Die Kirche sammelt den Klingelbeutel ein und kauft davon verstaubte Immobilien? Falsch gedacht! Die Church of Jesus Christ of Latter-day Saints – besser bekannt als Mormonen – betreibt einen gewaltigen Investmentfonds. Name des Vehikels: Ensign Peak Advisors. Das Volumen des Aktienportfolios beträgt laut einem aktuellen Bericht an die US-Börsenaufsicht rund 54 Milliarden Dollar. Die Strategie kennt keine Demut. Hier regiert der pure Silicon-Valley-Kapitalismus.
In dem mormonischen Depot befinden sich jedoch keineswegs nur konservative Anlageklassen und Dividendenwerte. Die Verwalter setzen konsequent auf die großen Namen, die den KI-Hype anführen. Die unangefochtene Spitzenposition im Portfolio ist Nvidia. Der durchschnittliche Kaufpreis der Position liegt bei rund 20 Dollar. Beim aktuellen Kursniveau bedeutet das eine himmlische Rendite von weit über 1.000 Prozent Buchgewinn.
Hinter dem KI-Branchenprimus folgen die weiteren Tech-Schwergewichte Microsoft, Apple, Amazon und Alphabet – allesamt dreistellig im Plus. Insgesamt hält der Fonds über 1.700 Einzelpositionen.
So viel diskreter Reichtum rief die Behörden auf den Plan. Die US-Börsenaufsicht SEC deckte auf, dass die Kirche die wahre Größe des Vermögens jahrelang verschleierte. Die Methode: Ein Geflecht aus Scheinfirmen, um die meldepflichtigen Milliarden-Holdings vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Das Ergebnis: Eine weltliche Strafe von insgesamt fünf Millionen Dollar im Jahr 2023. Die Strafe wurde bezahlt, das Tech-Depot wächst weiter.
Ein großer Vorteil des Fonds liegt in seiner Struktur. Die Verwalter haben keinen kurzfristigen Renditedruck. Sie denken nicht in Quartalsberichten, sondern in Jahrzehnten. Der größte Hebel: Im Gegensatz zu klassischen Fondsmanagern drohen Ensign Peak keine panischen Kunden, die im Crash ihr Geld abziehen wollen.
Die Milliarden fließen ohnehin stetig weiter. Die weltweit knapp 18 Millionen Kirchenmitglieder sind verpflichtet, den „Zehnten“ – also zehn Prozent ihres Einkommens – an die Gemeinde abzuführen. Wie profitabel diese finanzielle Basis ist, zeigt die jüngste 13F-Meldung an die SEC vom 13. Mai: Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sitzt auf einem prall gefüllten Tech-Depot im Wert von rund 54 Milliarden Dollar, das jede Krise stur aussitzt.
Man muss nicht konvertieren, um an der Börse abzukassieren. Aber man kann sich von der Kirche eine Scheibe abschneiden. Der Ansatz lautet simpel: Klotzen statt kleckern, auf die echten Monopolisten setzen und die Aktien nie wieder hergeben. Diese Strategie segnet auch DER AKTIONÄR ab.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.
Nvidia-Aktien befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 11:11