06.04.2020 Jochen Kauper

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer: "Daimler, BMW und Volkswagen sind gut kapitalisiert" - "Die drei deutschen Hersteller könnten sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen"

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Daimler

BMW, Daimler und Volkswagen sind von der Corona-Krise schwer getroffen. Absatzrückgänge in China, Absatzrückgänge in den USA und auch der deutsche Markt ist im März zusammengeklappt. 

Wie steht es um die Finanzen von BMW, Daimler und Volkswagen? Wird es unter den Automobil-Herstellern durch die Krise weitere Fusionen oder Kooperationen geben? DER AKTIONÄR sprach mit dem Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität St. Gallen über die aktuelle Situation.

DER AKTIONÄR: Herr Dudenhöffer, zuletzt hat sich Daimler bei den Banken eine zusätzliche Kreditlinie über 12 Milliarden Euro gesichert. Wird das Geld knapp?

Ferdinand Dudenhöffer: In der nachfolgenden Tabelle habe ich die Positionen der 3 Konzerne gegenübergestellt hinsichtlich Liquidität. Nach Geschäftsbericht hat VW 2019 einen Umsatz von 252 Mrd. € und  Zahlungsmittel bzw. Zahlungsmitteläquivalente von 24.329 Mio.€. Unterstellt man, dass 15% des Umsatzes für Afa und Zinsen gebraucht werden, also eine Art fixe Auszahlungen sind, braucht der VW-Konzern 3158 Mio. € für diese Aufwendungen pro Monat. Damit reichen die liquiden Mittel  hier für 7,7 Monate. Bei 25% Fixkostenanteil (als etwa keine Kurzarbeitergelder etc.) würde dies bei VW für 4,6 Monate, bei Daimler für 5,2 Monate und bei BMW für 5,5, Monate ausreichen. Alle drei sind mit guten Liquiditätspolstern ausgestattet und könnten nach unserer Modellrechnung bis zu 5 Monaten ohne Umsatz zahlungsfähig sein.

Universität St. Gallen
Daimler (WKN: 710000)

DER AKTIONÄR: Warum sichert sich Daimler dann zusätzliche Kreditlinien?

Ferdinand Dudenhöffer: Wenn man Null oder sogar leichte negative Zinsen bezahlt, ist eine Kreditaufnahme eher ein Geschäft statt eine Last bei den heutigen Zinsen. Eine neues Feld für Financial Services eines Industrieunternehmens, wenn man das süffisant ausdrücken möchte. Drittens, stehen Daimler hohe Investitionen mit der E-Mobilität ins Haus und der Diesel zwingt möglicherweise auch noch zu hohen Auszahlungen, also Liquiditätsabflüssen. Also macht es Sinn, sich mit geschenktem Geld einzudecken. Ob jetzt VW und BMW auch geschenktes Geld mitnehmen weiß ich natürlich nicht. Es wäre jedenfalls nichts verwerfliches.

BMW (WKN: 519000)

DER AKTIONÄR: Wird die Krise die Zusammenschlüsse unter den Autobauern beschleunigen? Welcher Hersteller passt zu wem?

Ferdinand Dudenhöffer: Ein nicht ganz neues Thema. BMW und Daimler passen zunächst mal nicht zusammen. Das wäre wirklich Unsinn, der sicher auch von Monopolbehörden verboten würde. Daimler und Geely ist das was anderes. das wird laufen. BMW würde nach meiner Einschätzung gut ein chinesischer Partner zu Gesicht stehen. Bei PSA sollte die Aktionäre wirklich überlegen, ob es in der Nach-Corona-Zeit Sinn macht, das italienische Abenteuer mit FiatChrysler einzugehen.

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

DER AKTIONÄR: Und was passiert mit den etwas kleineren Herstellern?

Ferdinand Dudenhöffer: Für JaguarLandrover ist es sehr eng, für Renault noch enger. Die französische Regierung und der japanische Allianz-Partner Nissan dürften dort die größten Probleme sein. Eng wird es auch für kleinere Japaner wie Mazda oder Honda. In Japan ist ja schon viel im Toyota-Haus eingebunden, aber ob das die große Zukunft ist. USA ist die große Stärke der Japaner. Und USA mit dem US-Markt scheint der große Verlierer der nächsten Dekade zu werden.

DER AKTIONÄR: Wer wird die Krise am besten meistern?

Ferdinand Dudenhöffer: Die Zukunft ist China. Alle die es schaffen sich mit chinesischen Partnern stabil aufzustellen, sind die potentiellen Gewinner. Und da dürfte US-Präsident Trump mit seinem Handelskrieg seinen US-Unternehmen langfristig großen Schaden zugefügt haben. Bei den Partnerschaften muß nicht unbedingt gelten, dass es nur auf Verbindungen von Autobauer zu Autobauer hinaus läuft. Das war eher gestern. Morgen gehen wir in die Welt des KI-Autos, und da macht es mehr Sinn mit Software-Tech-Unternehmen statt mit Blechbieger einen Konzern zu schmieden.

DER AKTIONÄR: Wer also könnte vielleicht sogar gestärkt aus dieser Krise hervorgehen?

Ferdinand Dudenhöffer: Tesla, Geely, Great Wall und die drei deutschen Autobauer haben gute Chancen, denn sie sind China-zentriert.

Geely (WKN: A0CACX)

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