Die Sorgen unter den Anlegern waren groß, dass die Aktie von SpaceX nach Ablauf der ersten Lock-up-Periode weiter abrutschen würde. Unberechtigt. Das Gegenteil war der Fall. Die Aktie bekam jede Menge Support von den Analysten und legte zuletzt deutlich zu.
SpaceX war am 12. Juni an die Börse gegangen. Nach drei fulminanten Handelstagen aber kam schnell Ernüchterung auf. Beobachter kritisierten die sehr hohe Bewertung der Aktien, zudem sahen sie einen Widerspruch zwischen den Zukunftshoffnungen und den harten Geschäftszahlen. Der Ausgabepreis von 135 Dollar wurde Mitte Juli unterschritten.
Am vergangenen Mittwoch kam es im Zuge der erstmals seit dem Börsengang präsentierten Quartalszahlen zu einem Kursrutsch. Anleger nahmen es dem Tech-Milliardär Elon Musk nicht mehr ab, dass er für seine Weltraum- und KI-Firma die Marke von einer Billion US-Dollar Jahresumsatz schon für 2030 und nicht erst für 2031 in Aussicht stellte.
Zudem agierten die Anleger kurz vor dem Ende der ersten Haltefristvereinbarung nervös, denn das von SpaceX wegen der schieren Masse an Aktien gewählte Modell mehrerer sogenannter Lock-up-Vereinbarungen ist historisch einmalig. Entsprechend groß war die Unsicherheit darüber, wie viele Titel letztlich auf den Markt kommen werden.
Bernstein: SpaceX-Kursziel 248 Dollar
Die Analysten von Bernstein bezeichneten den Zeitplan als "ein ungewöhnlich komplexes Modell mit neun wesentlichen Freigabeterminen anstelle einer herkömmlichen 180-Tage-Sperrfrist". Dennoch stellten sich die Analysten von Bernstein hinter Elon Musk und erhöhten sogar das Kursziel für die SpaceX-Aktie von hielten die Experten von 239 auf 248 Dollar. Die Fortschritte mit dem Großraketenprojekt Starship überlagerten die Sorgen rund um vorgesehene Investitionen. Die Experten erhöhten ihre Schätzungen für das Unternehmen, vor allem bedingt durch die Preisentwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz.
Auch Doug Anmuth von JPMorgan wurde nach dem Kursrutsch sogar optimistischer für SpaceX. Die ersten Resultate der Weltraum- und KI-Firma nach deren Börsengang seien stark ausgefallen, schrieb am Mittwoch. Das Unternehmen profitiere weiterhin von einer extremen vertikalen Integration der Geschäftsprozesse, und das Tempo der Veränderungen im Bereich KI sei unglaublich hoch. Das Kursziel hob Anmuth von 225 auf 240 Dollar an.
Ken Herbert von der kanadische Bank RBC blieb bei seinem Kursziel von 225 Dollar. Die Weltraum- und KI-Firma habe im zweiten Quartal stärker als erwartet abgeschnitten, schrieb Herbert in einer Nachbetrachtung. Die Resultate deuteten auf anziehende Aktivitäten in allen Sparten hin.
Elon Musk: Wagemutige Aussagen
Fakt ist: An wagemutigen Aussagen hat es Elon Musk noch nie gefehlt: Der Tech-Milliardär für seine Weltraum- und KI-Firma SpaceX die Marke von einer Billion Dollar Jahresumsatz in Aussicht. Man rechne damit nun für 2030, ein Jahr früher als zuvor, sagte Musk in einer Telefonkonferenz nach den Zahlen für das zweite Quartal mit Analysten. Auch bekräftigte Elon Musk Pläne, Rechenzentren in die Umlaufbahn zu bringen und über den Satelliten-Internetdienst Starlink großen Telekommunikations-Anbietern Konkurrenz zu machen.
SpaceX ist aktuell von der Billionen-Umsatzmarke meilenweit entfernt. So gab es im vergangenen Quartal Erlöse von 7,8 Milliarden Dollar (6,75 Milliarden Euro) - nach einem Zuwachs von 92 Prozent im Jahresvergleich.
Zukunftswette Starship
Eine zentrale Säule von Musks Zukunftsvision ist die Riesen-Rakete Starship, die aktuell noch Testflüge absolviert. Damit peile SpaceX die Marke von einer Million Tonnen jährlich und "potenziell zehn Millionen Tonnen" an, sagte er. "Wahrscheinlich" in einem Jahr werde man Starship "mindestens einmal pro Tag" starten sehen.
SpaceX wächst zwar stark, verbrennt aber gleichzeitig gewaltige Summen für Rechenzentren, Chips und KI. Die Anleger bezweifelten zuletzt, dass sich diese Investitionen schnell genug in Gewinne verwandeln.
Fakt ist: Die aktuelle Marktkapitalisierung von SpaceX – rund 1,4 Billionen Dollar – wird durch keine der aktuellen Finanzkennzahlen gestützt. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis auf Basis des vergangenen Umsatzes liegt bei über 70. Heißt: Ein großer Teil der SpaceX-Investmentstory ist eine Wette auf Elon Musk: auf sein Versprechen, Rechenzentren im Weltraum zu bauen, eines Tages Menschen zum Mars zu schicken und gleichzeitig im KI-Wettbewerb erfolgreich zu sein und auf die Umsetzung von Starship. Sicherlich ist SpaceX ein sehr spannendes Unternehmen, allerdings auch mit einer sehr üppigen Bewertung, die aktuell keinen Neukauf rechtfertigt.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SpaceX.
Enthält Material von dpa-AFX
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