20.05.2020 Marion Schlegel

Fresenius vor Wirecard an DAX-Spitze: „Bestes Chance-Risiko-Verhältnis im Sektor“

-%
Fresenius

Auf der Suche nach sicheren Häfen werden Anleger nach Einschätzung der US-Bank Morgan Stanley aktuell beim Gesundheitskonzern Fresenius und dessen Tochter Fresenius Medical Care (FMC) fündig. Das Fresenius-Papier sei im aktuell unsicheren Umfeld grundsolide und deshalb sein größter Favorit in der europäischen Medizintechnik-Landschaft, befand Analyst Michael Jungling in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Und auch FMC überzeuge in der Corona-Krise durch defensive Qualitäten.

Fresenius (WKN: 578560)

Der Experte wird deshalb nach seiner eingehenden Bewertung der Lage optimistischer für beide Aktien. Er stufte die Papiere von Fresenius von "Equal-weight" auf "Overweight" hoch. Selbst mit dem von 51 auf 48 gesenkten Kursziel traut er den Papieren eine Fortsetzung ihrer Kurserholung vom Corona-Crashtief bei rund 24 Euro Mitte März zu. Angeschoben durch Junglings Einschätzung notierten die Papiere am Mittwoch zuletzt bei 44,10 Euro.

Für FMC spricht der Experte nun eine "Equal-weight"-Empfehlung aus, nachdem er bisher mit "Underweight" eher für einen Verkauf war. Mit dem von 61 auf 70 Euro angehobenen Kursziel liegt er aber unter dem aktuellen Kursniveau von rund 75 Euro.

Fresenius Medical Care (WKN: 578580)

Dass Fresenius im Zuge des Corona-Crashs zu den besonders abgestraften Aktien gehört habe, hält der Experte für nicht gerechtfertigt. Denn wie sich abzeichne, werde die Covid-19-Krise das Unternehmen kaum belasten. So könne etwa die konzerneigene Krankenhausgesellschaft Helios in Deutschland auf die Unterstützung der Regierung bauen. Auch in Spanien bestehe Hoffnung auf Entschädigungen. Zudem seien andere profitable Behandlungen in den Kliniken lediglich verschoben worden.

Hinzu komme, dass die auf Infusionen und klinische Ernährung spezialisierte Tochter Kabi im Zuge der Krise von Vorratskäufen etwa des Narkosemittels Propofol profitiere, die sich auch im zweiten und dritten Quartal fortsetzen sollten. In den USA wird das Mittel etwa seit Mai offiziell auf der Liste jener Medikamente geführt, bei denen Engpässe bestehen.

Jungling attestiert der Fresenius-Aktie deshalb aktuell ein sehr attraktives Chance-Risiko-Verhältnis – sogar das beste im Sektor, das entsprechend mit einer Kursprämie bedacht werden sollte.

Beflügelt vom Analystenkommentar kann die Aktie von Fresenius am heutigen Mittwoch kräftig zulegen. Sie ist sogar der mit Abstand beste Wert des Tages im DAX vor Wirecard und Infineon. Mit dem jüngsten kräftigen Kursanstieg gelang nicht nur der Sprung über das Aprilhoch, sondern zuletzt auch über die wichtige 200-Tage-Linie. Kann sich das Papier darüber behaupten, wäre dies ein klares charttechnisches Kaufsignal. Anleger bleiben weiter an Bord.

(Mit Material von dpa-AFX)

Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen

Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanz­katas­trophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Gal­braith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.

Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6