Die Nestlé-Aktie schoss am Donnerstagmorgen nach der Bekanntgabe der Zahlen zum ersten Quartal 2026 um rund sieben Prozent in die Höhe. Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern übertraf mit einem organischen Wachstum von 3,5 Prozent die Erwartungen der Analysten. Damit sendet der neue CEO Philipp Navratil ein wichtiges Lebenszeichen an den Markt.
Besonders positiv ist dabei die Entwicklung des internen Realwachstums (RIG), das bei 1,2 Prozent lag. Diese Kennzahl ist entscheidend, da sie im Gegensatz zum organischen Gesamtwachstum von 3,5 Prozent – welches auch Preiserhöhungen von 2,3 Prozent beinhaltet – rein die tatsächlich abgesetzte Menge misst. Nach Jahren der Flaute kehrt der Konzern nun also zu echtem Mengenwachstum zurück.
Vor allem das Kaffeegeschäft erwies sich als Motor dieser Entwicklung. Der Schweizer Traditionskonzern profitierte hier von einer starken Nachfrage nach dem Kaffeesystem Nespresso Vertuo und einem organischen Plus von 9,3 Prozent in diesem Segment. Preisanpassungen von 2,3 Prozent halfen zudem, den massiven Gegenwind durch Währungseffekte von über neun Prozent abzufedern. Der gemeldete Umsatz sank zwar währungsbedingt um 5,7 Prozent auf 21,3 Milliarden Franken, lag aber dennoch über der Konsensschätzung von 21,2 Milliarden Franken.
Analysten sehen Wendepunkt
Die Experten reagieren erleichtert. Während Callum Elliott von Bernstein Research von einer „echten positiven Überraschung“ sprach, beließ JPMorgan die Einstufung auf Overweight mit einem Kursziel von 90 Franken. Auch James Edwardes Jones von der kanadischen Bank RBC hob in seiner Schnelleinschätzung das beeindruckende erste Quartal hervor und bestätigte sein Kursziel von 82 Franken. Besonders die Erholung im Kaffeebereich nach dem extremen Preisdruck des Vorjahres sowie die Bestätigung der Wachstumsziele für 2026 stützen das Vertrauen. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) sieht den Konsumwert nach den heutigen Nachrichten fundamental gestärkt und verweist auf die solide Volumenentwicklung, welche die langfristigen Konzernziele untermauere.
Skandal und Umbau
Der Gigant aus Vevey arbeitet sich mühsam aus einer Vertrauenskrise. Ein weltweiter Rückruf von Säuglingsnahrung wegen Toxin-Belastungen im Januar belastete das Wachstum im ersten Quartal noch mit rund 90 Basispunkten. Doch Navratil, der im September 2025 als bereits dritter CEO innerhalb von 13 Monaten antrat, räumt auf. Er strafft das Portfolio radikal: Der Verkauf von Blue Bottle Coffee wurde eingeleitet, das kriselnde Wassergeschäft mit Premiummarken wie Perrier oder S.Pellegrino soll bis Jahresende folgen. Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy ordnet den Kurs ein: „Der Umbau ist ein klares Signal, dass der Vorstand entschlossen ist, Nägel mit Köpfen zu machen, um auf den Wachstumspfad zurückzufinden.“
Mit einer Marktkapitalisierung von rund 226 Milliarden Euro bleibt der Konzern, zu dem über 2.000 Marken gehören, das mit Abstand größte Lebensmittelunternehmen der Welt – deutlich vor McDonald’s (ca. 182 Mrd. Euro) oder Unilever (ca. 107 Mrd. Euro). Dennoch kämpft der Hersteller von Weltmarken wie Kitkat, Nespresso, Maggi und Purina seit fünf Jahren mit massiven strukturellen Problemen. Die Nettoverschuldung kletterte bis Ende 2025 auf über 51 Milliarden Franken. Das aktuelle Sparprogramm soll nun jährlich drei Milliarden Franken freisetzen und 16.000 Stellen streichen.
Trotz des heutigen Kurssprungs bleibt die charttechnische Lage angespannt. Die Aktie notierte zuletzt auf 8-Jahres-Tief und hat seit ihrem Höchststand im Jahr 2022 rund 40 Prozent an Welt verloren. Der heutige Anstieg führt das Papier nun an die obere Grenze der mittelfristigen Seitwärtsspanne zwischen 70 und 84 Franken. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke würde das langfristige Bild signifikant aufhellen.
Nestlé kehrt auf Wachstumskurs zurück. Anleger, die von der Erholung der Schweizer und der Stärke weiterer europäischer Schwergewichte profitieren wollen, werfen einen Blick auf den European Champions-Index. Nestlé ist einer von elf substanzstarken Werten in diesem Index. Mit dem Zertifikat (WKN: DA0AC3) können Anleger gebündelt auf die Qualität europäischer Marktführer setzen.
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Heute, 11:55