Tesla steuert auf ein ernüchterndes drittes Quartal zu. Analysten rechnen mit einem Rückgang der weltweiten Auslieferungen um rund sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Wall Street erwartet für die vergangenen drei Monate etwa 463.761 Fahrzeuge. Am morgigen Freitag legt der Elektroautobauer die offiziellen Zahlen vor. Für das Gesamtjahr rechnen Experten mit einem eher mageren Zuwachs auf 1,77 Millionen Einheiten.
Der Grund für den Dämpfer: Die Nachfrage im Heimatmarkt USA kühlt spürbar ab. Daten von Cox Automotive zeigen für Tesla im Quartal ein Minus von 31 Prozent im Jahresvergleich. Vor einem Jahr trieb das Auslaufen einer staatlichen Steuerprämie die Verkäufe noch auf fast 500.000 Autos. Diese Rekordmarke liegt nun in weiter Ferne.
Auch die alternde Produktpalette drückt auf die Verkaufszahlen. Frische Impulse fehlen. In China, dem wichtigsten Auslandsmarkt, muss Tesla für das Model 3 und das Model Y bereits Rabatte zum Quartalsende gewähren. Die heimische Konkurrenz zieht dort das Tempo an. Im August verschiffte das Werk in Shanghai rund 36.000 von 86.000 gebauten Autos nach Übersee, während die lokalen Auslieferungen im Monatsvergleich sanken.
Europa als Gegenpol, Milliarden für die Zukunft
Während die USA und China schwächeln, sorgt Europa für Entlastung. Nach schwachen Zahlen im Vorjahr stiegen die Neuzulassungen in der Europäischen Union im August um 52,7 Prozent. In den ersten acht Monaten des Jahres liegt das Plus sogar bei 65,9 Prozent. Hohe Spritpreise treiben dort den Markt für Stromer an.
Entsprechend verlagern Investoren ihren Blick auf neue Geschäftsfelder. Die Aktie verlor seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent an Wert. Um den Kurs zu stützen, forciert Konzernchef Elon Musk Themen wie autonomes Fahren, künstliche Intelligenz und Robotik. Die Ausgaben für Zukunftsprojekte sollen in diesem Jahr 25 Milliarden Dollar übersteigen. Zuletzt zeigte Tesla Events für das geplante Robotaxi Cybercab und den Elektro-Lkw Semi. Zudem steht die überfällige Premiere des Sportwagens Roadster an. Bis das autonome Fahren oder der humanoide Roboter Optimus die Marge antreiben, werden jedoch noch Jahre vergehen.
Das automobile Kerngeschäft von Tesla verliert an Schwung. Hohe Zinsen, ein harter Preiskampf in China und das Fehlen neuer Massenmodelle bremsen den Konzern aus. Das kräftige Wachstum in Europa dämpft den Rückgang zwar ab, kann das schwache US-Geschäft aber nicht vollständig ausgleichen. Ein Einstieg in die Tesla-Aktie drängt sich derzeit nicht auf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Tesla.
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