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25.02.2021 Nikolas Kessler

Nach Wirecard-Skandal: EY-Deutschland-Chef tritt ab

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Wirecard

Das milliardenschweren Debakel bei Wirecard ist zwar nach bisherigen Erkenntnissen in erster Linie auf den großangelegten Betrug einzelne Top-Manager zurückzuführen, doch auch Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfer haben bei alldem keine gute Figur gemacht. Bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die fast zehn Jahre lang die Bilanzen des einstigen DAX-Konzerns testiert hatte, hat das jetzt Konsequenzen.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY wechselt ihre Deutschland-Spitze aus. Hubert Barth, seit 2016 Vorsitzender der Geschäftsführung des in Stuttgart ansässigen Deutschland-Ablegers von EY, werde künftig eine neue Rolle übernehmen, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung. Barths Nachfolge treten Henrik Ahlers, bisher schon Mitglied der Geschäftsführung, und Jean-Yves Jégourel als Doppelspitze an.

Zu Gründen von Barths Abberufung äußerte sich das Unternehmen nicht im Detail. Mehrere Medien berichteten, der Abgang sei auch eine Konsequenz aus dem Wirecard-Skandal, der im Sommer seinen Lauf genommen hatte. EY ließ das unkommentiert, teilte aber mit, man sei sich des Vertrauensverlustes bewusst, der dadurch entstanden sei. „Es ist oberste Priorität von EY, zur Aufklärung des Falles Wirecard beizutragen und verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen.“

Der Schaden ist enorm – Klagewelle rollt

EY hatte die Bilanzen des mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleisters von 2009 bis 2018 geprüft und abgesegnet - lediglich für den Abschluss des Geschäftsjahres 2019 verweigerte die Gesellschaft das Testat. Laut Münchner Staatsanwaltschaft waren die Wirecard-Bilanzen aber spätestens seit 2015 manipuliert. EY ist nun mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht genau genug geprüft zu haben und dem Schwindel aufgesessen zu sein.

Dieser Umstand führte zu einem enormen Imageschaden. Zudem droht eine Flut an Schadenersatzklagen von geprellten Aktionären und Gläubigern, die EY Versäumnisse vorwerfen. Ihr Schaden geht in die Milliarden, bei Wirecard selbst dürfte nach der Insolvenz und der laufenden Abwicklung allerdings bestenfalls noch ein Bruchteil davon zu holen sein. Zu den Klägern gegen EY gehört nach Medienberichten auch die Commerzbank.

Der Berliner Anlegeranwalt Wolfgang Schirp begrüßte am Donnerstagmittag Barths Rücktritt. „EY gesteht sich damit offenbar zumindest teilweise die Schuld am Wirecard-Skandal ein.“ Schirp reichte als erster Schadenersatzklagen gegen EY im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal vor dem Landgericht Stuttgart ein. Eine erste mündliche Verhandlung soll es Mitte Juni geben.

Wirecard (WKN: 747206)

Die juristische und politische Aufarbeitung des Wirecard-Skandals schreitet voran und fordert inzwischen personelle Konsequenzen. So müssen auch Edgar Ernst, Präsident der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), sowie BaFin-Chef Felix Hufeld und dessen Vize Elisabeth Roegele ihren Hut nehmen. Die BaFin ist längst auch ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

Für die Wirecard-Aktie ist all das allerdings kaum noch relevant. Sie taumelt mit Kursen um 40 Cent in Richtung Bedeutungslosigkeit. 

Mit Material von dpa-AFX.

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