Die Ölpreise schnaufen nach dem starken Lauf der vorangegangenen Wochen aktuell durch und geben heute ein weiteres Prozent nach. Doch die Lage bleibt natürlich angespannt. Schließlich fehlen der Weltwirtschaft Tag für Tag mehrere Millionen Barrel Rohöl. Daher macht nun der französische Präsident Emmanuel Macron Druck.
So will er im Rahmen der G7 darüber beraten, ob weitere Notfall-Ölreserven freigegeben werden sollten. Damit sollen die zuletzt auf Rekordhöhe gestiegenen Preise für Diesel und andere Sorten wieder nachhaltig gedrückt werden. Anders als die USA verfügen die europäischen Länder in ihren Notfallreserven auch große Mengen von bereits raffinierten Kraftstoffen wie Benzin und Diesel.
Der europäische Referenzpreis für Diesel ist in dieser Woche auf mehr als 200 US-Dollar je Barrel gestiegen. Zusätzlicher Druck entsteht durch ausgeweitete russische Beschränkungen für Dieselausfuhren und weiterhin begrenzte Exporte aus dem Nahen Osten.
Am Freitag informierte zudem Saudi Aramco mindestens zwei europäische Raffinerien darüber, dass sie im Oktober wegen des Angriffs auf die Ost-West-Pipeline kein Rohöl erhalten werden. Der Konzern will einen Teil der Pipelinekapazität rasch wiederherstellen. Bis die Leitung vollständig repariert ist, könnten jedoch etwa sechs Wochen vergehen.
Reserven bereits um mehr als ein Drittel geschrumpft
Aramco hat nach eigenen Angaben eine alternative Transportmöglichkeit für rund 60 Millionen Barrel organisiert. Das Öl soll über den Persischen Golf und mithilfe von Umladungen zwischen Schiffen vor der Küste Omans transportiert werden. Der überwiegende Teil dieser Lieferungen ist für Raffinerien in Asien bestimmt. Europa muss daher auf Öl aus der Nordsee und anderen Förderregionen zurückgreifen.
Seit März haben die Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur mehr als 300 Millionen Barrel aus ihren Notfallreserven freigegeben. Dennoch liegen die weltweit beobachteten Lagerbestände weiterhin rund 507 Millionen Barrel unter dem Niveau zu Beginn des Krieges. In den vergangenen sechs Monaten wurden die Reserven durchschnittlich um 2,8 Millionen Barrel pro Tag abgebaut. Eine weitere koordinierte Freigabe könnte kurzfristig zusätzliches Rohöl und vor allem fertige Kraftstoffe nach Europa bringen. Die strukturellen Probleme würden dadurch jedoch nicht gelöst: Eine solche Maßnahme repariert weder die saudische Pipeline noch bringt sie russische Raffinerien wieder in Betrieb. Auch die Straße von Hormus würde dadurch nicht wieder geöffnet.
Die G7 könnten sich mit der weiteren Freigabe von Notfall-Reserven lediglich Zeit kaufen. Grundsätzlich bleibt das Problem, dass aktuell zu wenig Öl auf dem Markt ist, aber bestehen. Für breit aufgestellte Energiekonzerne wie etwa Eni ist die aktuelle Situation natürlich weiterhin eine regelrechte Lizenz zum Gelddrucken. Die immer noch relativ günstig bewertete Aktie bleibt nach wie vor ein attraktives Investment (Stopp: 17,50 Euro).
Heute, 07:20
Bei Google bevorzugen