marktteilnehmer das deutsche Börsenbarometer um 1,71 Prozent auf 5.360,66 Punkte in die Höhe. MDAX und TecDAX verbuchen am Freitag ebenfalls Abschläge, während der MDAX noch am besten abschneidet und lediglich 0,16 Prozent auf 6.168,23 Punkte nachgibt, büßt der TecDAX 0,93 Prozent auf 667,40 Punkte ein.

Die Aktie des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor notiert nahezu unverändert zum Vortagesschlusskurs. Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass Madeleine Schickedanz weiter an Einfluss bei Arcandor verliert. Nachdem ihr Neffe Martin Dedi einen Teil seiner Aktien verkauft hat, kommt Schickedanz nun nur noch auf einen Arcandor-Anteil von 21,5 Prozent. Dedi hatte vor dem Verkauf der Aktien den Poolvertrag mit Schickedanz aufgelöst. Das Ende des Aktionärspools bedeutet, dass Madeleine Schickedanz nicht mehr größte Aktionärin bei dem insolventen Handelskonzern ist. Der Pool hatte zuletzt 26,74 Prozent auf sich vereinigt und damit eine Sperrminorität.

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Continental-Chef Karl-Thomas Neumann steht Presseberichten zufolge unmittelbar vor der Ablösung. Das Vertrauensverhältnis zwischen dem erst seit einem Jahr amtierenden Neumann und Großaktionär Schaeffler sei "stark in Mitleidenschaft" gezogen worden, erklärte Werner Bischoff, stellvertretender Conti-Aufsichtsratschef, am späten Donnerstagabend im Anschluss an eine lange Sitzung des Kontrollgremiums in Hannover. Im Rahmen dieser Sitzung hat der Aufsichtsrat den Weg für eine Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro frei gemacht. Die Aktie büßt am Freitag deutlich an Wert ein.

Daimler-Titel setzen ihre Aufwärtsbewegung seit Anfang Juli fort. Im Gleichschritt mit dem Deutschen Aktienindex hat das Papier des Stuttgarter Automobilherstellers ein neues Hoch seit Oktober 2008 erreicht. Erst am Mittwoch hatte Daimler über die Entwicklung im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres berichtet. Der DAX-Konzern hat im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 1,06 Milliarden Euro eingefahren, damit aber die Analystenschätzungen von minus 1,33 Milliarden Euro deutlich übertroffen.

Wie erwartet präsentiert sich die Aktie Infineon Technologies AG auch am Freitag von ihrer volatilen Seite, nachdem der Handel mit Bezugsrechten im Rahmen der laufenden 725 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung am Donnerstagabend eingestellt wurde. Allein am Donnerstag hatte das Papier zwischenzeitlich fast zehn Prozent an Wert eingebüßt, ehe in den letzten Handelsstunden eine Erholungsbewegung zu beobachten war, bis das Papier schließlich mit einem Plus von 4,40 Prozent bei 2,85 Euro in den Feierabend ging. Ein Bericht, wonach der US-Private-Equity-Fonds Apollo versuchen könnte, den Aktienkurs bis Montag zu drücken, sorgte für Verunsicherung.

Schwächster Wert im DAX ist das Papier des Düngemittelspezialisten K+S. Bis elf Uhr rutscht das Papier unter die Marke von 40,00 Euro, nachdem es an den vorangegangenen Tagen bereits durch eine überdurchschnittlich hohe Volatilität aufgefallen war. Ausgehend vom Tief am 13. Juli bei 35,83 Euro hatte sich der Titel zwischenzeitlich bis auf 42,29 Euro und damit um 18 Prozent verteuert.

Deutsche Solarwerte, allen voran die TecDAX-Schwergewichte Q-Cells und Solarworld, notieren nach Quartalszahlen des US-Wettbewerbers First Solar im unteren Drittel der Verliererliste im Technologieindex. Der Hersteller von Dünnschichtmodulen berichtete für das abgelaufene zweite Quartal einen Gewinn von 2,11 Dollar je Aktie und übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich. Diese hatten mit 49 Cent Gewinn je Aktie weniger gerechnet. Auch auf der Erlösseite schlug First Solar die Erwartungen von 459,1 Millionen Dollar mit 525,9 Millionen Dollar deutlich. Aussagen des Vorstands zur Preisentwicklung im Sektor sowie der teilweise restriktiven Kreditvergabe der Banken lasteten allerdings auf der Stimmung. Die Aktie gab nachbörslich ihre im Tagesverlauf erkämpften Gewinne vollständig wieder ab.

Singulus-Titel zählen zu den schwächsten Werten im Technologieindex. Das TecDAX-Unternehmen hat vorbörslich seine Zweitquartalszahlen gemeldet. Auftragseingang und Auftragsbestand sind im Berichtszeitraum deutlich unter den Vergleichszahlen des Vorjahres und auch unter den Erwartungen geblieben. Der Auftragseingang brach von 70,8 auf 23,4 Millionen Euro ein, die Einnahmen gingen von 51,0 auf 31,7 Millionen Euro zurück. Auf der Ergebnisseite musste Singulus eine Ausweitung des Verlustes von minus 3,2 auf 7,8 Millionen Euro berichten. Ernüchternd auch der Ausblick: „Eine Belebung der gesamten Geschäftstätigkeit hat bis jetzt nicht stattgefunden, und der Vorstand erwartet auch ein schwieriges 2. Halbjahr 2009."

Anders als Singulus hat Wirecard im ersten Halbjahr zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und Ergebnis erzielt, was der Aktie allerdings nicht recht auf die Sprünge helfen will. Nach vorläufigen Zahlen stieg der Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2009 von 88,3 Millionen Euro um 17,3 Prozent auf 103,6 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) belief sich nach den ersten sechs Monaten 2009 auf 25,6 Millionen Euro, was einem Anstieg um 15,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum in Höhe von 22,2 Millionen Euro entspricht. Der Vorstand blickt  optimistisch auf den Geschäftsverlauf im zweiten Halbjahr 2009 und bestätigt seine Prognose, im Geschäftsjahr 2009 ein EBIT-Wachstum von 10 bis 25 Prozent zu erzielen.