8 Aktien mit maximalem OHO-Effekt
18.02.2019 Alfred Maydorn

Wirecard-Aktie: Ab jetzt nur noch aufwärts?

-%
Wirecard

Aus der heutigen Ausgabe von Maydorns Meinung: Mit meiner Kaufempfehlung für Wirecard am 6. Februar zu Kursen um 130 Euro war ich ein wenig früh dran. Nur wenige Tage später stürzte die Aktie bekanntlich auf nur noch 86 Euro ab. Es sind eben doch „neuerliche Negativ-Schlagzeilen“ aufgetaucht, wenngleich hinter diesen im Prinzip nichts wirklich Neues steckte und sie zu dem aus der gleichen Quelle kamen. Aber innerhalb einer ohnehin schon hyper-nervösen Schafherde reicht es eben, nur den „bösen Wolf“ zu erwähnen, um eine weitere Panik auszulösen. 

Leerverkaufsverbot der BaFin

Während diese neuerliche Panik wohl erneut Anleger massiv verunsichert und vielleicht zum endgültigen Verkauf der Aktie getrieben hat, sorgte der Ausverkauf bei einigen wenigen Spekulanten für Feierlaune. Klar, die Leerverkäufer von Wirecard-Aktien haben prima Geld verdient – sofern sie denn ihre Positionen zu den Ausverkaufspreisen geschlossen haben. Denn mittlerweile hat Wirecard zumindest die 100-Euro-Marke wieder zurückerobert und notiert bei etwa 112 Euro. Und zumindest eine weitere Short-Attacke ist nun erst einmal nicht mehr möglich. Die Finanzaufsicht BaFin hat heute früh Netto-Leerverkaufspositionen bei Wirecard mit sofortiger Wirkung verboten. Sprich, es darf sich niemand mehr Wirecard-Aktien ausleihen und verkaufen, also auf fallende Kurse spekulieren. 

Short-Squeeze?

Ob ein solches Short-Verbot sinnvoll ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Ich bin ehrlich gesagt kein Freund von Verboten, der Markt wird das schon von ganz alleine „regeln“. Denn eines ist auch klar: Jede von Short-Spekulanten ausgeliehene und verkaufte Aktie muss eines Tages auch wieder zurückgeben werden. Und dafür muss sie vorher zurückgekauft werden. Das bedeutet, je stärker eine Aktie leerverkauft worden ist, desto größer können zukünftige Käufe ausfallen. Wenn sehr viele Leerverkaufs-Positionen gleichzeitig geschlossen werden, dann kann es zu einem sogenannten Short-Squeeze kommen, zu einem sehr starken Anstieg der Aktie in sehr kurzer Zeit. 

Ruhe = steigende Kurse

Ein solcher Short-Squeeze ist auch bei Wirecard jederzeit möglich – vollkommen unabhängig von einem Short-Verbot. Das zunächst bis zum 18. April laufende Verbot verhindert nur das Eingehen neuer Leerverkäufe. Aber allein das könnte in den kommenden Tagen und Wochen tatsächlich etwas „Druck“ von der Aktie nehmen. Und vielleicht sorgt es auch für Ruhe bei der Financial Times, oder genauer gesagt bei deren Redakteur Dan McCrum, der ja mit seinen Artikeln hauptverantwortlich für die Kurskapriolen der Wirecard-Aktie war und ist. 

An meiner Einschätzung der Gesamtsituation hat sich übrigens absolut nichts geändert. Die Vorwürfe gegen Wirecard, sind – sofern sie überhaupt zutreffen – eher dem Bereich „Peanuts“ zuzuordnen. Und praktisch jeder Tag ohne neue Anschuldigungen – und von denen dürfte es jetzt viele geben – sollte zu wieder anziehenden Kursen führen. Das Shortseller-Verbot gibt sicherlich noch zusätzliche Unterstützung bei der Aufholjagd, zumal es ja auch – ohne es vermutlich zu wollen – Wirecard entlastet und den schwarzen Peter den Spekulanten zuschiebt. 

"Gehe zurück auf 170 Euro"

Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn Wirecard bei 130 Euro kaufenswert war, dann ist sie jetzt bei 112 Euro umso mehr. Noch einmal zur Erinnerung: Vor dem ersten Artikel von Herrn McCrum notierte die Aktie von Wirecard bei 170 Euro. 

Wenn Sie noch nicht zu den Lesern von Maydorns Meinung gehören, dann können Sie sich einfach über diesen Link in den Verteiler eintragen und bekommen Maydorns Meinung von Montag bis Donnerstag jeden Vormittag in Ihr E-Mail-Postfach. Maydorns Meinung ist kostenlos und kann jederzeit wieder abbestellt werden.

Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen

Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanz­katas­trophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Gal­braith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.

Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6