Bitcoin-Mining im Weltraum verlässt die Sphäre von Science-Fiction. Das US-Startup Starcloud, das unter anderem auf Hardware von Nvidia setzt, plant für Ende 2026 den Start eines zweiten Satelliten, der spezielle Mining-Hardware ins All bringen soll. Gelingt der Test, wäre das Unternehmen der erste Akteur, der Bitcoin direkt aus dem Erdorbit generiert.
Starcloud-CEO Philip Johnston verfolgt einen klaren wirtschaftlichen Ansatz. Im All ist Solarenergie im Überfluss vorhanden – dauerhaft und ohne Konkurrenz zu normalen Stromnetzen. Während rechenintensive KI-Anwendungen auf teure Hochleistungs-GPUs angewiesen sind, setzt das Unternehmen beim Mining auf spezialisierte ASIC-Miner. Dies sind hochspezialisierte Computer, die ausschließlich für das Mining von Kryptowährungen entwickelt wurden. Der Kostenvorteil ist massiv: Ein 1-Kilowatt-ASIC kostet laut Johnston etwa 1.000 Dollar, während ein Nvidia B200-Chip der gleichen Leistungsklasse mit bis zu 30.000 Dollar zu Buche schlägt. Für Starcloud ist das Mining daher der ökonomisch logischere Einstieg in die orbitale Datenverarbeitung.
The cat is out of the bag: @Starcloud_-2 will be the first to mine 𝗕𝗶𝘁𝗰𝗼𝗶𝗻 in space.
— Philip Johnston (@PhilipJohnston) March 7, 2026
This will be a massive industry in itself. Right now, bitcoin mining consumes about 20 GW of power continuously. It makes no sense to do this on Earth, and in the end state, all of this… pic.twitter.com/tmfr8rxGOL
Das 2024 gegründete Unternehmen arbeitete anfänglich an orbitalen Rechenzentren, die den explosionsartig steigenden Rechenbedarf, insbesondere im Bereich der KI, decken sollten. Es hat bereits einen mit einer Nvidia H100-GPU ausgestatteten Satelliten in die Umlaufbahn gebracht und anschließend behauptet, KI-Modelle im Weltraum ausführen und sogar trainieren zu können. Bitcoin-Mining gilt jedoch als vergleichsweise einfacher und günstiger, da lediglich Strom, spezialisierte Hardware und eine stabile Datenverbindung benötigt werden.
Hohe Hürden für den Orbit-Profit
Trotz der technologischen Ambitionen bleibt das Geschäftsmodell fraglich. Die Transportkosten in den Orbit sind weiterhin hoch. Zudem ist die Hardware extremen Bedingungen ausgesetzt: Weltraumschrott, intensive Strahlung und starke Temperaturschwankungen erhöhen das Ausfallrisiko erheblich. Da Wartungseinsätze kaum möglich sind, ist insbesondere die Lebensdauer der Systeme ein kritischer Faktor.
Branchenriesen wie Cloud-Anbieter AWS bleiben daher skeptisch. Dass Mining technisch im All möglich ist, bedeutet noch lange nicht, dass es wirtschaftlich mit klassischen Rechenzentren auf der Erde konkurrieren kann.
Starcloud präsentiert ein spannendes technologisches Experiment, aber noch keine industrielle Revolution. Es ist vielmehr ein Ausblick darauf, was in der Zukunft wohl alles möglich sein kann.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin, Nvidia.
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