Am heutigen Montag bittet das Weiße Haus zum Rapport. Auf der Gästeliste stehen Schwergewichte wie Coinbase, Ripple und Kraken. Ihnen gegenüber sitzen die Vertreter der mächtigen American Bankers Association. Das Thema des Treffens war in den vergangenen Tagen häufiger Grund für Auseinandersetzungen: Die Zukunft von Stablecoins.
Der Kern des Konflikts sind die sogenannten Rewards. In der Krypto-Welt erhalten Nutzer Belohnungen, wenn sie Stablecoins auf Plattformen halten. Für die klassischen Banken ist das ein rotes Tuch. Der Grund: Sie fürchten, dass massenhaft Einlagen von herkömmlichen Konten in Richtung Krypto-Börsen abfließen. Während traditionelle Banken oft nur minimale Zinsen zahlen, locken Coinbase und Co. mit deutlich attraktiveren Renditen von rund drei Prozent für digitale Dollar.
Die Bankenlobby läuft daher Sturm gegen den sogenannten GENIUS Act. Dieses Gesetzespaket passierte im Sommer den Kongress und soll den Rahmen für Stablecoins festlegen. Zwar verbietet das Gesetz den Herausgebern der Coins, direkt Zinsen zu zahlen. Es lässt aber eine entscheidende Hintertür offen: Drittplattformen wie Coinbase dürfen weiterhin Belohnungen ausschütten. Die Banken sehen darin einen unfairen Wettbewerbsvorteil und eine Bedrohung für ihr Geschäftsmodell.
Eiszeit zwischen den Chefs
Wie verhärtet die Fronten sind, zeigte sich jüngst beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Laut Berichten gerieten JPMorgan-Chef Jamie Dimon und Coinbase-CEO Brian Armstrong dort heftig aneinander. Dimon soll Armstrong gegenüber deutlich im Ton vergriffen haben, während andere Bankmanager dem Krypto-Pionier demonstrativ die kalte Schulter zeigten.
Der Kampf um die Regulierung
Hinter den Kulissen tobt zudem ein Kompetenzgerangel zwischen den Behörden. Es geht um die Aufteilung der Macht zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Aufsicht für Warenterminkontrakte CFTC. Solange die USA keine klare Linie finden, bleibt der Markt für Stablecoins eine regulatorische Grauzone.
Bevor ein finales Gesetz auf dem Schreibtisch des Präsidenten landet, müssen sich Senat und Repräsentantenhaus auf eine gemeinsame Fassung einigen. Das Treffen am heutigen Montag im Weißen Haus soll nun die Wogen glätten. Ob die Banken und die Krypto-Börsen einen Kompromiss finden, ist jedoch fraglich. Zu groß ist die Angst der Wall Street, die Hoheit über das Geld der Sparer zu verlieren.
Für Coinbase und seine Konkurrenten steht viel auf dem Spiel: Fallen die Rewards weg, verliert der Sektor eines seiner wichtigsten Argumente für Neukunden. Die Banken wiederum kämpfen um ihre Existenzgrundlage – die günstigen Einlagen ihrer Kunden. Eine schnelle Einigung scheint angesichts der persönlichen Anfeindungen unwahrscheinlich.
Heute, 09:43