15 Fragen, 15 Antworten – so handeln Sie jetzt richtig
Foto: Shutterstock
27.02.2020 Maximilian Völkl

ThyssenKrupp am Scheideweg – gelingt die Rettung?

-%
ThyssenKrupp

Bei ThyssenKrupp fällt am Donnerstag eine für die Zukunft des Unternehmens wichtige Entscheidung. Der Aufsichtsrat des angeschlagenen Stahl- und Industriekonzerns will am Nachmittag über den Verkauf der milliardenschweren Aufzugssparte beraten. ThyssenKrupp braucht dringend Geld, um Schulden zu tilgen und den geplanten Konzernumbau zu finanzieren. Investoren haben den Wert der Aufzugssparte nach Angaben von Konzernchefin Martina Merz auf mehr als 15 Milliarden Euro taxiert. Offen ist, ob ThyssenKrupp das Geschäft mit Aufzügen und Rolltreppen komplett verkaufen oder einen Teil behalten will.

Die Aufzugssparte ist derzeit der einzige nennenswerte Gewinnbringer des hoch verschuldeten Konzerns. Weltweit hat ThyssenKrupp Elevator rund 53 000 Mitarbeiter, das ist fast ein Drittel aller Beschäftigten im Konzern. Während das Stahl-Geschäft tief in den roten Zahlen steckt, erzielte ThyssenKrupp mit dem Verkauf und der Wartung von Aufzügen und Rolltreppen allein im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen operativen Gewinn von 228 Millionen Euro.

Im Bieterrennen sind noch zwei Gruppen. Zum Konsortium um die Finanzinvestoren Advent und Cinven gehört auch die RAG-Stiftung aus Essen. Die zweite Bietergruppe bilden die Investoren Blackstone, Carlyle und Canadian Pension Plan.

Eine Rolle bei der Entscheidung von Vorstand und Aufsichtsrat dürfte auch spielen, wer die Arbeitnehmer auf seiner Seite hat. Die IG Metall hat bereits mit beiden Bietern Vereinbarungen für den Verkaufsfall geschlossen. „Arbeitsplätze und Standorte sind gesichert“, sagte der NRW-Bezirksleiter der Gewerkschaft, Knut Giesler. Zudem sorge die Zusage von Investitionen in Innovationen „für die Zukunftsfähigkeit der Aufzugssparte“.

Bei ThyssenKrupp hatte sich in den vergangenen Monaten die Lage immer mehr zugespitzt. Die lange vorbereitete Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Zweig des indischen Stahlkochers Tata war von der EU-Kommission untersagt worden. Eine Aufspaltung des Konzerns in zwei Aktiengesellschaften wurde abgesagt, ThyssenKrupp flog wegen massiver Kursverluste aus dem DAX. Vorstandschef Guido Kerkhoff musste nach nur gut einem Jahr im Amt seinen Hut nehmen. Im Oktober wechselte dann die Aufsichtsratsvorsitzende Martina Merz als Interimschefin an die Spitze des Vorstands.

ThyssenKrupp (ISIN: US88629Q2075)

Mit dem Verkauf der Aufzugssparte bekommt ThyssenKrupp eine letzte Chance, um den Umbau zu finanzieren. Allerdings sind die Probleme des Konzerns gewaltig – es bleibt offen, ob die Wende gelingt. Anleger sollten nach dem Erreichen des Stoppkurses zunächst an der Seitenlinie bleiben und die weitere Entwicklung abwarten.

Behandelte Werte

Name Wert Veränderung
Heute in %
ThyssenKrupp - €

Buchtipp: Die Templeton-Methode

Der legendäre Fondsmanager Sir John Templeton gilt als einer der Pioniere auf dem Gebiet des Value Investing und schnitt über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten immer besser ab als der Markt. Nach der Lektüre dieses Buches sieht der Leser die zeitlosen Prinzipien und Methoden von Sir John Templeton aus einem völlig neuen Blickwinkel. Schritt für Schritt wird er mit den erprobten Anlagestrategien des Börsenprofis vertraut gemacht. Er erfährt, nach welchen Methoden Templeton seine Investments auswählte, und erhält mit zahlreichen Beispielen aus der Vergangenheit Einblicke in die Vorgehensweise von Sir John und in seine erfolgreichsten Trades. Mehr denn je können Investoren in diesen volatilen Zeiten Templetons Ideen in ihre eigenen Strategien ummünzen und so profitabel an den Finanzmärkten agieren.
Die Templeton-Methode

Autoren: Templeton, Lauren C. Phillips, Scott
Seitenanzahl: 280
Erscheinungstermin: 08.09.2022
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-889-3