++ 5 Rebound-Aktien – Verlierer werden zu Gewinnern ++

"Force majeure": Deshalb leiden die Aktien von Luftfahrt- und Rüstungs-Unternehmen besonders

Foto: ChatGPT
Rheinmetall AG -%
07.04.2025, 13:15 ‧ Martin Mrowka

Im Börsengewitter zum Wochenstart gibt es am Vormittag kaum grüne Vorzeichen, verunsicherte Anleger verkaufen fast alles. Besonders stark unter Druck stehen Zuliefer-Firmen für die Luftfahrt- und Rüstungsbranche. Ein US-Flugzeugteile-Hersteller hat wegen der US-Zölle einen "force majeure" erklärt. Rheinmetall-Chef Armin Papperger nutzte die Schwäche hingegen für Insider-Käufe.

Die Zoll-Panik an den weltweiten Aktienmärkten überschattet zum Wochenstart auch die eigentlich bislang guten Gewinnperspektiven europäischer Rüstungsunternehmen. Höhere Verteidigungs-Budgets in Ländern der Europäischen Union angesichts der Tendenz zu mehr militärischer Eigenverantwortung bei einer womöglich nachlassenden Unterstützung durch die USA hatten Rüstungswerte in diesem Jahr stark angetrieben. 

Zuletzt noch vergleichsweise stabil, erwischte der von US-Präsident Donald Trump Mitte vergangener Woche losgetretene Handelskrieg nun aber auch Rüstungsaktien besonders heftig. Die Aktien von Rheinmetall etwa verloren nach Xetra-Börsenstart am DAX-Ende kurzzeitig bis zu 27 Prozent auf 933 Euro (DER AKTIONÄR berichtete). Etwa zwei Drittel der Rekordrally zwischen Mitte Februar und Mitte März bis zum Rekordhoch bei 1.483 Euro war damit wieder verloren gegangen. Zuletzt dämmten Rheinmetall ihren Abschlag jedoch deutlich ein. Mit 1.248 Euro näherten sie sich dem Xetra-Schluss vom Freitag bei 1.276 Euro. 

Kauflaune kam insbesondere nach Insider-Käufen auf: Rheinmetall-CEO Armin Papperger hatte die frühe Kursschwäche ausgenutzt und 290 Aktien für je 1.065 Euro sowie 380 Papiere für je 1.058 Euro erworben. Das macht ein Gesamtvolumen von rund 711.000 Euro.

Rheinmetall (WKN: 703000)

Verträge in Gefahr?

Ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hatte die Anleger am Wochenende daran erinnert, dass sich auch die Rüstungsbranche der negativen Zoll-Spirale nicht entziehen kann. Reuters liegt ein Brief des Flugzeugteile-Herstellers Howmet Aerospace an seine Kunden vor, in dem man am Wochenende wegen der US-Zölle einen "force majeure" erklärt. 

Man fühlt sich also wegen "höherer Gewalt" aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse nicht mehr an Vertragsverpflichtungen gebunden. Die seltene Erklärung bedeutet zwar nicht, dass Lieferungen automatisch gestoppt oder unterbrochen werden, aber sie eröffnet der Firma die Möglichkeit, sich auf diese Notverordnung zu berufen – falls das Unternehmen seine Verträge nicht einhalten kann.

Das Schreiben ließ Raum für Verhandlungen über die Aufteilung der Kosten der Tarife. Howmet kündigte an, mit seinen Kunden zusammenzuarbeiten. Reuters hatte mit drei Quellen aus der Industrie gesprochen, die Folgen für die gesamte Lieferkette fürchten, falls die Unternehmen die Belastung weiterzugeben.

Der Schritt ist ein neues Problem in der schwer angeschlagenen Lieferkette der Luft- und Raumfahrt-Industrie, in der einige Unternehmen aufgrund von US-Zöllen auf importiertes Aluminium und Stahl sowie neuer Zölle ohnehin mit höheren Kosten konfrontiert sind. Howmet-Aktien verloren auf der Handelsplattform Tradegate am Montag zeitweilig rund zwölf Prozent im Vergleich zum New Yorker Schlusskurs am Freitag.

Howmet Aerospace Inc (WKN: A2PZ2D)

Am DAX-Ende standen gegen Mittag die Aktien von MTU Aero Engines und Airbus mit Abschlägen von knapp sieben beziehungsweise sechs Prozent.

Andere Rüstungspapiere am deutschen Markt ließen zum Wochenbeginn ebenfalls stark Federn: Im MDAX büßten die Anteilsscheine des Rüstungselektronik-Herstellers Hensoldt fast 12 Prozent ein, für die Anteile des Panzergetriebe-Produzenten Renk Group ging es um 8,5 Prozent bergab. 

Europaweit sah es nicht besser aus: In Mailand fielen Leonardo um rund zehn Prozent, im französischen CAC 40 Index erwischte es Thales und Dassault Systèmes mit jeweils minus sieben Prozent. Schwächster Wert an der Börse Paris war Triebwerkshersteller Safran mit einem Abschlag von gut zehn Prozent. In London rutschten BAE Systems um rund fünf Prozent und Rolls-Royce um elf Prozent ab, Babcock International rauschten um acht Prozent in die Tiefe.

Alle angesprochenen Werte haben sich von ihren Tagestiefständen zur Mittagszeit wieder erholt, die Kursabschläge also verkleinert.

Donald Trump wirbelt mit seinen verkündeten Zöllen die Aktienkurse weltweit durcheinander. Die Folgen sind noch nicht abzusehen, die Unsicherheit ist groß. Zumal ein Erfolg des "Force majeure" von Howmet noch nicht ausgemachte Sache ist. Trumps Zölle sind wohl nicht "unvorhersehbar", da Trump sie in seinem Wahlkampf im vergangenen Jahr bereits erwähnt hatte.

Im übrigen dürften iInsbesondere Luft- und Raumfahrt-Unternehmen längerfristig (wieder) zu den Profiteuren der Neuordnung von globalen Verteidigungs-Systemenn gehören.

Dennoch: Viele Kurse sind unter die zuletzt nachgezogenen Stopp-Marken gefallen, die meisten Anleger dürften gute Gewinne eingefahren haben. 

DER AKTIONÄR empfiehlt nun, eine Beruhigung der aktuell turbulenten Börsen-Kurse abzuwarten und dann punktuell neu einzusteigen.

Enthält Material von dpa-AFX

Behandelte Werte

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