Nach seiner jüngsten Stabilisierung rutschte der DAX am Montagnachmittag um 0,37 Prozent auf 25.951 Punkte ab und fiel damit wieder unter die vielbeachtete Marke von 26.000 Zählern, die der deutsche Leitindex zuvor gerade erst zurückerobert hatte. Bereits am Freitag war der Index bis auf 26.167 Punkte gestiegen.
Der MDAX der mittelgroßen Werte gab um 0,06 Prozent auf 32.335 Punkte nach, während der Euro-Leitindex EuroStoxx 50 rund 0,2 Prozent verlor. Ursache für die Nervosität am Ölmarkt bleibt der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran, in dessen Verlauf es zu weiteren gegenseitigen Angriffen kam. Ein Fass Brent-Rohöl aus der Nordsee mit Lieferung im November notierte zuletzt bei über 97 Dollar. Verschärfend wirkte, dass eine Kerngruppe von sieben Mitgliedsstaaten des Ölkartells Opec+ am Wochenende ankündigte, ihre Fördermengen im Oktober nicht weiter zu erhöhen. Sollten sich die Angriffe auf Schiffe in der Region weiter ausweiten und verschärfen, seien sogar Brent-Preise von bis zu 120 Dollar denkbar, sagte Daan Struyven, Co-Leiter der globalen Rohstoffanalyse bei Goldman Sachs, gegenüber Bloomberg TV.
Auf innenpolitischer Ebene sorgten unterdessen der Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt sowie die Signalwirkung des schwachen CDU-Ergebnisses für die Bundesregierung für zusätzlichen Gesprächsstoff. Für die Anleger dürften jedoch in erster Linie die bevorstehenden geldpolitischen Entscheidungen entscheidender sein: Eine Zinserhöhung der EZB um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent am Donnerstag gilt am Markt inzwischen als weitgehend ausgemacht. Mit weiteren Zinsschritten bis zum Jahresende rechnet Alessia Berardi, Head of Global Economics beim Amundi Investment Institute, jedoch nicht.
Auch in den USA hat sich die Erwartungshaltung verschoben: Nach dem robusten Arbeitsmarktbericht vom Freitag geht mittlerweile eine Mehrheit der Marktteilnehmer davon aus, dass auch die Fed in der kommenden Woche die Zinsen anheben wird. Entscheidend für diese Entscheidung dürften jedoch noch die am Freitag anstehenden US-Inflationsdaten sein.
Am deutschen Aktienmarkt dominierten zu Wochenbeginn zwei gegenläufige Themen das Bild: Während sich Halbleiterwerte im Sog kräftiger Kursgewinne aus Asien deutlich erholten, sorgten anhaltend hohe Ölpreise für Bremsspuren beim Gesamtmarkt – zumal wegen eines US-Feiertags wichtige Impulse von der Wall Street ausblieben.
Besonders gefragt waren am Montag Chipwerte: Nachdem Samsung und SK Hynix in Südkorea kräftig zugelegt hatten, kletterte die Infineon-Aktie um 3,2 Prozent, zusätzlich gestützt durch eine positive Einschätzung von Warburg Research. Auch Elmos sowie die Zulieferer Aixtron, Süss Microtec und Siltronic profitierten von diesem Rückenwind. Beim Raumfahrtunternehmen OHB setzte sich die Erholung vom jüngsten Jahrestief mit einem Plus von 6,2 Prozent fort, nachdem Wettbewerber Isar Aerospace am Wochenende beim zweiten Testflug seiner Trägerrakete erfolgreich fünf Satelliten in die Umlaufbahn gebracht hatte. Im Energiesektor legte Eon nach einer Hochstufung durch die Schweizer Großbank UBS um 1,7 Prozent zu, RWE gewann 2,4 Prozent hinzu, und Nordex sprang nach einer Kaufempfehlung der Bank of America sogar um 10,2 Prozent nach oben. Besonders stark entwickelte sich die Aktie von Nordex mit einem Plus von fast zehn Prozent.
Auf der Verliererseite stand dagegen die zinssensible Immobilienbranche unter deutlichem Druck: Vonovia verlor zunächst 2,5 Prozent, nachdem Goldman-Analyst Jonathan Kownator sein Kaufvotum für die Aktie gestrichen hatte – der Grund laut seiner Einschätzung: Auf einer Branchenkonferenz sei angesichts steigender Zinsen ein vorsichtiger Grundton spürbar gewesen. Auch LEG, TAG Immobilien und Aroundtown gehörten zu den schwächsten Werten des Tages. Darüber hinaus geben die Anteilscheine von Rheinmetall deutlich nach.
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