Das Damoklesschwert ist vorerst abgewendet. Der Indexanbieter MSCI hat entschieden, sogenannte „Digital Asset Treasuries“ (DAT) nicht unmittelbar aus seinen weltweiten Benchmarks zu verbannen. Für Michael Saylor und seine Strategy bedeutet das: Das Szenario massiver Zwangsverkäufe durch passive Fonds ist vom Tisch – zumindest kurzfristig.
Im Oktober hatte MSCI für Unruhe an der Wall Street gesorgt. Der Finanzdienstleister prüfte, ob Firmen, deren Bilanzsumme zu 50 Prozent oder mehr aus digitalen Assets besteht, noch in den „Global Investable Market Indexes“ (GIMIs) tragbar seien. Die Sorge: Unternehmen wie Strategy oder BitMine fungieren faktisch als passive Investmentvehikel – und diese haben in Aktienindizes per Definition nichts verloren.
Nun die Rolle rückwärts. In einem Statement am Dienstag erklärte MSCI, die Kriterien blieben „bis auf Weiteres“ unverändert. Die angedrohte Säuberungswelle zum Februar-Rebalancing fällt aus. Von den 39 identifizierten „Krypto-Firmen“ – darunter 18 aktuelle Index-Mitglieder – muss vorerst niemand um seinen Platz fürchten.
Milliardenrisiko abgewendet
JPMorgan hatte bereits vorgerechnet: Ein Rauswurf aus Schwergewichten wie dem MSCI World oder Nasdaq-100 hätte bei MicroStrategy Kapitalabflüsse in Milliardenhöhe ausgelöst.
Die Kritik an der geplanten Verschärfung war laut. Marktteilnehmer argumentierten, dass unterschiedliche Buchhaltungsregeln weltweit die starre 50-Prozent-Hürde zu einem willkürlichen Instrument machten. Zudem wehrt sich Strategy-Gründer Michael Saylor vehement gegen den Vorwurf, eine passive Holding zu sein. Der Bitcoin-Erwerb sei „operatives Kerngeschäft“. „Kein passives Vehikel könnte tun, was wir tun“, so Saylor.
Markt feiert die Gnadenfrist
Die Börse reagierte prompt. Nachdem die Strategy-Papiere im regulären Handel noch rund vier Prozent abgegeben hatten, drehte die Stimmung nach der MSCI-Meldung. Nachbörslich kletterte der Kurs um 4,36 Prozent.
Aufgeschoben, nicht aufgehoben
Doch Entwarnung sieht anders aus. Während MSCI den sofortigen Bann stoppte, hält der Anbieter an der Grundsatzkritik fest: Viele DATs zeigten Charakteristika von Investmentfonds. Statt eines Schnellschusses kündigte die Firma nun eine umfassende Überprüfung von „non-operating companies“ an. Ziel sind neue Bewertungskriterien – etwa basierend auf Finanzkennzahlen –, um operatives Geschäft künftig sauber von reinen Asset-Vehikeln zu trennen.
Strategy gewinnt Zeit, aber keinen Frieden. Die Entscheidung ist eine Galgenfrist, kein Freibrief. MSCI hat klar signalisiert, dass das Geschäftsmodell im klassischen Aktienindex ein Fremdkörper bleibt. Solange der Indexanbieter an einer schärferen Definition feilt, schwebt das Risiko einer zukünftigen Exklusion weiter über den Papieren.
07.01.2026, 13:35