Dieses Unternehmen hat im abgelaufenen Jahr trotz eines leichten Umsatzrückgangs dank konsequenter Einsparungen den Gewinn gesteigert. Für 2026 stellt der Vorstand wieder Wachstum in Aussicht. An der Börse kamen die Zahlen des Lkw- und Zugbremsenherstellers gut an. Die Aktie setzt ihren Höhenflug ungebremst fort.
Die Rede ist von Knorr-Bremse. Für das laufende Jahr peilt Vorstandschef Marc Llistosella einen Umsatz von 8,0 bis 8,3 Milliarden Euro an. Die mittlere Analystenschätzung liegt in der oberen Hälfte dieser Spanne. Die bereinigte operative Marge (EBIT) soll bei rund 14 Prozent liegen. Beim freien Barmittelfluss rechnet das Management mit 750 bis 850 Millionen Euro.
Der Ausblick stützt sich auf einen gestiegenen Auftragseingang: Dieser erhöhte sich 2025 um 2,8 Prozent auf gut 8,4 Milliarden Euro. Während die Nachfrage im Nutzfahrzeuggeschäft rückläufig war, glichen höhere Bestellungen im Bahngeschäft dies mehr als aus.
Im vergangenen Jahr sank der Umsatz um 0,8 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro und entsprach damit den Erwartungen der Analysten. Organisch, also bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte, legten die Erlöse um 1,9 Prozent zu. Das bereinigte operative Ergebnis stieg dank Sparmaßnahmen um 5,1 Prozent auf rund 1,02 Milliarden Euro. Die entsprechende Marge verbesserte sich um 0,7 Prozentpunkte auf 13 Prozent.
„Die konstant gute Performance unseres Rail-Geschäfts ist ein Garant für unseren wirtschaftlichen Erfolg“, erklärte Llistosella. Auch die Truck-Division habe sich in einem sehr schwierigen Marktumfeld behauptet.
Unter dem Strich erhöhte sich der Gewinn um rund ein Fünftel auf gut 574 Millionen Euro. Der freie Barmittelfluss kletterte um 8,2 Prozent auf ein Rekordniveau von rund 790 Millionen Euro.
Strategisch setzt Knorr-Bremse auf Zukäufe: Im September kündigte das Unternehmen die Übernahme des Schweizer Elektronikanbieters Duagon für 500 Millionen Euro an, um das Geschäft mit Elektronik- und Softwarelösungen für Schienenfahrzeuge zu stärken. Zudem soll mit dem Kauf der Online-Buchungsplattform Travis Road Services für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag das Servicegeschäft ausgebaut werden.
Zahlen und Prognosen implizieren weiteres Wachstum sowie Margenverbesserungen in beiden Geschäftsbereichen – Truck und Rail – und einen starken freien Barmittelfluss. Analysten heben nach den Zahlen vom Donnerstag daher vor dem Wochenende den Daumen – und die Kursziele.
Die UBS („Buy“) hat das Kursziel beispielsweise von 99 auf 123 Euro angehoben. Das Vertrauen des Managements bei der Analystenkonferenz zu den jüngsten Geschäftszahlen sei rekordverdächtig hoch gewesen, und die Aktien des Bremsenspezialisten könnten folgen, so Sven Weier. Der Ausblick auf 2026 erscheine vor allem mit Blick auf das Nutzfahrzeuggeschäft konservativ. Dazu kämen das deutsche Infrastrukturprogramm und die im Juli zu erwartenden neuen Mittelfristziele mit positivem Überraschungspotenzial. Auch ein Comeback in China als Systemzulieferer für Hochgeschwindigkeitszüge nach einer zehnjährigen Pause erscheine möglich, was dem Konzernchef zufolge ein „Gamechanger“ für das Unternehmen wäre.
Deutsche Bank Research hat das Kursziel von 108 auf 115 Euro angehoben. Die Unternehmensziele für 2026 ließen Luft für positive Überraschungen und eine anschließende Aufstockung, so Analyst Gael de-Bray.
Die Aktie hat zuletzt deutlich Fahrt aufgenommen. Mit Blick auf die Bewertung und die überarbeiteten Kursziele der Analysten wird die Luft für den Lkw- und Zugbremsenhersteller aber langsam dünner. Das Momentum spricht bei der Aktie dagegen für eine Trendfortsetzung. Zumindest das Hoch von Anfang 2021 sollte erreicht – bei entsprechendem Newsflow auch übertroffen – werden. Frische Impulse könnten die vollständigen Zahlen für 2025 und weitere Details zum Ausblick am 19. März liefern.
(Mit Material von dpa-AFX)
Heute, 12:12