03.02.2017 Florian Söllner

Exklusiv: Dieter Manz nach Großauftrag: „Was Tesla-Chef Musk kann, kann CIGS auch“

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Manz
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Was für ein Auftrag: Der neue Großaktionär Shanghai Electric hat gemeinsam mit dem Kohleunternehmen Shenhua die größte CIGS-Produktionslinie in China und die zweitgrößte weltweit bestellt. Die Installation wird Manz zufolge 2017 beginnen und im Folgejahr 2018 abgeschlossen werden. Der Gesamtwert beträgt knackige 263 Millionen Euro. Dies ist mehr als der Manz-Konzern zuletzt pro Jahr erlöst hat und das Niveau der gesamten Marktkapitalisierung.

Die chinesischen Partner und Kunden von Manz wollen mit ihren neuen Fabriken Dünnschichtmodule produzieren und selbst in Großkraftwerken verbauen, um damit umweltfreundlichen Strom zu produzieren. Das Spannende: Vieles spricht dafür, dass dieses Megaprojekt erst der Beginn einer Flut an Aufträgen ist.

DER AKTIONÄR: Glückwunsch, Herr Manz, haben Sie gefeiert?

Dieter manz: Wir haben mit den chinesischen Partnern angestoßen. Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen.

Der Weg dahin war sehr, sehr lang. Wieso die nochmalige Verzögerung?

Wir hatten uns zunächst mit Shanghai Electric geeinigt. Doch dann hatte auch Shenhua wieder Interesse angemeldet. Die Aushandlung war dann komplex.

Wieso investieren die neuen Manz-Partner Hunderte Millionen Euro in diese spezielle Solartechnologie?

Das Kostensenkungspotenzial im CIGS-Bereich ist deutlich größer als im kristallinen Bereich. Die Kosten können mittelfristig um über 30 Prozent gesenkt werden. Dann produzieren wir zu unter 30 Dollar­cent pro Watt. Es wird einen Tech­no­logie­wechsel geben. Trina oder Jinko sind zu klein und weit weg vom Staat. Das machen künftig die Staatskonzerne selbst.

Jetzt ist der Auftrag da – ab wann machen sich die Umsätze bemerkbar?

Von den 263 Milllionen wird mehr als die Hälfte schon 2017 umsatz- und ertragswirksam. Damit wird die Break-even-Schwelle überschritten. Der Verkauf der Manz CIGS Technology bringt uns neben einem Cashzufluss in Höhe von 25 Millionen Euro zudem einen bilanziellen Einmaleffekt in Höhe von rund 25 Millionen Euro.

Sind Sie auch als Großaktionär mit dem Deal zufrieden?

Ja, damit wurde die Chance für die Manz AG geschaffen, sich nachhaltig gut zu entwickeln. Ab 2018 hoffen wir auf das gewaltige Potenzial von Solar in China. Und die Manz AG beliefert auch künftig alle Kunden außerhalb Chinas direkt. Es gibt nach wie vor Gespräche mit potenziellen Kunden im Mittleren Osten, in Südafrika und Südamerika. Auch die Türkei ist ein großes Thema. Viele Kunden aus anderen Teilen der Welt wollten nicht die ersten sein. Doch jetzt haben wir den Pionierkunden.

Aktuell besitzt Shanghai Electric knapp 20 Prozent der Aktien und Sie und ihre Frau 27 Prozent. Wie geht es hier weiter?

Shanghai Electric hat das Recht, bis Ende Mai 2017 eine Stimmrechtsvereinbarung mit mir abzuschließen. Dies würde ein Übernahmeangebot an alle übrigen Aktionäre auslösen. Falls Shanghai Electric nach dem Übernahmeangebot nicht auf 30,1 Prozent kommen würde, müsste ich entsprechend Aktien abgeben.

Sind CIGS-Module nur ein Thema für große Solarparks oder auch für elegante Module für Eigenheime wie sie nun etwa Tesla-Chef Elon Musk präsentiert hat?

CIGS ist für die Gebäudeintegration ideal. Was Musk kann, kann CIGS auch. Ein ästhetisches, schwarzes CIGS-Modul ist dafür prädestiniert.

Auch Maschinen für die Produktion von Elektroautobatterien dürften gefragt bleiben. Jetzt gab es Ankündigungen vom BMW-Partner Samsung SDI und von LG Chem, für europäische Autohersteller Batteriefabriken in Europa zu bauen. Eine Chance für Manz?

Wir sind hier involviert. Es ist naheliegend, dass hier regionale Firmen wie Manz Aufträge erhalten. Dass Tesla unseren Konkurrenten Grohmann gekauft hat, ist bei einigen Kunden hilfreich für uns. Gerade bei Elektroautobatterien sehe ich 2017 Chancen auf größere Aufträge.

(Dieses Interview ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 05/2017 erschienen.)