Der Luxuskurs von Mercedes-Benz erhält einen Dämpfer. Wegen der anhaltenden Schwäche auf dem wichtigsten Markt China muss der Stuttgarter Autobauer seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr senken.
Der Grund: Die dortige Immobilienkrise verdirbt den wohlhabenden Konsumenten die Kauflaune und bremst die Nachfrage nach teuren Fahrzeugen aus. Im zweiten Quartal brachen die Verkäufe von Mercedes in der Volksrepublik um 30 Prozent ein. Mercedes erwartet beim Konzernumsatz nun einen Wert leicht unter dem Vorjahr. Zuvor hatte das Management mit Erlösen auf Vorjahresniveau gerechnet. Auch beim Absatz von Pkws geht Mercedes nun von einem leichten Rückgang aus.
Gegenwind für die Luxusstrategie
Mercedes steht mit diesen Problemen nicht alleine da. Während auch Konkurrent BMW seine Erwartungen dämpfte, musste Volkswagen kürzlich ebenfalls seine Umsatzprognose zurückschrauben. Der Preiskampf in China ist unerbittlich. Heimische Hersteller punkten bei Elektroautos mit mehr Software-Spielereien, was Modellen wie der elektrischen CLA-Limousine das Leben schwer macht.
Die Schwäche im wichtigsten Markt erhöht den Druck auf Mercedes-Chef Ola Källenius. Seine Strategie, die Marke noch weiter im obersten Luxussegment zu positionieren, macht den Konzern extrem abhängig von der Zahlungsbereitschaft reicher Kunden in China. Wenn dieser Motor stottert, gerät das gesamte Gefüge ins Wanken.
Die Zahlen im Detail
Entsprechend gemischt fallen die Zahlen für das zweite Quartal aus. Der Konzernumsatz sank um 3,3 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen von 31,8 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis der Pkw-Sparte brach um 26 Prozent auf 909 Millionen Euro ein. Die viel beachtete Marge im Pkw-Geschäft sank um 1,1 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent. Zudem nahmen die Schwaben wegen der schwierigen Geschäfte eine Wertminderung auf ihre chinesischen Gemeinschaftsunternehmen in Höhe von 704 Millionen Euro vor.
Dennoch gab es auch Lichtblicke. Das gesamte operative Konzernergebnis (Ebit) stieg dank einer starken Performance der Lieferwagen-Sparte und der Finanzdienstleistungen um gut ein Fünftel auf 1,55 Milliarden Euro. Unter dem Strich kletterte der Konzerngewinn um 13,5 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro. Es war der erste Anstieg des Quartalsgewinns seit drei Jahren.
Mercedes spürt die Kehrseite seiner Fokussierung auf das Luxussegment. Die Strategie verspricht hohe Margen, macht die Stuttgarter aber anfällig für Konjunkturdaten aus China. Solange sich die Wirtschaft dort nicht nachhaltig erholt und der heimische Wettbewerb so aggressiv bleibt, steht das Geschäftsmodell vor einer harten Bewährungsprobe. Die neuen Modelle im zweiten Halbjahr müssen nun liefern, um die Jahresziele zu sichern. Ein Einstieg drängt sich derzeit noch nicht auf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Mercedes-Benz.
Heute, 08:06
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