Die Commerzbank trifft beim Quartalsgewinn fast genau die Erwartung. Darunter verschieben sich die Gewichte: Das Wertpapiergeschäft liefert mehr, der Zinsüberschuss weniger – und die Bank senkt ihre Zinsprognose für 2026.
Commerzbank: Fast punktgenau beim Gewinn
Die Commerzbank meldet 859 Millionen Euro Konzernergebnis im dritten Quartal, 45,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. 14 Analysten hatten im Schnitt 864 Millionen erwartet – eine Abweichung von 0,58 Prozent.
Die Erträge lagen mit 3,2 Milliarden Euro 2,35 Prozent unter dem Konsens von 3,28 Milliarden, das Operative Ergebnis mit 1,31 Milliarden Euro 2,02 Prozent unter den erwarteten 1,34 Milliarden. Den Gewinn retten drei Posten: Verwaltungsaufwendungen von 1,64 statt 1,66 Milliarden Euro, eine Risikovorsorge von 210 statt 223 Millionen – 5,83 Prozent weniger – und Steuern von 373 statt 394 Millionen.
Commerzbank: Wertpapiere tragen, der Zins hakt
Barclays hatte die Aktie im Oktober unter anderem wegen eines schwächeren Zinsüberschusses abgestuft – zu Recht: Er stieg um 3,47 Prozent auf 2,12 Milliarden Euro, blieb aber 1,26 Prozent unter den erwarteten 2,14 Milliarden. Noch stärker drückten die Sonstigen Erträge mit minus 29 statt plus 24 Millionen Euro. Dagegen schlug der Provisionsüberschuss mit 1,07 Milliarden Euro den Konsens von 1,06 Milliarden um 1,04 Prozent.
Motor ist das Privatkundengeschäft in Deutschland mit seinem besten Quartal: Provisionsüberschuss plus 14,2 Prozent, Zinsüberschuss plus 12,2 Prozent, Operatives Ergebnis plus 76,4 Prozent auf 485 Millionen Euro. Die Privatkundenbank der Deutschen Bank steigerte im selben Quartal Provisions- und Zinsüberschuss um 13 und neun Prozent – ein Branchentrend, bei dem die Commerzbank leicht vorn liegt. Im Konzern stiegen die Erträge der Commerzbank um 8,85 Prozent, die der Deutschen Bank um vier Prozent.
Commerzbank: Zinsprognose gekappt, Gewinnziel steht
Das Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro für 2026 steht. Nach neun Monaten sind 2,67 Milliarden erreicht, im vierten Quartal reichen 731 Millionen – weniger als in jedem Quartal dieses Jahres. Der Konsens liegt mit 3,55 Milliarden darüber.
Beim Zinsüberschuss nimmt die Bank ihre Erwartung von rund 8,6 auf rund 8,5 Milliarden Euro zurück, wegen des Wettbewerbs um Einlagen. Der Konsens lag bei 8,56 Milliarden. Selbst das neue Ziel verlangt nach 6,22 Milliarden in neun Monaten ein viertes Quartal mit mehr Zinsüberschuss als jedes zuvor in diesem Jahr. Ausgleich schafft die angehobene Erwartung für Fair-Value-Ergebnis und Sonstige Erträge von rund 300 auf rund 400 Millionen Euro, das Ertragsziel von rund 13,2 Milliarden bleibt (Konsens 13,28 Milliarden).
Vorstandschefin Bettina Orlopp spricht vom „Rekordergebnis“. Für neun Monate stimmt das: Operatives Ergebnis 4,04 Milliarden Euro, Nettoergebnis plus 41,4 Prozent auf 2,67 Milliarden – auch, weil im Vorjahr 553 Millionen Restrukturierungsaufwand belasteten. Das Quartal selbst ist kein Rekord: Zum Vorquartal sank das Konzernergebnis um 4,34 Prozent von 898 auf 859 Millionen Euro, die Nettoeigenkapitalrendite von 12,5 auf 11,9 Prozent. Vom Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro sind rund 70 Prozent erledigt.
Im Sog einer Bankenrally schloss die Aktie gestern auf Xetra bei 39,85 Euro, 4,9 Prozent über dem Vortag. Eröffnet hatte sie bei 38,35 Euro, über dem Vortagesschluss von 37,99 Euro – diese Kurslücke ist offen. Mit dem Sprung hat der Kurs die 50-Tage-Linie bei 39,79 Euro zurückerobert. Über der 100-Tage-Linie bei 39,04 Euro notiert die Aktie 2,07 Prozent, über der 200-Tage-Linie bei 36,76 Euro 8,41 Prozent.
Erste Hürde ist das Tageshoch bei 40,39 Euro. Danach folgt das 52-Wochen-Hoch aus dem September bei 43,37 Euro, der Kurs liegt 8,12 Prozent darunter. Nach unten stützen die 100-Tage-Linie und die offene Lücke bis 37,99 Euro, das Oktobertief bei 35,59 Euro liegt deutlich tiefer – der Kurs notiert 12 Prozent darüber. Der Relative-Stärke-Index (RSI) steht bei 58,8, weder überkauft noch überverkauft. Fällt die Aktie wieder unter die 100-Tage-Linie, wäre der Sprung vom Mittwoch kassiert.
Die Commerzbank liefert beim Gewinn, holt ihn aber über Kosten, Vorsorge und Steuern statt über die Erträge. Das Wertpapiergeschäft trägt, der Zins wird zur Baustelle – das räumt die Bank mit der Prognose selbst ein. Bis zu den Jahreszahlen am 11. Februar 2027 zählen zwei Schwellen: ein Zinsüberschuss klar über den 2,12 Milliarden Euro des dritten Quartals und eine Risikovorsorge im Rahmen des Jahresziels von rund 850 Millionen.
Zweiter Kurstreiber bleibt UniCredit: Die EU-Wettbewerbshüter wollen bis zum 16. November entscheiden, den Abschluss der Übernahme erwartet die Commerzbank spätestens Anfang 2027.
Investierte Anleger bleiben an Bord.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
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