Hermès bleibt Hermès. Während die Luxusbranche schwächelt, setzte der High-End-Riese seinen Erfolgskurs im zweiten Quartal fort und wuchs über den Erwartungen. An der Börse kommt der starke Auftritt jedoch nicht an: Die Hermès-Aktie gerät unter Druck. Was steckt dahinter?
Im zweiten Quartal steigerte Hermès den bereinigten Umsatz um sieben Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Damit lag Hermès leicht über den durchschnittlichen Erwartungen der Analysten. Zum Vergleich: LVMH kam im selben Zeitraum auf ein Wachstum von drei Prozent, Kering meldete am Dienstag ein Plus von zwei Prozent. Hermès bestätigte das Tempo des ersten Quartals, in dem der Umsatz ebenfalls um sieben Prozent zugelegt hatte.
Umsatztreiber Lederwaren
Der wichtigste Umsatzbringer bleibt das Lederwarengeschäft. Das Segment, auf das rund 47 Prozent des Gesamtumsatzes entfallen, wuchs im zweiten Quartal um zehn Prozent. Damit beschleunigte sich das Wachstum gegenüber dem ersten Quartal sogar um ein Prozent.
Auch Seide und Textilien legten um zwölf Prozent zu. Das Geschäft mit Konfektion und Accessoires wuchs um vier Prozent, nachdem es im ersten Quartal noch stagniert hatte. Bei den Uhren meldete Hermès ebenfalls ein Plus von vier Prozent. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Rückgang von vier Prozent zu Jahresbeginn.
Weniger glänzend präsentierte sich dagegen der Bereich Parfüm und Beauty. Hier sank der Umsatz um zehn Prozent, nachdem das Segment im ersten Quartal noch stabil gewesen war.
Umsatz nach Regionen
Besonders dynamisch entwickelte sich die USA mit einem Umsatzplus von 14 Prozent. Japan steuerte zwölf Prozent Wachstum bei, Europa ohne Frankreich acht Prozent. Im Heimatmarkt Frankreich legte Hermès um sechs Prozent zu.
Einziger Ausreißer war der Nahe Osten mit einem Rückgang von zwei Prozent. Das war angesichts der geopolitischen Lage allerdings keine Überraschung. In der Region Asien-Pazifik ohne Japan, die rund 40 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht, wuchs der Umsatz um drei Prozent.
Marge im Fokus
Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Hermès einen operativen Gewinn von 3,3 Milliarden Euro, der im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stagnierte. Die Bruttomarge verbesserte sich um 40 Basispunkte auf 71,1 Prozent. Die operative Marge sank dagegen leicht von 41,4 auf 41,0 Prozent. In der Luxusbranche ist sie aber immer noch eine echte Hausnummer.
Anleger sind skeptisch
An der Börse ist die Stimmung dennoch vorsichtiger geworden. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 29 Prozent verloren. Anleger fragen sich zunehmend, ob die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten vorbei sind.
Für das laufende Jahr erwarten Analysten ein Umsatzplus von knapp fünf Prozent, was durchaus erreichbar scheint. Für 2027 wird bereits wieder mit einem ambitionierten Wachstum von neun Prozent gerechnet.
Hermès spielt weiterhin in einer eigenen Liga und wächst zwar langsamer als in den besten Jahren, aber stabil, profitabel und über den Erwartungen. An die Monster-Margen kommt kein anderes Luxushaus heran. Die Aktie bleibt auf der Empfehlungsliste.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Hermès.
Heute, 09:42
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