Bei PayPal kommt neue Fantasie auf. Laut einem Medienbericht will der Bezahldienstleister seine App Venmo in einen eigenen Geschäftsbereich überführen. Damit könnte PayPal die Entwicklung der Sparte gezielter steuern – oder sich zugleich eine Tür für weitergehende strategische Optionen offenhalten.
CNBC berichtet, dass die Neuordnung auch einen möglichen Verkauf von Venmo erleichtern könnte. Parallel dazu soll PayPal demnach nach einer Führungskraft mit Erfahrung im Digitalbanking suchen, die den Bereich übernimmt. Bestätigt hat der Konzern das zunächst nicht. Allerdings passt der Schritt zu einem größeren Umbau, über den auch das Wall Street Journal berichtet: PayPal will sich demnach künftig in drei Geschäftsbereiche aufstellen, darunter Consumer Financial Services & Venmo.
Für Anleger ist das brisant. Venmo gilt seit Jahren als einer der interessantesten Vermögenswerte im Konzern, weil die Plattform eine starke Marke bei jüngeren Nutzern besitzt und im US-Markt für Zahlungen zwischen Privatpersonen fest verankert ist. Zugleich war zuletzt immer wieder über strategische Optionen spekuliert worden – auch, weil ein Komplettverkauf von PayPal wegen der Unternehmensgröße als schwierig gilt, während ein Teilverkauf einzelner Assets realistischer erscheint.
Klar ist aber auch: Ein möglicher Venmo-Schritt wäre nicht automatisch ein Befreiungsschlag. PayPal kämpft weiter mit Problemen im Kerngeschäft, wachsendem Wettbewerbsdruck und einer insgesamt skeptischen Haltung der Analysten.
Erst vor Kurzem hatten mehrere Häuser zwar ihre Kursziele angepasst, echte Kauflaune kam dabei aber nicht auf. Genau deshalb dürfte der Markt nun besonders genau hinschauen, ob hinter der Neuordnung nur ein organisatorischer Umbau steckt – oder tatsächlich ein größerer strategischer Plan.
Die Venmo-Fantasie liefert PayPal kurzfristig neuen Gesprächsstoff und könnte der Aktie immer wieder Impulse geben. Mehr als ein spannender Sonderszenario-Treiber ist das vorerst aber nicht. Solange PayPal operativ nicht klarer abliefert, bleibt auch ein möglicher Venmo-Umbau eher Spekulation als Investmentcase. Anleger bleiben deshalb weiter vorsichtig, vor allem vor den am Dienstag anstehenden Zahlen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: PayPal.
Heute, 07:21