Amazon hat Walmart erstmals beim Jahresumsatz überholt. Walmart kam im vergangenen Geschäftsjahr auf 713,2 Milliarden Dollar, Amazon auf 716,9 Milliarden Dollar. Bei einem einzelnen Quartalsumsatz hatte Amazon den Konkurrenten Walmart bereits schon zuvor übertreffen können.
Der Wechsel ist zwar weitgehend symbolisch, unterstreicht aber den Kampf, den sich die beiden Händler liefern – sowohl darum, sich wandelnde Verbraucherpräferenzen zu definieren als auch mit ihnen Schritt zu halten. Nun beginnt ein neues Kapitel dieser Rivalität, da künstliche Intelligenz verändert, wie Unternehmen arbeiten, Geld verdienen und Verkäufe ankurbeln.
Der Vorsprung kommt nicht nur aus dem Online-Shop. Neben dem Retail-Kerngeschäft treiben Cloud, Werbung und Dienste für Drittanbieter die Erlöse. 2025 entfielen laut Jahresbericht 24 Prozent der Verkäufe auf Seller-Services, Amazon Web Services (AWS) steuerte etwa 18 Prozent bei.
Walmart verliert den Spitzenplatz nicht wegen Schwäche: Der Umsatz hat sich in 20 Jahren mehr als verdoppelt. Mit über 4.600 Walmart-Filialen und rund 600 Sam’s-Club-Standorten in den USA stützt der Konzern sein Digitalgeschäft, das im vierten Quartal 27 Prozent wuchs und seit 15 Quartalen zweistellige Zuwächse liefert. Zugleich rücken margenstärkere Bereiche wie Digitalwerbung und Marktplatz stärker in den Fokus. Anfang Dezember wechselte Walmart von der NYSE an die Nasdaq; die Marktkapitalisierung überschritt zuletzt eine Billion US-Dollar.
Im nächsten Kapitel der Rivalität spielt KI eine größere Rolle. Walmart kooperiert mit ChatGPT (Oktober) und Google Gemini (Januar) und setzt auf „Sparky“: Nutzer bestellen laut CEO John Furner rund 35 Prozent höher, etwa die Hälfte der App-User hat Sparky genutzt. Amazon pusht den Bot Rufus: über 300 Millionen Kunden nutzten ihn, er soll fast 12 Milliarden Dollar zusätzliche Verkäufe gebracht haben. Parallel kündigte Amazon bis zu 200 Milliarden Dollar KI-Investitionen für dieses Jahr an.
Was die Performance der Aktie angeht, hat Walmart klar die Nase vorn. Im 3-Jahresvergleich legte die Aktie von Walmart 157 Prozent zu. Amazon konnte in diesem Zeitraum nur 111 Prozent hinzugewinnen. Auch im 52-Wochen-Vergleich heißt der Sieger Walmart. Gut 20 Prozent ging es hier nach oben, während Amazon zehn Prozent einbüßte. Und auch seit Anfang dieses Jahres heißt der Gewinner Walmart. Die Aktie gewann seitdem 13 Prozent, während das Papier von Amazon elf Prozent nachgab. Charttechnisch sieht die Aktie von Walmart auch weiter stark aus. Anleger lassen hier die Gewinne laufen. Aber auch Amazon könnte langfristig wieder auf die Gewinnerstraße zurückkehren. DER AKTIONÄR sieht bei der Aktie derzeit eine antizyklische Kaufchance.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Aktien der Amazon befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 21:09