VW-Chef Oliver Blume bringt längere Arbeitszeiten für die rund 130.000 deutschen Beschäftigten des Konzerns ins Gespräch. Im Podcast von "The Pioneer" verwies er darauf, dass die Arbeitskosten in Deutschland etwa doppelt so hoch seien wie in anderen europäischen VW-Standorten – wegen des Wettbewerbsdrucks müsse man diese Punkte hinterfragen.
Denkbar seien sowohl weniger Urlaubstage als auch eine längere Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich. "Das gilt es jetzt in den nächsten Wochen und Monaten zu verhandeln", so Blume.
Bereits am Mittwoch hatte VW zehn Tarifverträge gekündigt, darunter den zentralen Manteltarifvertrag, der Arbeitszeit und Urlaub regelt. Aus Unternehmenssicht verschaffe die Kündigung Verhandlungsspielraum für nötige Anpassungen angesichts des Kostendrucks. Die Belegschaftsvertreter reagierten empört und kündigten Widerstand an. Erst vor rund einem Monat hatte der Aufsichtsrat einem umfassenden Sparprogramm zugestimmt, das auch einen Abbau Zehntausender Stellen vorsieht. Eine konkrete Zahl zur gewünschten Arbeitszeitverlängerung nannte der Konzern bislang jedoch nicht. Aus Unternehmenskreisen hieß es, mehr Wochenstunden seien vor allem dort sinnvoll, wo derzeit Mehrarbeit anfalle – in Bereichen mit Personalüberhang ergebe eine Verlängerung dagegen keinen Sinn.
Damit lebt eine grundsätzliche Debatte wieder auf: Die 35-Stunden-Woche ist in der tarifgebundenen deutschen Autoindustrie üblich, aber nicht gesetzlich vorgeschrieben. Bereits im Sommer hatte Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche bei gleichem Gehalt vorgeschlagen. Auch BMW-Chef Milan Nedeljković äußerte sich kritisch zur 35-Stunden-Woche. Die IG Metall kündigte bereits Widerstand an und forderte bei einem Protesttag mit rund 175.000 Teilnehmern: "Finger weg von der 35-Stunden-Woche!"
Es dürfte spannend werden, was in den kommenden Wochen und Monaten bei Volkswagen geschehen wird. Ein Kauf der charttechnisch angeschlagenen Aktie drängt sich aber weiterhin nicht auf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..
Enthält Material von dpa-AFX
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