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27.05.2020 Nikolas Kessler

Wirecard-Aktie: 170 Prozent Kurspotenzial?

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Wirecard

Die Aktie von Wirecard kann am Mittwochnachmittag im freundlichen Gesamtmarkt bis zu dreieinhalb Prozent zulegen und die kurzfristigen Verluste vom Vortag damit mehr als ausgleichen. Das Chartbild sowie die Reaktionen der Analysten auf die jüngsten Entwicklungen sind allerdings durchwachsen.

Die Baader Bank hat die Wirecard-Aktie zwar von ihrer Auswahlliste „Top Stock Ideas“ gestrichen, bleibt aber grundsätzlich bullish: Erst am Dienstag hatte Analyst Knut Woller seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 240 Euro bestätigt. Er hält die Papiere des Zahlungsabwicklers auf dem aktuellen Niveau für erheblich unterbewertet und traut ihnen auf 12-Monats-Sicht rund 170 Prozent Kurspotenzial zu – so viel wie sonst kaum ein anderer Analyst.

„Sondersituation“ bei Wirecard

Andere Experten haben ihre Erwartungen indes weiter zurückgeschraubt. So rät Wolfgang Donie von der NordLB zwar, die erneute Verschiebung der Bilanzvorlage nicht überzubewerten. Das Kursziel seiner Halteempfehlung hat er aber dennoch von 102 auf 80 Euro gesenkt – und signalisiert damit weiteres Rückschlagpotenzial.

HSBC-Analyst Antonin Baudry sieht Wirecard angesichts der Vorwürfe und der Anlegersorgen in einer „Sondersituation“. Es werde dauern, verloren gegangenen Vertrauen wieder aufzubauen. Er belässt den DAX-Titel daher auf „Hold“, senkte jedoch den fairen Wert von 105 auf 95 Euro.

Die Mehrheit der von Bloomberg befragten Analysten teilt derzeit eher die Einschätzung von HSBC und NordLB: Von 25 Experten raten 13 zum Halten der Wirecard-Aktie. Dem stehen zehn Kauf- und zwei Verkaufsempfehlungen gegenüber. Auf Sicht von zwölf Monaten trauen sie ihr im Schnitt einen fairen Wert von 157,61 Euro zu – ein 77-prozentiger Aufschlag auf den aktuellen Kurs. Angesichts der jüngsten Entwicklungen haben einige Analysten allerdings auch die Bewertung ausgesetzt. 

Wirecard (WKN: 747206)

Im Abwärtstrend gefangen

Nachdem Wirecard die Veröffentlichung des Jahresfinanzberichts 2019 am späten Montagabend wegen andauernder Prüfungshandlungen durch EY zum dritten Mal verschoben hatte, ist die Aktie am Dienstag mit deutlichen Verlusten in den Handel gestartet. Einen Großteil davon konnte sie im Tagesverlauf aber bereits ausgleichen. Am Mittwoch setzt sich die Erholung bis in den Bereich der 90-Euro-Marke fort. Das übergeordnete Chartbild wird aber weiterhin vom langfristigen Abwärtstrend dominiert.

Mit Material von dpa-AFX.

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