10.03.2016 Michael Schröder

depot

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DAX
Trendthema

Ich melde mich etwas später als geplant, aber die Entwicklung der letzten sieben Stunden hatte es in sich. EZB-Präsident Mario Draghi hat es also wieder getan: Er hat die Aktienmärkte mit seinen Aussagen erneut kräftig bewegt. Zunächst hatte der oberste Währungshüter mit einer überraschend stark gelockerten Geldpolitik für ein Kursfeuerwerk gesorgt. Der DAX kratzte kurzzeitig an der 10.000-Punkte-Marke. Doch kurz danach trieben die Kommentare vom EZB-Präsident den Eurokurs deutlich nach oben – das wiederum ließ die Aktien in Europa kräftig in die Tiefe rauschen. Der DAX schloss am Ende auf seinem Tagestief 2,3 Prozent niedriger bei 9.498 Zählern. Der vormittags noch träge Leitindex schwankte am Nachmittag damit um fast 500 Punkte.

Die Maßnahmen der EZB im Überblick:

Der Leitzins sinkt von 0,05 Prozent auf 0,00 Prozent.
Ab April wird das vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe von monatlich 60 auf 80 Milliarden Euro aufgestockt. Auch Unternehmensanleihen werden künftig aufgekauft. Insgesamt erhöht sich damit der Umfang des Programms auf 1,74 Billionen Euro.
Banken müssen zudem künftig einen höheren Strafzins zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Notenbank parken. Der negative Einlagensatz stieg von 0,3 auf 0,4 Prozent. Als Ausgleich winken ihnen besonders günstige längerfristige Kreditlinien.


Auf der Pressekonferenz erklärte der Draghi: „Mit dem heutigen umfassenden Paket geldpolitischer Entscheidungen liefern wir erhebliche Anreize, um den erhöhten Risiken für das EZB-Preisstabilitätsziel entgegenzuwirken.“ Bis dahin war die Welt der Bullen noch in Ordnung. Doch dann erteilte der EZB-Chef den Hoffnungen der Marktteilnehmer auf weitere Zinssenkungen einen Dämpfer. Er stimmte die Marktakteure auf eine lange Phase mit sehr niedrigen Leitzinsen ein. Diese werde deutlich über das für März 2017 vorgesehene Ende ihres Wertpapierkaufprogramms hinausgehen. Der Euro, der zuvor bis unter 1,085 US-Dollar fiel, sprang innerhalb kurzer Zeit auf über 1,11 US-Dollar. Sie wissen: ein steigender Euro schmeckt dem exportlastigen DAX überhaupt nicht. Dazu kam die grundlegende Skepsis, ob eine immer höhere Dosis geldpolitischer Maßnahmen den gewünschten und vor allem einen positiven Nettoeffekt haben wird. Das Feld für die Bären war bestellt.

Wirtschaft, Banken und Ökonomen in Deutschland reagierten bereits mit scharfer Kritik auf die Entscheidungen der EZB. Es hat den Anschein, dass EZB mit den Problemen zunehmend überfrachtet ist. Die Wachstums- und Inflationsschwäche sollte daher künftig stärker von der Fiskal- und Wirtschaftspolitik angegangen werden. Aber vorher richten die Börsianer die Augen auf die Fed, die am kommenden Mittwoch ihren Zinsentscheid verkünden wird.

Zur Stunde notieren die US-Börsen weiterhin im Minus. Es bleibt abzuwarten, ob der DAX morgen wieder etwas Boden gut machen kann. Vor allem dank der recht stabilen Entwicklung bei den drei hoch gewichteten Positionen in Helma Eigenheimbau, Koenig & Bauer und Nanogate hat sich das Real-Depot heute insgesamt noch ganz gut geschlagen. Nanogate präsentierte heute einen neuen Ankeraktionär. Die Investmentgesellschaft Luxempart S.A. hält nunmehr rund zehn Prozent der Anteile, die vom bisherigen Ankeraktionär BIP Investment Partners stammen. BIP Investment Partners hat seine Beteiligung vollständig abgebaut und seine Anteile unter anderem an Luxempart S.A. abgegeben. Die Investmentgesellschaft möchte den weiteren Wachstumskurs von Nanogate umfassend unterstützen und so zur Wertsteigerung der Gesellschaft beitragen. Ebenfalls positiv: Damit dürfte der Verkaufsdruck, der die Aktie in den letzten Wochen immer wieder belastet hat, endgültig vom Tisch sein. Fazit: Der Weg für steigende Kurse ist geebnet.

Ich habe meine Depot-Werte in dem extremen Marktumfeld heute Nachmittag intensiv beobachtet. Vor allem der enorme Verkaufsdruck bei Ströer ist mir dabei aufgefallen. Hier scheint schon wieder ein Hedgefonds eine Short- Attacke zu fahren. Viel Luft nach unten werde ich dem Zertifikat nicht mehr geben – obwohl fundamental die Ampeln bei Ströer weiter voll auf Grün stehen. Wenn es Transaktionen gibt, werden Sie wie gewohnt per SMS-Alarm informiert.

Zum Abschluss habe ich noch einen Gewinner der Draghi-Show: den Goldpreis. Der steigende Euro beflügelte auch den Preis des Edelmetalls. Die Gold-Rallye kann also weiter gehen.