Die nackten Zahlen zum ersten Quartal 2026 sahen zunächst düster aus. Dennoch halten Analysten an ihrer Kaufempfehlung für die Coinbase-Aktie fest. Das Analysehaus Benchmark hob das Kursziel am Dienstag sogar von 260 auf 270 Dollar an. Die Experten setzen darauf, dass sich der Konzern von einer volatilen Handelsplattform zum unverzichtbaren Rückgrat der Krypto-Welt wandelt.
Der jüngste Geschäftsbericht von Coinbase enttäuschte die Märkte. Das Unternehmen meldete für das erste Quartal einen Nettoverlust von 394 Millionen Dollar. Auch der Umsatz blieb mit 755,8 Millionen Dollar deutlich hinter den Erwartungen zurück. Das bereinigte EBITDA brach im Vergleich zum Vorjahresquartal von 929,9 Millionen auf 303,3 Millionen Dollar ein.
Entsprechend negativ reagierten die Anleger: Die Aktie verlor nach Bekanntgabe der Zahlen sechs Prozent an Wert. Auch die Nachricht, dass Coinbase rund 14 Prozent seiner Belegschaft abbaut, drückte kurzzeitig auf die Stimmung.
Vom Broker zum Infrastruktur-Riesen
Trotz dieser Rückschläge bewertet Benchmark die Lage positiv. Der Grund: Coinbase löse zunehmend das Versprechen ein, zur sogenannten „Everything Exchange“ zu werden. Die Analysten betrachten das Unternehmen weniger als zyklischen Krypto-Broker, sondern als grundlegende Infrastruktur-Plattform für die gesamte „Onchain-Ökonomie“.
Stablecoins, Derivate, Tokenisierung und DeFi-Anwendungen sind im Ökosystem von Coinbase bereits fest verankert. Zwölf Geschäftsbereiche erzielen mittlerweile einen annualisierten Umsatz von jeweils rund 100 Millionen Dollar. Besonders stark: Das Segment der Krypto-Derivate erreichte im abgelaufenen Quartal ein Rekordhoch beim Umsatzbeitrag. Zudem wickelt Coinbase inzwischen rund 50 Prozent der Aktivitäten des Stablecoins USDC ab.
Marktanteile erreichen Rekordniveau
Während die Umsätze sanken, baute Coinbase seine Marktstellung aus. Der Anteil am globalen Handelsvolumen stieg auf 8,6 Prozent – ein neuer Höchstwert. Auch das Vertrauen der Kunden scheint ungebrochen. Das Unternehmen verzeichnete das zwölfte Quartal in Folge Nettozuflüsse an Kapital. Insgesamt befinden sich nun Vermögenswerte in Höhe von 294 Milliarden Dollar auf der Plattform.
Auch technologisch punktet Coinbase: Das hauseigene Netzwerk „Base“ wird von Analysten als unterschätzt eingestuft. Das Transaktionsvolumen mit Stablecoins auf dieser Blockchain ist im Jahresvergleich um das Zehnfache gestiegen.
Regulierung als wichtigster Katalysator
Die größte Hoffnung der Bullen liegt jedoch in Washington. Ein verbessertes regulatorisches Umfeld könnte der Aktie massiven Auftrieb geben. Coinbase-Chefjurist Paul Grewal rechnet damit, dass der „CLARITY Act“ – ein Gesetz zur Marktstruktur von Krypto-Werten – bis zum Spätsommer 2026 verabschiedet wird. Klare Regeln könnten die Türen für große institutionelle Investoren weit öffnen.
Doch nicht alle Experten teilen diesen grenzenlosen Optimismus. Die Investmentbank Mizuho bleibt bei ihrer neutralen Bewertung und einem Kursziel von 200 Dollar. Die Analysten warnen, dass viel Aufwärtspotenzial bereits im aktuellen Kurs eingepreist sei. Zudem verliere Coinbase Marktanteile bei Privatkunden an Konkurrenten wie Robinhood.
Coinbase befindet sich aktuell in einer operativen Übergangsphase zur „Everything Exchange“. Dass eine solche Transformation oft mit Perioden der Kursschwäche einhergeht, ist keine Seltenheit. Aufgrund des angeschlagenen Chartbilds drängt sich ein Einstieg derzeit allerdings nicht auf.
Heute, 10:45