Intel hat im vierten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen, wurde an der Börse jedoch für den verhaltenen Ausblick abgestraft. Zwar lag der bereinigte Gewinn je Aktie mit 15 Cent deutlich über den Prognosen, auch der Umsatz fiel höher aus als gedacht. Für das laufende Quartal stellt der Konzern jedoch lediglich Erlöse zwischen 11,7 und 12,7 Milliarden Dollar sowie ein ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht. Die Aktie geriet daraufhin im nachbörslichen Handel massiv unter Druck. Sie verlor gut elf Prozent auf 48,26 Dollar.
Finanzchef David Zinsner begründete die schwache Prognose mit Angebotsengpässen, die eine saisonal höhere Nachfrage ausbremsen. Ab dem zweiten Quartal soll sich die Versorgungslage verbessern. Konzernchef Lip-Bu Tan setzt zudem auf bessere Produktionsausbeuten, die aktuell zwar im Plan liegen, aus seiner Sicht aber noch nicht zufriedenstellend sind.
Unterm Strich verbuchte Intel einen Nettoverlust von 600 Millionen Dollar, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei waren die Erwartungen hoch: Die Aktie hatte sich binnen zwölf Monaten mehr als verdoppelt – getragen von Hoffnungen auf einen Durchbruch im Auftragsfertigungsgeschäft. Die neue 18A-Fertigungstechnologie gilt als produktionsreif, die Kapazitäten werden derzeit ausgebaut. Für die nächste Generation 14A rechnet Intel erst ab 2028 mit nennenswerter Serienfertigung.
Stabil zeigte sich das Geschäft mit Rechenzentrums- und KI-Chips, dessen Umsatz um neun Prozent zulegte. Das PC-Segment schwächelte dagegen weiter. Rückenwind erhält Intel zudem durch Großinvestoren wie Nvidia, Softbank und die US-Regierung.
Analysten von Vital Knowledge kommentierten: „Die Ergebnisse sind nicht so schlecht wie befürchtet, aber das Unternehmen hat noch einen sehr, sehr, sehr langen Weg zurück zu einer bedeutenden Position in der Halbleiterindustrie“. Zudem heißt es: „Qualitative Aussagen zu Nachfrage, Angebot und der Foundry-Pipeline sind positiv, doch obwohl das Unternehmen keine unmittelbaren Liquiditätsprobleme hat, sinken die Umsätze, und Bruttomargen unter 40 Prozent sind nicht nachhaltig.“
Analyst Jay Goldberg von Seaport Research verwies im US-Sender CNBC auf Engpässe bei Speicherchips, die dazu führen könnten, dass weniger PCs mit Intel-Prozessoren gefertigt werden. Ursache der Knappheit ist die stark gestiegene Nachfrage nach Speicher für KI-Rechenzentren, die die Produktionskapazitäten an ihre Grenzen bringt.
Die US-Bank JPMorgan hat ihr Kursziel für Intel zwar von 30 auf 35 Dollar erhöht, die Einschätzung lautet aber weiterhin „Underweight“.
Die Aktie von Intel hatte sich in den vergangenen Monaten extrem stark entwickelt. Ein Rücksetzer nach dieser Aufholjagd ist nun insbesondere angesichts des vorgelegten Ausblicks nicht ungewöhnlich. Seit der Empfehlung des AKTIONÄR liegen Anleger noch immer rund 100 Prozent im Plus. Als wichtige Unterstützung fungiert nun das Dezemberhoch bei 44,02 Dollar. Langfristig bleibt DER AKTIONÄR weiter zuversichtlich. Ein Stopp bei 32,00 Euro sichert nach unten ab.
Heute, 08:42