Die Lage im Iran bleibt explosiv: Entgegen der US-Darstellung sind die Exekutionen von Demonstranten nicht gestoppt worden. Die iranische Justiz wies die Behauptungen von US-Präsident Donald Trump zurück und bezeichnete sie als „völlig falsch“. Vor dem Wochenende spitzt sich die Lage im Nahen Osten damit zu.
Konkret teilte Teheran mit, dass die Zahl von 800 Hinrichtungen nicht existiere und die Regierung auch keine entsprechenden Maßnahmen beschlossen habe, um die Exekutionen der Demonstranten zu stoppen. Unterdessen steigt die internationale Sorge vor einem militärischen Konflikt. Trump kündigte die Verlegung einer „riesigen Flotte“ in die Gewässer vor dem Iran an. Die Revolutionsgarden reagierten mit der Drohung, „mit dem Finger am Abzug“ bereitzustehen.
An der Börse wird die Angst vor einer Blockade der Straße von Hormuz, einer der weltweit wichtigsten Nadelöhre für den Öltransport, sofort eingepreist. Sollte der Iran seine Drohung wahrmachen und „mit dem Finger am Abzug“ auf die US-Präsenz reagieren, ist ein sprunghafter Anstieg der Ölpreise für die Sorten Brent und WTI höchstwahrscheinlich. Am Freitag kostet ein Barrel der US-Sorte WTI 61,17 Dollar und damit 1,75 Dollar oder drei Prozent mehr als am Vortag.
Die klaren Gewinner dieses Szenarios sind die großen Ölmultis wie ExxonMobil, Chevron und Shell, die von einer höheren Marge bei der Förderung profitieren würden. Auch europäische Schwergewichte wie TotalEnergies dürften bei einer weiteren Verschärfung der Lage Kursgewinne verzeichnen, da Energieknappheit in Krisenzeiten traditionell die Kassen der Förderländer und -unternehmen füllt.
Neben dem Ölsektor ist die Rüstungsindustrie der offensichtlichste Profiteur der drohenden militärischen Auseinandersetzung. Die Verlegung massiver Flottenverbände und die aggressive Rhetorik aus Washington spielen den US-Verteidigungsgiganten direkt in die Karten. Unternehmen wie Lockheed Martin, Raytheon (RTX) und Northrop Grumman stehen bereit, um potenzielle Bestückungslücken zu füllen oder neue Verteidigungssysteme zu liefern.
Ein weiterer entscheidender Faktor für die Märkte ist die Flucht in sichere Häfen. Angesichts der Berichte über mindestens 5.000 Tote bei den Protesten im Iran und der vollständigen Isolation des Landes durch Internetsperren wächst die Unsicherheit über die Stabilität der gesamten Region.
In einem solchen Umfeld ist Gold als sicherer Hafen gefragt. Anleger, die sich gegen die zunehmenden geopolitischen Risiken absichern wollen, treiben den Goldpreis sowie die Aktien von Minenbetreibern wie Newmont oder Barrick Gold nach oben.
Das sind die möglichen Verlierer einer Eskalation im Iran
Auf der Verliererseite stehen hingegen vor allem die Luftfahrtbranche und energieintensive Industriezweige. Ein steigender Ölpreis verteuert den Kerosineinkauf massiv, was die Bilanzen von Fluggesellschaften wie der Lufthansa oder Air France-KLM unmittelbar belasten würde. Zudem drohen bei einem militärischen Konflikt weiträumige Luftraumsperrungen, die den internationalen Flugverkehr zwischen Europa und Asien massiv stören könnten.
Auch Logistikunternehmen müssten mit höheren operativen Kosten und unterbrochenen Lieferketten rechnen. Ebenso geraten zyklische Konsumwerte unter Druck, da steigende Energiekosten die Kaufkraft der Verbraucher schwächen und die Inflation erneut anheizen könnten.
Die Lage am persischen Golf spitzt sich zu. Sollte es zu einer erneuten Eskalation im Iran kommen, wäre dies ein erneuter Rückschlag für die gesamte Region und könnte die Kurse unter Druck setzen. DER AKTIONÄR bleibt am Ball.
DER AKTIONÄR DAILY Newsletter
Bleiben Sie über die neuesten Entwicklungen bei spannenden Unternehmen und an der Börse auf dem Laufenden. Lesen Sie DER AKTIONÄR DAILY – den täglichen Newsletter von Deutschlands führendem Börsenmagazin. Kostenlos.
Heute, 19:30