19.03.2019 DER AKTIONÄR

Boeing: Hätte die 737 MAX gar nicht zugelassen werden dürfen?

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Nach dem Absturz von zwei Boeing-Passagierjets nehmen US-Ermittler einem Pressebericht zufolge die Entwicklung und den Zulassungsprozess für den Flieger unter die Lupe. Eine Grand Jury in Washington habe dazu von mindestens einer Person Dokumente und Korrespondenz eingefordert, berichtete das Wall Street Journal am Sonntag in seiner Online-Ausgabe und berief sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen.

Das Verkehrsministerium habe unterdessen die Zulassung der Modellreihe Boeing 737 MAX durch die US-Luftfahrtbehörde FAA im Auge. Die Seattle Times hatte am Wochenende geschrieben, die Aufsicht von Boeing und FAA bei der 737-MAX-Entwicklung sei fehlerhaft gewesen. Boeing wollte sich auf Nachfrage der Zeitung nicht zu dem Thema äußern. Bei den Ministerien war laut WSJ am Sonntag niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

In der Anforderung der Unterlagen durch die Grand Jury wird dem Bericht zufolge ein Ermittler des US-Justizministeriums als Kontakt genannt. Das Schreiben wurde demnach bereits am 11. März verschickt - einen Tag nach dem zweiten Absturz, bei dem alle Insassen einer Boeing 737 MAX 8 von Ethiopian Airlines ums Leben gekommen waren. Bereits im Herbst war eine Maschine der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air abgestürzt. Es handelte sich um denselben Flugzeugtyp.

Die Auswertung der Flugschreiber der in Äthiopien verunglückten Boeing 737 Max 8 lässt nach Dafürhalten der äthiopischen Regierung auf "klare Ähnlichkeiten" mit dem Absturz der baugleichen Maschine in Indonesien vor fünf Monaten schließen. Das sagte die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges am Sonntag nach dem Erhalt der Daten der sogenannten Blackboxes. Die Flugschreiber seien in gutem Zustand und hätten die Auswertung "von fast allen erfassten Daten" ermöglicht. Die Regierung werde in vier Wochen detaillierte Informationen basierend auf den Daten veröffentlichen, sagte die Ministerin weiter.

Nach dem jüngsten Crash erließen Luftfahrtbehörden rund um die Welt bis zur Klärung der Unglücksursachen ein Flugverbot für die Boeing 737-MAX-Reihe. Die rund 370 seit 2017 ausgelieferten Flugzeuge müssen daher am Boden bleiben. Boeing will in den kommenden Wochen ein Update für die inzwischen kritisch beäugte Steuerungssoftware an die Airline-Kunden verteilen. Der US-Luft- und Raumfahrt-Konzern teilte am Sonntag n Chicago mit, man sei dabei, die Entwicklung eines bereits angekündigten Updates für die Steuerungssoftware und eine Überarbeitung des Pilotentrainings abzuschließen. Sicherheit habe höchste Priorität. Boeing unterstütze auch die Untersuchung zur Absturzursache weiter.

Für Boeing sind die Zweifel an dem Kassenschlager, für den nach Angaben des Konzern rund 5.000 Bestellungen vorlagen, ein ernsthaftes Problem. Es drohen möglicherweise hohe Entschädigungsforderungen. Die Boeing-Aktie geriet in der vergangenen Woche massiv unter Druck. Von 422 US-Dollar am Freitag, 8. März, stürzte das Dow-Jones-Schwergewicht bis auf 363,33 Dollar ab, bevor sich der Kurs etwas fangen konnte. Am vergangenen Freitag schloss das Boeing-Papier bei 379 Dollar. Im deutschen Handel geriet die Aktie am Montagmorgen erneut unter Druck.

Mit Material von dpa-AFX