Die US-Börsen haben am Montag eine beeindruckende Kehrtwende vollzogen. Trotz der offiziell in Kraft getretenen Seeblockade in der Straße von Hormuz setzen die Anleger auf eine diplomatische Lösung. Der S&P 500 stieg um 1,02 Prozent auf 6.886 Punkte und hat damit sämtliche Kursverluste seit Ausbruch des Konflikts mit dem Iran wieder aufgeholt. Auch der Nasdaq 100 kletterte um 1,06 Prozent nach oben, während der Dow Jones 301 Punkte zulegte.
Die Stimmung drehte ins Positive, nachdem US-Präsident Donald Trump signalisierte, dass die Gegenseite an den Verhandlungstisch zurückkehren wolle. „Sie wollen unbedingt einen Deal machen“, so Trump am Montag.
Dennoch bleibt die Lage angespannt, da die Blockade iranischer Häfen den Ölpreis zunächst stützte. Die Hoffnung auf Frieden scheint an der Wall Street derzeit jedoch schwerer zu wiegen als die Angst vor einer weiteren Eskalation, was bei den Anlegern für eine massive Erleichterungswelle sorgte. Ein Cliffhanger bleibt jedoch die Frage, ob die Diplomatie in Pakistan tatsächlich noch rechtzeitig greift, bevor die militärische Blockade erste ernste Konsequenzen zeigt.
Der Handelstag an der New York Stock Exchange begann zunächst düster. Mit dem Inkrafttreten der Seeblockade um 16 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit stiegen die Sorgen vor einer dauerhaften Unterbrechung der globalen Ölversorgung. Rohöl der Sorte WTI verteuerte sich zeitweise deutlich, dämmte die Gewinne aber mit der neuen Iran-Hoffnung wieder ein und notierte zuletzt unter der Marke von 100 Dollar pro Barrel. Dies belastete zeitweise Aktien von Fluggesellschaften, während Ölwerte wie Chevron um 1,7 Prozent zulegten. Doch im Tagesverlauf änderte sich das Narrativ. Berichte über fortgesetzte Gespräche durch Vermittler aus Pakistan, Ägypten und der Türkei nährten die Zuversicht, dass die Diplomatie noch nicht am Ende sei, wie Regierungsbeamte bestätigten.
Besonders kräftig präsentierten sich die Technologiewerte. Microsoft führte die Riege der „Magnificent 7“ mit einem Plus von 3,6 Prozent an. Auch Oracle und Palantir Technologies glänzten mit deutlichen Aufschlägen. Für Aufsehen sorgten zudem Dell und HP Inc, die im regulären Handel um 6,7 beziehungsweise 5,3 Prozent nach oben sprangen. Auslöser waren Berichte der Website „SemiAccurate“, wonach Nvidia an einer Übernahme eines PC-Herstellers interessiert sei, um die Hardware-Landschaft neu zu formieren. Nvidia selbst beendete den Tag mit einem Plus von 0,4 Prozent. Nachbörslich brachen die Kurse von Dell und HP jedoch wieder um rund drei Prozent ein, nachdem Nvidia die Berichte über eine anstehende Übernahme als falsch zurückwies. Im Finanzsektor verlor Goldman Sachs 1,9 Prozent, da Analysten das schwache Abschneiden im Bereich der festverzinslichen Papiere bemängelten.
Charttechnisch hat sich das Bild an der Wall Street durch den heutigen Rebound massiv aufgehellt. Der S&P 500 notiert nun wieder über wichtigen Unterstützungszonen und hat die Marke von 6.800 Punkten nachhaltig verteidigt. Der Index konnte zudem den dritten Tag in Folge oberhalb der 50-Tage-Linie (6.763 Punkte) schließen, was kurzfristig orientierte Trader zurück in den Markt locken dürfte. Sollten die Verhandlungen in Islamabad in den kommenden Tagen konkrete Ergebnisse liefern, rückt das Allzeithoch vom 28. Januar bei 7.002 Punkten wieder in greifbare Nähe.
DER AKTIONÄR rät Anlegern dazu, die Volatilität für gezielte Zukäufe bei Qualitätsaktien aus dem Tech-Sektor zu nutzen, da die fundamentale Stärke der US-Wirtschaft trotz der geopolitischen Störfeuer intakt bleibt.
Heute, 22:43