Fast neun Monate ist es her, dass der Softwarekonzern innoscripta den Sprung aufs Parkett gewagt hat. Zeit für eine erste Zwischenbilanz. DER AKTIONÄR hat mit Vorstandsmitglied und COO Sebastian Schwertlein über die Erfahrungen rund um den Börsengang, die Besonderheiten der Clusterix-Plattform und die ambitionierten Wachstumspläne des Unternehmens gesprochen.
Herr Schwertlein, innoscripta ist seit Mai börsennotiert. Der Kurs hat seitdem deutlich nachgegeben. Wie fällt Ihr Fazit zum Börsengang bisher aus?
Sebastian Schwertlein: „Unabhängig von der bisherigen Kursperformance werten wir den Börsengang als Erfolg, zumal viele Unternehmen ihr IPO 2025 auf der Zielgeraden zurückgezogen haben und es insgesamt nur wenige Neuemissionen gab. Mit unserer starken operativen Entwicklung wollen wir dem Kapitalmarkt zeigen, dass wir unseren Wachstumskurs fortsetzen können. Wir sind überzeugt, dass sich das deutliche operative Wachstum langfristig auch im Aktienkurs widerspiegeln wird.“
Softwareanbieter gibt es viele. Was unterscheidet innoscripta vom Wettbewerb?
"Wir sind ein Softwareunternehmen, das die Forschung und Entwicklung in Unternehmen transparenter und besser gestaltet und so einen echten Mehrwert für die Unternehmen generiert. Durch unsere ganzheitliche Softwarelösung können F&E-Prozesse effizient dokumentiert, vereinfacht, verschlankt und einheitlicher gestaltet werden. Dafür haben wir mit Clusterix eine All-in-One-Plattform geschaffen, da viele unserer Kunden zuvor eine sehr fragmentierte Softwarelandschaft besessen haben. Clusterix als solches bietet alle wesentlichen Tools aus einem Guss, die für F&E-Projekte benötigt werden. Das heißt, dass alle für das Personalwesen und Projekt- sowie Portfoliomanagement notwendigen Apps selbstentwickelt und miteinander verbunden sind.“
Wo sehen Sie das größte Wachstumspotenzial für die nächsten drei Jahre?
„Wir sehen großes Potenzial in zwei Bereichen: Erstens in der Expansion unserer Standorte. Anfang 2026 planen wir einen weiteren Standort in Frankfurt, und Mitte des Jahres soll ein weiterer Standort in Deutschland folgen. Außerdem steht die Expansion ins europäische Ausland an, konkret nach Frankreich und in das Vereinigte Königreich. Perspektivisch wollen wir auch über Europa hinaus expandieren. Zweitens liegt ein großes Potenzial im weiteren Ausbau unserer Plattform. So wollen wir zusätzliche Tools und Funktionen integrieren und so den Mehrwert für unsere Nutzer stetig erhöhen.“
Warum sehen Sie in Deutschland ein hohes Wachstumspotenzial?
„Hierzulande wurden 2024 rund eine Milliarde Euro in Form von Steuergutschriften beziehungsweise Steuererleichterungen aus der Forschungszulage an Unternehmen gewährt. Verglichen mit den gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland von etwa 150 Milliarden Euro pro Jahr ist das noch ein sehr kleiner Anteil. In anderen entwickelten Märkten wie Frankreich oder Großbritannien liegt dieser Anteil bereits zwischen sieben und zehn Prozent. Daher sehen wir das Potenzial, das in Deutschland der Auszahlungsbetrag langfristig auf zwölf bis 15 Milliarden Euro steigen könnte.“
Wer sind die größten Konkurrenten?
„Wenn wir uns auf unser Kerngeschäft – die Softwareplattform zur Dokumentation, Abwicklung und Beantragung von Förderinstrumenten wie der Forschungszulage – konzentrieren, haben wir nach unserem Wissen und Stand heute kaum direkten Wettbewerb. Es gibt Wettbewerber im Beratungsbereich, welche Unternehmen bei der Beantragung der Forschungszulage unterstützen, die keine Softwarelösungen in diesem Bereich anbieten und wenn, dann nur in sehr rudimentärer Form. Die umfassende Vernetzung unserer Plattform – von HR über Timetracking, Task- und Projektmanagement bis hin zur aggregierten Auswertung aller Daten – bieten solche Konkurrenten nicht.“
Wo steht innoscripta in drei Jahren?
„Insgesamt erwarten wir ein starkes organisches Wachstum durch geografische Expansion und eine kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Plattform, die innoscripta in drei Jahren noch umfassender, attraktiver und unverzichtbarer für unsere Kunden macht.“
Bei innoscripta handelt es sich um einen spannenden deutschen Nebenwert aus dem Softwaresektor. Doch an der Börse haben Software-Aktien aktuell einen schweren Stand. Auch das Papier von innoscripta steht unter Druck. Anleger sollten deshalb vorerst eine nachhaltige Bodenbildung abwarten und nicht ins fallende Messer greifen.
Heute, 16:25