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Stellantis: Millionengewinn – darum fällt die Aktie trotzdem

Stellantis: Millionengewinn – darum fällt die Aktie trotzdem
Foto: Mike Dotta/Shutterstock
Stellantis N.V -%
Jan-Paul Fóri Heute, 14:43 Jan-Paul Fóri

Eigentlich hätte es ein Befreiungsschlag für die Aktie werden sollen: Nach dem Horrorjahr 2024 hat die Opel-Mutter Stellantis für das erste Quartal die Rückkehr in die Gewinnzone gemeldet. Doch statt Sektkorken knallen an der Mailänder Börse die Kurse – nach unten. Die Aktie rutschte zeitweise um über zehn Prozent ab. Ein genauer Blick zeigt: Der vermeintliche Gewinnsprung steht auf tönernen Füßen.

Im ersten Moment lesen sich die Zahlen wie ein erfolgreiches Comeback: 377 Millionen Euro Gewinn unter dem Strich, nachdem im Vorjahreszeitraum noch tiefrote Zahlen die Bilanz verhagelt hatten. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 38,1 Milliarden Euro. Doch die Börse lässt sich nicht blenden. Das "bereinigte" EBIT von 960 Millionen Euro ist bei genauerer Betrachtung vor allem auf einen Sondereffekt zurückzuführen.

Zollrückzahlung ursächlich für Millionengewinn

Der Hauptgrund für den plötzlichen Geldregen liegt nicht etwa in einem fulminanten operativen Geschäft, sondern im US-Justizsystem. Der Oberste Gerichtshof der USA hat Einfuhrzölle aus der Ära von Donald Trump gekippt. Stellantis verbuchte deshalb im ersten Quartal eine erwartete Rückzahlung in Höhe von 400 Millionen Euro.

Zudem kämpft Stellantis weiterhin mit Altlasten. Das vergangene Jahr endete mit einem desaströsen Verlust von 22,3 Milliarden Euro. Zu hohe Produktionskosten, sinkende Preise in den USA und das jähe Ende der Elektroautoförderung haben tiefe Wunden hinterlassen. Der neue Chef Antonio Filosa steht vor der Mammutaufgabe, den schwerfälligen Mehrmarkenkonzern mit seinen 14 Brands (darunter Peugeot, Fiat, Jeep und Opel) wieder auf Kurs zu bringen.

Nur noch 4 Marken im Fokus?

Um die Trendwende herbeizuführen, will sich der Autobauer laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, der sich auf Insiderinformationen stützt, auf die beiden US-Marken und Renditebringer Jeep und Ram sowie die europäischen Volumenmarken Peugeot und Fiat fokussieren.

Für die deutsche Tochter Opel und die neun restlichen Marken könnte die Luft hingegen dünner werden. Wenn Investitionen nur noch in "Kernmarken" fließen sollen, stellt sich die Frage, welche Rolle die Rüsselsheimer im Konzerngefüge künftig noch spielen dürfen. Den Insiderangaben nach könnten Opel, Alfa Romeo und Citroën „zu regionalen oder nationalen Marken in bestimmten Märkten, in denen sie bereits stark vertreten sind oder Potenzial haben“, umgebaut werden. Diese Marken könnten dann gemäß dem "Leader-Follower"-Prinzip selbst mit weniger Budget basierend auf der Technologie der vier Kernmarken eigene Modelle kreieren. 

Technisch gesehen kopiert Stellantis damit das Baukasten-Prinzip von VW, um durch geteilte Plattformen und Motoren massiv Kosten bei der Entwicklung zu sparen. Strategisch geht Stellantis jedoch weiter: Während VW seine Töchter global wachsen lässt, droht Marken wie Opel eine Abstufung zu regionalen Nischenplayern mit geringerem Budget und strikter technologischer Abhängigkeit.

Wichtiger Termin voraus

Anleger blicke daher gespannt auf den 21. Mai. Dann wird Stellantis-Chef Filosa auf einem Kapitalmarkttag seine neue Strategie präsentieren. 

Stellantis (WKN: A2QL01)

Die Analysten reagierten indes gespalten auf das Zahlenwerk. Während die UBS die Aktie mit einem Kursziel von 9,70 Euro auf „Buy“ beließ, zeigt sich die RBC deutlich skeptischer. Mit einem Ziel von 7,00 Euro und dem Urteil „Sector Perform“ spiegeln die Kanadier die Sorge wider, dass die Margenentwicklung in Nordamerika ohne Sondereffekte enttäuscht.

Charttechnisch ist die Aktie stark angeschlagen. Mit dem zweistelligen Minus am heutigen Handelstag summieren sich die Kursverluste im laufenden Jahr bereits auf wieder mehr als ein Drittel. Die Aktie befindet sich weiter im Abwärtstrend.

Der Turnaround bei Stellantis lässt weiter auf sich warten. Ein Einstieg drängt sich nicht auf. Stellantis-Chef Filosa muss zunächst mit einer klaren Strategie das Vertrauen zurückgewinnen. 

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Stellantis.

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