Die Ölpreise sind wieder kräftig angezogen, nachdem US-Präsident Donald Trump den Ton gegenüber dem Iran deutlich verschärft hatte. Im Verlauf des Abends verstärkten sich die Aufwärtsbewegungen weiter. Der Preis für ein Barrel Brent-Öl zur Lieferung im Juni legte um 7,1 Prozent auf 119,19 Dollar zu und erreichte zwischenzeitlich sogar ein Tageshoch von 119,76 Dollar.
Auslöser waren neue, scharf formulierte Aussagen Trumps. Vor dem Hintergrund stockender Gespräche im Nahostkonflikt übte er öffentlich massiven Druck auf Teheran aus. "Der Iran bekommt es nicht auf die Reihe. Sie wissen nicht, wie man einen Anti-Atomwaffen-Deal abschließt. Sie sollten sich lieber bald schlau machen!", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Überschrieben ist die Darstellung mit den Worten: "NO MORE MR. NICE GUY"
Zusätzlich machte Trump gegenüber Axios deutlich, dass er eine Öffnung der Straße von Hormus ablehnt, solange es keine Einigung im Atomstreit gibt. Damit stellte er sich gegen einen zuvor aus dem Iran kommenden Vorschlag, zunächst die wichtige Handelsroute freizugeben und erst anschließend über das Nuklearprogramm zu verhandeln.
Zwar gilt aktuell eine Waffenruhe, doch die diplomatischen Bemühungen kommen kaum voran. Die jüngsten Äußerungen aus Washington dämpfen daher die Hoffnungen auf eine schnelle Entspannung der Lage – ebenso wie auf eine baldige Wiederöffnung der Straße von Hormus.
Die anhaltende Blockade der Meerenge durch den Iran sorgt weiterhin für erhebliche Verwerfungen am Ölmarkt, da sie einen zentralen Transportweg für Rohöl betrifft. Die USA versuchen ihrerseits, mit Maßnahmen gegen iranische Häfen zusätzlichen Druck aufzubauen.
Unterstützung erhielten die Preise zudem von aktuellen Daten aus den USA: Die Rohöllagerbestände sind in der vergangenen Woche stärker gesunken als erwartet, auch bei Benzin und Destillaten wurden Rückgänge verzeichnet.
Der angekündigte Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der Opec zum 1. Mai blieb in diesem Umfeld weitgehend ohne Einfluss auf die Preisentwicklung. Zwar wird erwartet, dass die Emirate ihre Produktion mittelfristig ausweiten, doch kurzfristig steht weiterhin die geopolitische Lage im Mittelpunkt.
Die Lage im Nahen Osten sorgt weiterhin für anhaltend hohe Öl- und Gaspreise. Hiervon profitieren besonders Firmen, die wie etwa Eni nicht selbst im Nahen Osten aktiv sind. Die immer noch relativ günstig bewertete Aktie des italienischen Energiekonzerns bleibt attraktiv (Stopp: 16,50 Euro).
Heute, 06:43