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09.01.2021 Martin Mrowka

Neues Boeing-Unglück: Diesmal eine alte 737 – plus Milliarden-Strafe

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Boeing

Der amerikanische Flugzeugbauer muss einen erneuten Rückschlag einstecken. Eine alte Boeing 737-500 der indonesischen Fluggesellschaft Sriwijaya Air ist laut offiziellen Angaben wenige Minuten nach dem Abheben aus Jakarta vom Radar verschwunden. Zudem muss der gebeutelte Flugzeugbauer eine Milliarden-Strafe für das 737-Max-Debakel verkraften.

Das Passagierflugzeug war auf dem Weg von der indonesischen Hauptstadt nach Pontianak auf der Insel Borneo. Um 14.40 Uhr Ortszeit (8.40 Uhr MEZ) sei der Kontakt zu dem Flugzeug abgebrochen, sagte Adita Irawati, ein Sprecher des indonesischen Ministeriums für Transport.

Der Flugdatenanbieter Flightradar24 erklärte auf Twitter, die 26 Jahre alte Maschine habe innerhalb weniger als einer Minute mehr als 3.000 Meter an Höhe verloren.

Die Airline gab noch keine offizielle Stellungnahme ab. Sie bestätigte aber den Kontaktverlust. Inzwischen bestätigte der Regierungschef des Bezirkes Seribu dem Nachrichtenportal Kompas, dass das Flugzeug abgestürzt sei. Es sei nahe der Insel Palau Laki niedergegangen. Ein lokaler Fischer habe den Absturz beobachtet. Auch sollen Trümmer gefunden worden sein, schreibt AeroTelegraph.

Laut Berichten des Fernsehsenders Metro TV waren an Bord der Boeing 737-500 insgesamt 56 Passagier (darunter sieben Kinder) sowie sechs Crew-Mitglieder.

Flugzeugabstürze passieren selten. Doch gerade bei älteren Maschinen können Unglücke nicht ausgeschlossen werden. Dass erneut eine Boeing betroffen ist, kommt für den US-Flugzeugbauer zur Unzeit. Seit wenigen Wochen dürfen die neuen, lange mit einem Flugverbot belegten Boeing-737-Max-Maschinen wieder fliegen. Der nun betroffene Typ gehört nicht zu dem von zwei verheerenden Flugzeugabstürzen betroffenen Maschinen.

Das Desaster um den Absturzflieger 737 Max kommt den Flugzeugbauer teuer zu stehen. Der Konzern zahlt eine Strafe von mehr als 2,5 Milliarden Dollar zur Beilegung strafrechtlicher Verfahren, wurde vor dem Wochenende bekannt. Die Boeing-Aktien gingen daraufhin 1,3 Prozent tiefer aus dem US-Handel.

Boeing (WKN: 850471)

Boeing war nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten in Verdacht geraten, seine bestverkaufte Modellserie 737 Max überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Die US-Justizbehörden beschuldigen Boeing nun unter anderem, die Regierung mit irreführenden Angaben dabei behindert zu haben, die Sicherheit im öffentlichen Flugverkehr zu gewährleisten.

Boeing erklärte in einer Stellungnahme, dass es bei den Strafen des Justizministeriums um das Verhalten zweier Ex-Mitarbeiter gehe. Diese hätten ein für das Piloten-Training zuständiges FAA-Gremium absichtlich über Änderungen am MCAS genannten Steuersystem der 737 Max getäuscht.

Der Großteil der Strafzahlungen soll mit 1,77 Milliarden Dollar an Fluggesellschaften zufließen, die als Kunden von Boeing geschädigt wurden. 500 Millionen Dollar gehen dem Justizministerium zufolge an einen Entschädigungsfonds für Angehörige von Absturzopfern. Hinzu kommen 234,6 Millionen Dollar, die dem Unternehmen von den Justizbehörden als zusätzliche Strafe auferlegt wurden. Ob Boeing damit aus dem Schneider ist, bleibt abzuwarten. Es laufen noch etliche Klagen wegen der 737-Max-Abstürze gegen den Konzern. Auch die FAA könnte noch zusätzliche Bußgelder verhängen.

Die 737-Max-Krise hat Boeing finanziell bereits erheblich unter Druck gebracht. Zahlreiche Aufträge wurden storniert, Boeing entstanden etliche Milliarden an Sonderkosten. Der Konzern reagiert auf die klamme Finanzlage mit drastischen Sparmaßnahmen und will seine Mitarbeiterzahl bis Ende 2021 auf rund 130.000 senken. Zum Vergleich: Anfang 2020 hatte Boeing noch etwa 160.000 Beschäftigte. (Mit Material von dpa-AFX)

Der Unfall in Indonesien mit vielen zu befürchtenden Opfern dürfte auch den Boeing-Konzern erneut belasten. DER AKTIONÄR steht seit Monaten auf der vorsichtigen Seite und hält nach wie vor Airbus für das bessere Flugzeugbauer-Papier.

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