26.04.2012 Markus Bußler

USU Software: Günstiger als die US-Wettbewerber

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Mit dem Großauftrag der Bundesanstalt für Arbeit stehen bei USU Software die Chancen auf eine Prognoseanhebung nicht schlecht. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät USU-Chef Bernhard Oberschmidt, was die Aktionäre im laufenden Jahr vom IT-Spezialisten erwarten können.

Der USU Software AG ist es gelungen, mit dem größten Einzelauftrag in der Firmengeschichte von circa fünf Millionen Euro von der Bundesagentur für Arbeit, nochmals einen Zahn zuzulegen. Der Auftrag wird zu etwa drei Viertel 2012 umsatz- und ertragswirksam. DER AKTIONÄR wollte vom Vorstandssprecher Bernhard Oberschmidt wissen, ob sich das Wachstumstempo im laufenden Jahr noch beschleunigen lässt.

DER AKTIONÄR: Herr Oberschmidt hatten Sie den Großauftrag von der Bundesagentur für Arbeit schon in Ihrer Umsatz-Guidance von 48 Millionen Euro für das laufende Jahr berücksichtigt oder werden sich hier die Aktionäre demnächst über eine Guidance-Erhöhung freuen können?

Wie beurteilen Sie die Qualität des Auftrages? Können die Anteilseigner davon ausgehen, dass der Auftrag ordnungsgemäß und termingerecht abgerechnet werden kann?

Ohne Frage ist der BA-Auftrag ein sehr großes und wichtiges Projekt für uns. Jedoch konnten wir in den vergangenen Monaten bereits mehrere Millionenaufträge erzielen, beispielsweise bei der Wüstenrot und Württembergischen, beim Bundesamt für Justiz oder bei der Allianz, so dass wir mit Aufträgen dieser Größenordnung Erfahrung haben. Daher erwarte ich auch für das BA-Projekt gemäß der Projektplanung eine kosten- und termingerechte Umsetzung. Entsprechend werden wir den Auftrag in gewohnter Weise nach Projektfortschritt gemäß den Regelungen der internationalen Rechnungslegung nach IFRS abrechnen und verbuchen.

Wer waren Ihre Mitbewerber bei der Ausschreibung, auch Firmen wie DATAGROUP bieten ja Serviceangebote zur Überwachung von IT-Arbeitsplätzen an?

Bei dem BA-Projekt geht es darum, sämtliche Prozesse von der Planung über die Beschaffung und den Einsatz bis hin zur Entsorgung der IT-Bestandsgüter der Bundesagentur für Arbeit automatisiert und transparent zu steuern. Diese Themen adressiert unsere Produktlinie Valuemation komplett. In Deutschland gibt es keinen nationalen Anbieter, der mit einem gleichwertigen Standardprodukt aufwarten kann. Unser Wettbewerb kommt daher aus den USA, beispielsweise IBM, HP, CA oder BMC. Wer von diesen Unternehmen ebenfalls an der Ausschreibung teilgenommen hat, können wir nicht sagen.

Können Sie Börsengerüchte bestätigen, wonach der Netto-Liquiditätsbestand per 31.03.2012 bei deutlich über 20 Millionen Euro oder circa zwei Euro je Aktie gelegen hat?

Nun, es ist recht einfach zu ermitteln, dass wir im ersten Quartal nochmals Liquidität aufgebaut haben, da in diesem Quartal ein Großteil unserer Wartungsrechnungen gestellt und in der Regel auch unverzüglich beglichen werden. Trotz der Bezahlung der Boni und variablen Gehälter unserer Mitarbeiter für 2011, die aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung höher ausgefallen sind als im Vorjahr, werden wir in Verbindung mit dem konzernweiten Liquiditätsbestand zum Ende des Jahres 2011 von knapp 18 Millionen Euro die 20 Millionen Euro-Marke zu Beginn des Jahres 2012 überschritten haben. Der Transparenz halber möchte ich aber darauf hinweisen, dass wir, wie bereits angekündigt, die vollständige Übernahme von Aspera planen, wodurch es zu einem entsprechenden Liquiditätsabfluss kommen wird.

Werden Sie Aspera dann vorwiegend mit Cash oder Aktien bezahlen?

Die erste Tranche in Höhe von 51 Prozent an Aspera hatten wir zu 50 Prozent in USU-Aktien und 50 Prozent in Bar beglichen. Die restlichen 49 Prozent der Aspera-Anteile werden wir jetzt aufgrund der hohen Liquidität komplett in Bar zahlen - nicht zuletzt, um eine Verwässerung des Anteils der Bestandsaktionäre zu vermeiden. Zudem haben wir bereits angekündigt, für 2011 eine Dividende je Aktie von 0,20 Euro auszuschütten, sofern die Hauptversammlung dem zustimmt. Dennoch rechnen wir für das Jahresende 2012 auch nach diesen Maßnahmen mit einer Konzernliquidität von deutlich über zehn Millionen Euro.

Welche Zielvorgaben haben Sie für Ihre neu gegründete USA Tochter für die nächsten drei Jahre gegeben?

Aspera ist in den USA jedes Jahr um durchschnittlich über 30 Prozent gewachsen. Dieses dynamische Wachstum soll sich auch in den Folgejahren fortsetzen, im besten Falle sogar noch beschleunigen. Insofern rechne ich konservativ mit einer Umsatzverdoppelung in den kommenden drei Jahren von aktuell etwa 600.000 Euro. Dabei ist auch eine sukzessive Portfolioerweiterung im USA-Markt möglich, beispielsweise um unsere Wissensmanagement-Lösung USU KnowledgeCenter. Wichtig ist für mich, dass wir von Anfang an profitabel agieren und die Marge sukzessive erhöhen.

Welcher Auslandsmarkt wächst derzeit qualitativ am besten?

Ohne Frage der US-Markt, weshalb wir ja auch den Schritt in Richtung einer eigenen Tochtergesellschaft vor Ort in Boston gemacht haben. Kunden wie Axa Equitable, Texas Instrument, Jacob Engineering oder General Dynamics setzen bereits auf unsere Kompetenz und es sollen noch viel mehr Unternehmen werden. Positiv läuft aber auch weiterhin der italienische Markt trotz aller Krisenszenarien. Zudem bin ich mit Österreich und der Schweiz recht zufrieden. Lediglich Osteuropa schwächelt in der aktuellen Marktphase. Allerdings ist das auch nicht unser Kernmarkt, so dass wir hiervon nicht maßgeblich beeinflusst werden.

USU hat für 2011 ein Rekordjahr vorgelegt, in dem der Umsatz von 38,023 Millionen auf 45,597 Millionen Euro gestiegen ist, und das Ergebnis je Aktie von 0,23 auf 0,34 Euro erhöht werden konnte. Dennoch haben Sie die Dividende gleich gelassen. Können sich die Aktionäre für 2012 auf eine höhere Ausschüttungsquote einstellen?

Ich hatte ja bereits erläutert, dass wir die vollständige Aspera-Übernahme komplett mit Barmitteln begleichen werden, um die Verwässerung des bestehenden Investoren-Anteils zu vermeiden. Dahingehend profitieren unsere Aktionäre nicht nur von der beabsichtigten Dividendenausschüttung von 0,20 Euro je Aktie, die wieder über der langfristig avisierten 50-Prozent-Quote in Bezug auf den Konzernüberschuss liegt. Ich stehe dazu, dass die Aktionäre auch in Zukunft maßgeblich an den Unternehmensgewinnen der USU Software AG partizipieren werden. Bei einer Ausweitung der Profitabilität, wie sie aktuell vorgesehen ist, werden die Anteilseigner auch zukünftig mit steigenden Dividenden rechnen können.

Die LBBW sieht einen Umsatz von 48,5 Millionen Euro und einen Gewinn je Aktie von 0,53 Euro. GBC erwartet sogar 48,79 Millionen Euro aber nur ein EPS von 0,43 Euro. Teilen Sie die Einschätzung der Analysten?

Umsatzseitig liegen beide Analysten nicht weit weg von unserer Guidance. Bei den Ergebnisprognosen ist zu berücksichtigen, dass die LBBW bereits unsere bereinigten Kennzahlen als Basis für ihre Schätzungen verwendet, während GBC die reinen IFRS-Kennzahlen ausweist. Auch diese Schätzungen sind nicht unrealistisch. Für die höhere Transparenz wäre es durchaus überlegenswert, zukünftig auf Basis der bereinigten Planwerte eine Guidance herauszugeben.

Der aktuelle Aktienkurs erscheint im Vergleich zu den Kurszielen immer noch unterentwickelt, welche Strategie haben Sie, um Bewegung in die Aktie zu bringen?

Es obliegt mir ja nicht, Bewegung in die Aktie zu bringen. Aber offensichtlich konnten wir unsere Equity Story noch nicht verständlich genug darstellen - denn im Vergleich zu den Bewertungen unserer US-Wettbewerber haben wir aus meiner Sicht noch deutliches Kurspotenzial: Wir weisen stetige Umsatz- und Ergebnissteigerungen auf, haben in Europa ein klares Alleinstellungsmerkmal hinsichtlich einer ganzheitlichen IT-Management-Suite - wie der Auftrag der Bundesagentur für Arbeit eindrucksvoll unterstreicht - sind auch finanziell mehr als gesund aufgestellt und schütten seit Jahren eine ansehnliche Dividende aus. Knapp ein Viertel unserer Umsätze kommen aus dem Wartungsbereich - ein sicheres und kontinuierliches Basisgeschäft. Mit der Ausweitung der internationalen Aktivitäten - wie jüngst die Gründung der Aspera Technologies Inc. in den USA - werden wir weitere Marktanteile hinzugewinnen und auch die Marge weiter steigern können. Damit sehe ich auch das zukünftige Wachstum von USU deutlich über dem des Gesamtmarktes. Alle Ampeln stehen also weiterhin auf „Grün". Ich bin optimistisch, dass das auch die Marktteilnehmer erkennen und entsprechend validieren werden.

Was machen Sie persönlich mit Ihren eigenen USU Aktien? Kaufen oder verkaufen?

Ich habe mit meinen USU-Aktien wie alle Anteilseigner eine ansehnliche Dividendenrendite in den letzten Jahren erwirtschaftet und erwarte dies auch für die Zukunft. Deshalb sehe ich aktuell keine bessere Anlagemöglichkeit, die einen Verkauf rechtfertigen würde, zumal natürlich auch ganz klar mein Herzblut in diesem Unternehmen steckt. Ich möchte in den kommenden Jahren nicht nur die USU-Gruppe in eine neue Umsatz- und Ergebnisdimension führen, sondern auch den Unternehmenswert, der sich letztlich im Aktienkurs widerspiegelt.

Besten Dank für das Gespräch.