Coinbase: Ist CEO Brian Armstrong bald überflüssig?

Coinbase: Ist CEO Brian Armstrong bald überflüssig?
Foto: Brendan McDermid/REUTERS
Coinbase Global Inc. A -%
Philipp Schleu Heute, 19:18 Philipp Schleu

Bislang drehte sich die Debatte über künstliche Intelligenz vor allem um den Wegfall einfacher Einstiegsjobs. Nun erreicht die Automatisierung jedoch auch die Chefetage. So nutzt Coinbase-Gründer Brian Armstrong bereits ein internes KI-Modell als strategischen Berater für viele unternehmerische Entscheidungen.

Das System fungiert als zentrales „Orakel“. Der Grund: Armstrong hat ein selbstgehostetes KI-Modell implementiert, das sämtliche internen Datenquellen bündelt. Das Tool verarbeitet jeden Slack-Verlauf, jedes Google-Dokument sowie Daten aus Salesforce und Confluence.

Damit bricht Coinbase interne Datensilos auf. Während herkömmliche Sprachmodelle oft nur für punktuelle Aufgaben genutzt werden, greifen bei der Krypto-Börse mittlerweile alle Abteilungen – von der Rechtsabteilung bis hin zum Finanzwesen – auf den KI-Agenten zu.

Coinbase (WKN: A2QP7J)

Vom Schreibgehilfen zum Mentor

Armstrongs Ansatz unterscheidet sich fundamental vom gängigen Einsatz der Technologie. Statt die KI lediglich zum Entwerfen von Memos zu nutzen, setzt er auf das sogenannte „Reverse Prompting“. Dieses Konzept, das ursprünglich von Shopify-CEO Tobi Lütke stammt, kehrt die Rollenverteilung um.

Die KI agiert dabei als Coach und deckt blinde Flecken im Management auf. Armstrong stellt Fragen wie: „Worüber sollte ich mir im Unternehmen bewusst sein, wovon ich aktuell nichts weiß?“ Das Ergebnis: Die KI identifiziert Unstimmigkeiten innerhalb von Teams oder strategische Differenzen, die in Slack-Kanälen verborgen bleiben.

Effizienz unter dem Mikroskop

Auch die Selbstoptimierung steht im Fokus. Das System analysiert konkret, wie der CEO seine Zeit investiert. Ein Beispiel aus der Praxis: Armstrong plante, nur 20 Prozent seiner Kapazitäten für ein bestimmtes Projekt aufzuwenden. Die KI rechnete ihm vor, dass es tatsächlich 32 Prozent waren.

Das Ergebnis: Schnellere Entscheidungen und eine präzisere Ressourcenverteilung. In einem volatilen Marktumfeld, in dem es auf Agilität ankommt, könnte diese datenbasierte Führung das unternehmerische Risiko durchaus senken. Coinbase ist derzeit keine laufende Empfehlung des AKTIONÄR.

Behandelte Werte

Name Wert Veränderung
Heute in %
Coinbase - €

Aktuelle Ausgabe

Globale Aktienrally: 7 Exoten mit Kurspotenzial

Nr. 06/26 8,90 €
Paypal Sofortkauf Im Shop kaufen Sie erhalten einen Download-Link per E-Mail. Außerdem können Sie gekaufte E-Paper in Ihrem Konto herunterladen.

Buchtipp: Gerd Wegers Krypto-Kompendium

Gerd Weger ist seit den 1980ern erfolgreich an den Märkten aktiv und vielen Börsianern als Kolumnist der €uro am Sonntag oder als Betreiber seines legendären „Millionen­depots“ bekannt. Im Jahr 2017 hat er seinen Fokus von Aktien auf Kryptowährungen verlagert und legt nun ein Standardwerk vor: Der Schwerpunkt liegt auf den Bewertungsfaktoren von Bitcoin und Co. Die im Ver­gleich zu Aktien völlig anderen Ansätze zur Fundamentalanalyse werden in dem Buch systematisch dargestellt. Wichtig sind auch die Überlegungen für eine Steueroptimierung. Für aufgeklärte Investoren und Trader ist all dies unerlässlich für einen nachhaltigen Anlageerfolg mit Kryptowährungen. 

Gerd Wegers Krypto-Kompendium

Autoren: Weger, Gerd
Seitenanzahl: 736
Erscheinungstermin: 21.03.2024
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-957-9

Preis: 79,00 €