Die US-Börsen zeigten sich am Dienstag von ihrer resilienten Seite. Trotz der massiven Eskalation im Iran-Konflikt und eines wieder anziehenden Ölpreises retteten die Bullen ein Plus über die Ziellinie. Während Tech-Gigant Amazon mit ambitionierten Prognosen glänzte, gerieten zwei ehemalige Highflyer massiv unter die Räder.
Der S&P 500 schloss am Dienstag mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 5.175 Punkten. Der Nasdaq 100 stieg um 0,5 Prozent, während der Dow Jones 109 Zähler oder 0,2 Prozent zulegte. Damit hat sich die Erholung an der Wall Street fortgesetzt.
Das alles beherrschende Thema bleibt allerdings der Krieg im Nahen Osten. Nach Berichten über den Tod des iranischen Sicherheitschefs Ali Larijani bei israelischen Luftangriffen bleibt die Lage hochexplosiv. Die Sorge vor einer Blockade der Straße von Hormus trieb den Ölpreis der Sorte Brent wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar.
Für zusätzliche Volatilität sorgte Ex-Präsident Donald Trump. Via Truth Social verkündete er gewohnt großspurig, dass die USA beim Schutz der Schifffahrtswege keine Hilfe der NATO bräuchten, da man das iranische Militär bereits „dezimiert“ habe. Zudem habe der US-Präsident keine Angst vor irgendwem. Die Hoffnung der Märkte auf eine breite internationale Koalition erhielt damit einen Dämpfer, was die Rohölpreise stützte und die Aktienkurse kurzzeitig von ihren Tageshochs zurückholte.
Wenig überraschend führten Energieaktien die Gewinnerliste an. Doch auch der Reise-Sektor zeigte Stärke: Trotz teurerem Kerosin kletterten Expedia und Booking Holdings nach oben. Optimistische Umsatzprognosen der Airlines Delta, American und JetBlue sorgten für Rückenwind im Consumer-Discretionary-Bereich.
Für die Story des Tages sorgte Amazon. CEO Andy Jassy peitscht das KI-Business bei AWS massiv voran. Internen Berichten zufolge geht Jassy davon aus, dass Künstliche Intelligenz die AWS-Umsätze in den nächsten zehn Jahren auf 600 Milliarden Dollar verdoppeln könnte – statt der bisher erwarteten 300 Milliarden. Die Aktie quittierte die Nachricht mit einem Anstieg um rund ein Prozent.
Wo Licht ist, ist auch Schatten – und der war heute tiefschwarz. Trade Desk stürzte um sieben Prozent ab. Der Grund: Die Werbegiganten der Publicis Groupe empfehlen die Plattform ihres Ad-Tech-Partners nicht mehr, nachdem ein Audit „multiple Verstöße“ gegen Dienstleistungsverträge ans Licht brachte. Für Trade Desk, die ohnehin unter der KI-Disruption leidet (Jahresminus 55 Prozent), ist das ein herber Vertrauensverlust.
Richtig dicke kam es zudem bfür SoFi Technologies. Die Aktie verlor fünf Prozent, nachdem der berüchtigte Shortseller Muddy Waters eine Short-Position bekannt gab. Die Leerverkäufer werfen dem Fintech „Finanz-Engineering“ im Stile von Enron und eine massive Verwässerung der Aktionäre vor. Zudem stehe der Vorwurf im Raum, Schulden in Höhe von 312 Millionen Dollar nicht korrekt ausgewiesen zu haben.
Blick auf die Fed: Die Zinspause naht
Am Mittwoch blickt die Finanzwelt gebannt auf Jerome Powell. Torsten Slok, Chefökonom von Apollo Global Management, dämpfte jedoch die Erwartungen an eine rasche Zinssenkung. Angesichts der hartnäckigen Inflation (PCE-Kernrate bei 3,1 Prozent) und der neuen Ölpreis-Rally dürfte die Fed die Zinsen stabil halten. Im Vorfeld zog daher der Goldpreis wieder etwas an.
Heute, 21:27