07.07.2012 Markus Horntrich

BMW mit Rekordabsatz: Finanzchef im Interview

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BMW hat im ersten Halbjahr erneut bei den Auslieferungen deutlich zulegen könnnen. Für das laufende Jahr hat der Konzern einen neuen Absatzrekord im Blick. Finanzchef Dr. Friedrich Eichiner erläutert im Interview mit dem AKTIONÄR, was die Anleger künftig noch erwarten können.

Erneut ein Rekord: Der BMW-Konzern schaffte  in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres ein Absatzplus von 8,1 Prozent auf weltweit 900.539 Fahrzeuge, nachdem das Unternehmen auch für den Monat Juni mit 172.516 (+4,0 Prozent) weltweit ausgelieferten Fahrzeugen einen neuen Höchstwert erreichte.

Die Zahlen im Detail:

 

Juni

Veränderung

1. Halbjahr

Veränderung

 

2012

zum Vorjahr

2012

zum Vorjahr

BMW Gruppe

172.516

4,0%

900.539

+8,1%

BMW

139.869

4,0%

747.064

+8,3%

MINI

32.337

3,9%

151.875

+7,0%

Rolls-Royce

 

1,6

+0,5%

BMW Motorrad

10.271

-13,2%

59.189

-2,3%

Husqvarna

815

81,1%

5.235

+48,3%

Fahrzeugabsatz in Stück

Finanzchef Dr. Friedrich Eichiner erläutert im Interview mit dem AKTIONÄR, was die Anleger künftig noch erwarten können:

Herr Dr. Eichiner, BMW hat vor kurzem ein weiteres Werk in China eröffnet. Damit werden neben dem 3er und 5er nun auch der X1 vor Ort produziert. Kann man davon ausgehen, dass seitens BMW weitere Werke für andere Baureihen dort folgen werden?

China gehört zu den drei wichtigsten Absatzmärkten der BMW Group weltweit und bietet gerade im Premiumsegment große Wachstumschancen. Der Bau unseres neuen Werkes in Tiexi ist ein konsequenter Schritt, um den aufstrebenden Markt in China weiterhin erfolgreich bedienen zu können. Damit erhöhen wir unsere dortigen Kapazitäten auf insgesamt 200.000 Fahrzeuge. Zusammen mit unserem Partner Brilliance werden wir zudem weitere 500 Millionen Euro in China investieren und damit mittelfristig die Kapazität in unseren beiden Fahrzeugwerken auf 300.000 Einheiten erhöhen.

Zugleich schaffen wir damit die Voraussetzungen, das Produktionsvolumen bei Bedarf flexibel auf maximal 400.000 Fahrzeuge pro Jahr erhöhen zu können. Da das Werk Tiexi wie unsere anderen Werke auch über eine hohe Flexibilität verfügt, könnten dort neben dem BMW X1 und dem BMW 3er theoretisch auch andere Baureihen in den Produktionsprozess integriert werden. Dafür gibt es aber derzeit keine Pläne.

China ist einer der wichtigsten Märkte und wird es voraussichtlich auch noch länger bleiben. Wenn Sie sich ihre EBIT-Marge für verkauftes Auto in China im Vergleich zu einem in Deutschland verkauften Auto ansehen, wo würde BMW lieber mehr Fahrzeuge verkaufen?

Auf dem chinesischen Markt lassen sich wie in anderen Märkten auch attraktive Renditen erzielen. Allerdings darf man die Bedeutung des Chinageschäfts nicht überbewerten. Uns ist zudem ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Europa, Asien und Amerika wichtig. Das Unternehmen will auf allen Kontinenten, in großen wie in kleinen Märkten, weiter zulegen.

Eine Herausforderung für Autobauer ist derzeit, einerseits auf die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern mit Kapazitätsausbau zu reagieren, andererseits aber einen Blick auf schwächelnde Märkte wie in Europa zu haben. Wie schafft BMW eine entsprechende Flexibilität, um auf Nachfrageschwankungen reagieren zu können?

Unser Produktionssystem ist höchst flexibel. Wir können deutliche Produktionsschwankungen in die eine oder andere Richtung beispielsweise durch die Änderung von Schichtmodellen, die Nutzung von Arbeitszeitkonten sowie eine Reihe weiterer Maßnahmen ausgleichen.

Welchen prozentualen globalen Nachfragerückgang kann BMW aktuell abfedern, ohne dass man wie nach der Lehman-Krise in die roten Zahlen rutscht?

Wir sind heute im Falle eines Konjunktureinbruchs sicher deutlich besser aufgestellt als damals. Unsere Strukturen sind inzwischen wesentlich schlanker, und wir verfügen über eine junge Modellpalette.

Sehen Sie in der aktuell schwächeren Nachfrage aus Europa ein längerfristiges Problem, auf das Sie bereits reagieren müssen?

Die hohe Nachfrage nach unseren Fahrzeugen beispielsweise in China oder den USA ermöglicht es uns, die Marktschwäche in einigen südeuropäischen Ländern mehr als abzufedern. Aber auch in Europa gibt es nach wie vor Länder, in denen wir deutliche Absatzzuwächse erzielen können.

Einige große Konzerne arbeiten an Krisenszenarien für ein Ende des Euro. Wie sieht es damit bei BMW aus?

Wir schauen uns natürlich alle möglichen Szenarien an, gehen aber nicht von einem Scheitern des Euro aus. Sollte dies der Fall sein, wäre das für Deutschland und auch für uns zweifellos mit großen Nachteilen verbunden. Das Ergebnis wäre eine deutliche Aufwertung unserer Währung mit allen Konsequenzen und würde beispielsweise zu einer deutlichen Verteuerung der Exporte führen.

Mit der Kooperation mit SGL Carbon und dem geplanten Einsatz von Karbon in der kompletten Fahrgastzelle hat BMW eine Vorreiterrolle. Wie ist der aktuelle Stand des Kapazitätsaufbaus für die CFK-Produktion, wann wird die Produktion serientauglich sein?

Wir liegen beim Thema CFK voll im Plan. Mit dem BMW i3 wird 2013 unser erstes Serien-Elektrofahrzeug auf den Markt kommen. Das innovative Fahrzeug ist speziell für den Elektroantrieb konstruiert. Es verfügt über eine Fahrgastzelle aus kohlefaserverstärktem Kunststoff sowie ein Chassis aus Aluminium. So wird das Fahrzeug 250 bis 350 Kilogramm leichter sein als ein herkömmliches Fahrzeug mit Elektromotor.

Bisher ist CFK „nur" für die BMW i-Reihe angedacht. Wann wird es den ersten 3er, 5er etc. mit einer kompletten CFK-Fahrgastzelle geben, um den Flottenverbrauch bzw. die CO2-Emissionswerte zu senken?

Die BMW Group hat die Co2-Emissionen in der Flotte in den vergangenen Jahren bereits deutlich gesenkt. Aktuell liegt die BMW Group Flotte im Durchschnitt bei 145 Gramm CO2 pro Kilometer. Für 2015 hat die EU einen Durchschnittswert für alle europäischen Fahrzeuge von 130 Gramm CO2 pro Kilometer gesetzt. Den entsprechenden Zielwert für BMW werden wir sicher erreichen. Wir schaffen das mit unseren hoch effizienten Motoren sowie neuen Modellen wie dem BMW 3er.

Natürlich kommt dem Thema Leichtbau zukünftig eine immer größere Bedeutung zu. Die Erkenntnisse, die wir bei CFK sammeln, werden sicher in gewissem Umfang auch in unsere anderen Fahrzeuge einfließen.

Wie sieht es mit der Wettbewerbsfähigkeit von CFK gegenüber Stahl in Sachen Preis aus?

Wir haben bei CFK den Fertigungsprozess sowie die Kosten im Griff. Fahrzeuge wie der BMW i3 oder der BMW i8 sind für uns zudem Technologieträger, von denen zukünftig auch andere Baureihen profitieren werden.

Das erste Halbjahr ist für alle Autobauer positiv verlaufen, wie wird Ihrer Meinung nach das zweite Halbjahr ausfallen, besser, schlechter oder genauso gut wie das erste?

Die BMW Group wird ihren Erfolgskurs dank ihrer attraktiven Modellpalette auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen. Im Gesamtjahr wollen wir weltweit weiterhin schneller als der Markt wachsen und eine neue Bestmarke beim Absatz erreichen.

Zuletzt war zu lesen, dass die Autohersteller wieder mehr Rabatte gewähren müssen. Wird BMW das Volumen - etwa dank der neuen 1er und 3er-Modelle - entsprechend steigern können, um ein etwas ungünstigeres Preisumfeld ausgleichen zu können?

Bei uns hat sich die Situation kaum verändert, wir bewegen uns im normalen Rahmen. Dazu tragen auch neue und begehrte Fahrzeuge wie der BMW 3er oder der BMW X3 bei.

Welche Themen sehen Sie in den nächsten Jahren als größte Herausforderung für die Automobilindustrie insgesamt?

Die Automobilindustrie befindet sich in einem Umbruch, dem wir mit dem zweigleisigen Ansatz „Evolution und Revolution" begegnen. Das bedeutet, dass wir auf der einen Seite unsere ohnehin effizienten Motoren noch sparsamer machen und unser Angebot an Hybrid-Fahrzeugen weiter ausbauen werden. Daneben müssen wir Zukunftstechnologien wie Elektromobilität jetzt vorantreiben, um das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Elektrofahrzeuge werden uns auch dabei helfen, die zukünftigen gesetzlichen Vorgaben bei CO2-Emissionen zu erfüllen.

Vielen Dank für das Interview!