Bei Vonovia war vor der Zahlenvorlage zuletzt etwas die Luft raus. Nun liegen die Zahlen für das erste Quartal 2026 vor – und operativ kann Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern überzeugen. Die Mieteinnahmen legten ordentlich zu. Besonders im Blick stehen aber andere Kennzahlen des DAX-Konzerns.
Vonovia hat im ersten Quartal vor allem von höheren Mieteinnahmen profitiert. Die durchschnittliche monatliche Miete kletterte im Jahresvergleich um 3,8 Prozent auf 8,46 Euro je Quadratmeter. Das organische Mietwachstum lag bei 4,0 Prozent.
Auch das Kerngeschäft entwickelte sich robust. Im Segment Rental legte das bereinigte EBITDA um 6,3 Prozent zu – trotz eines um rund 4.000 Wohnungen verkleinerten Portfolios. Die Vermietungsquote lag bei 97,7 Prozent, die Collection Rate bei 99,6 Prozent. Das unterstreicht die weiter hohe Nachfrage nach Wohnraum, insbesondere in den Ballungsgebieten.
Zusätzlichen Rückenwind lieferte das Geschäft mit wohnungsnahen Dienstleistungen. Im Segment Value-add stieg das bereinigte EBITDA um mehr als 30 Prozent auf 50,1 Millionen Euro. Treiber waren unter anderem ein höherer Beitrag der Handwerkerorganisation sowie Wachstum im Energiegeschäft.
Insgesamt erhöhte sich das bereinigte EBITDA im ersten Quartal um 1,4 Prozent auf 711,6 Millionen Euro. Damit sieht sich Vonovia auf Kurs, das Jahresziel von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro zu erreichen. Vorstandschef Luka Mucic sprach von einem erfolgreichen Start ins Geschäftsjahr 2026 und verwies auf starke Ergebnisse in den Kerngeschäften. Auch die mittelfristigen Wachstumsziele bestätigte der Konzern.
Der Schuldenabbau bleibt ein zentrales Thema. Die Nettoverschuldung zum EBITDA lag bei 13,7, der Verschuldungsgrad bei 45,1 Prozent. Beide Werte haben sich auf Jahressicht leicht verbessert. Finanzvorstand Philip Grosse bezeichnete die Verschuldungskennzahlen als komfortabel. Zugleich verwies er darauf, dass der Krieg im Nahen Osten zuletzt für stärkere Volatilität und leicht höhere Finanzierungskosten gesorgt habe.
Unter dem Strich belasteten denn auch die höhere Finanzierungskosten. Sie legten rund 20 Millionen Euro zu. Das bereinigte Ergebnis, das auf die Aktionäre entfällt, sank um 7,2 Prozent auf 365,6 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern lag bei 462,2 Millionen Euro beziehungsweise 0,54 Euro je Aktie. Die mittel- und langfristigen Finanzierungskosten liegen Vonovia zufolge aber noch im Plan.
Besonders wichtig für Anleger ist der Blick auf die Immobilienbewertungen. Im ersten Quartal war keine umfassende Portfoliobewertung vorgesehen. Der Nettovermögenswert NTA stieg daher nur leicht auf 46,57 Euro je Aktie. Der Verkehrswert des Immobilienbestands legte um 0,3 Prozent auf 84,8 Milliarden Euro zu. Die nächste umfassende Bewertung erfolgt zum 30. Juni 2026. Vonovia geht davon aus, dass sich die positive Entwicklung der Immobilienwerte aus den vergangenen 18 Monaten auch im ersten Halbjahr 2026 fortsetzt.
Die Zahlen liefern Licht und Schatten. Steigende Mieten, ein robustes Vermietungsgeschäft und starkes Wachstum im Geschäft mit wohnungsnahen Dienstleistungen sprechen für Vonovia. Für Gegenwind sollten hingegen die höheren Finanzierungskosten sorgen, zumal sich die Anzeichen für eine Zinserhöhung der EZB im Juni verdichten. Den ganz großen Rückenwind dürften die heutigen Zahlen daher nicht liefern. Anleger bleiben daher an der Seitenlinie.
Heute, 07:43