Schlussglocke: Wall Street verliert Momentum – HP, Marvell, Salesforce und Snowflake im Fokus

Schlussglocke: Wall Street verliert Momentum – HP, Marvell, Salesforce und Snowflake im Fokus
Foto: Reuters/ Jeenah Moon
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Annalena Götz Heute, 23:20 Annalena Götz

Widersprüchliche Signale rund um mögliche Friedensgespräche zwischen den USA und Iran haben die Wall Street am Mittwoch in Atem gehalten. Während der S&P 500 und der Nasdaq 100 nahezu unverändert aus dem Handel gingen, steht der Dow Jones auf Rekordhoch. Nachbörslich sorgen die Zahlen von HP, Marvell, Salesforce und Snowflake für Furore.

Die US-Indizes haben am Mittwoch erneut Rekordluft geschnuppert. Dem Dow Jones gelang der Sprung auf ein neues Allzeithoch bei 50.835 Punkten. Zum Handelsschluss behauptet der Standardwerte-Index mit 50.649 Zählern ein Plus von 0,36 Prozent.

Der S&P 500 trat nach seinem jüngsten Rekordlauf dagegen weitgehend auf der Stelle. Der marktbreite Index schloss mit 0,02 Prozent minimal im Plus, blieb allerdings während der gesamten Handelssitzung unter seinem gestern aufgestellten Bestwert von 7.539 Punkten.

Auch der Nasdaq 100 legte nach seiner viertägigen Gewinnserie eine kleine Verschnaufpause ein. Zeitweise sprang der Techwerte-Index heute zwar auf ein neues Allzeithoch bei 30.100 Zählern, zum Handelsschluss drehte er nach Gewinnmitnahmen jedoch leicht ins Minus und verlor 0,09 Prozent. Die 30.000-Punkte-Marke konnte er damit vorerst nicht verteidigen. Auf Jahressicht hängt der Nasdaq 100 mit einer spektakulären Performance von 41,4 Prozent die anderen großen Indizes dennoch locker ab.

Infront Nasdaq 100 (WKN: A0AE1X)

Iran-Hoffnung wackelt – Analysten bleiben optimistisch

Im Mittelpunkt steht nach wie vor der Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Widersprüchliche Aussagen aus Washington und Teheran sorgten am Mittwoch für Nervosität. Donald Trump dämpfte die Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch in den Verhandlungen. Er sei mit dem bisherigen Verlauf „nicht zufrieden“, erklärte er. Gleichzeitig dementierte das Weiße Haus Berichte iranischer Staatsmedien über ein mögliches Übergangsabkommen, das eine Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus innerhalb eines Monats vorsah. 

Trotzdem entspannt sich die Lage am Ölmarkt vorerst weiter. Der Preis für ein Barrel der Rohölsorte Brent fiel unter 95 Dollar. Die Rohölsorte WTI notiert aktuell 4,7 Prozent tiefer bei 89,50 Dollar. Dennoch: „Die Lage im Iran bleibt extrem dynamisch“, erinnert Adam Turnquist von LPL Financial. Für nachhaltig niedrigere Ölpreise müsse die Straße von Hormus endgültig wieder geöffnet werden.

Die Finanzexperten an der Wall Street bleiben trotz der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten klar bullish für den US-Aktienmarkt: Eine "außergewöhnlich starke Berichtssaison der Unternehmen" veranlasste die Goldman Sachs dazu, das Jahresendziel für den S&P 500 von 7.600 auf 8.000 Punkte anzuheben. Damit reiht sich die US-Investmentbank in die Reihe der optimistischen Prognosen der Morgan Stanley und der Deutschen Bank ein – auch dort traut man dem Index, der die Aktien der 500 größten börsennotierten Unternehmen aus den USA umfasst, bis Ende 2026 die magische 8.000-Punkte-Marke zu.

Chip-Sektor im Fokus

Belastet wurde der Markt heute vor allem von schwächeren Bank- und Halbleiterwerten. JPMorgan (minus 2,4 Prozent) war der größte Bremsklotz im Dow Jones. CEO Jamie Dimon schlug auf der Investorenkonferenz ungewöhnlich vorsichtige Töne an und stellte zugleich Übernahmen im Wert von bis zu 20 Milliarden Dollar in Aussicht. Im Chipsektor setzte nach der furiosen KI-Rally der vergangenen Tage eine Konsolidierung ein: Die Aktien der Vortagesgewinner Qualcomm (minus 6,2 Prozent), ARM (minus 5,8 Prozent) und Marvell (minus 4,6 Prozent) etwa gaben deutlich nach. Micron (plus 3,6 Prozent) hingegen knüpfte an die gestrige Rekordrally an – wenn auch etwas gemächlicher. Der Kurs des Speicherchip-Produzenten erreichte mit 956,16 Dollar ein neues Allzeithoch.

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Mag 7: Meta springt an die Spitze, Nvidia schwächelt

Bei den Magnificent 7 war Meta der größte Gewinner mit einem Kurssprung von 3,7 Prozent, gefolgt von Amazon mit plus 2,5 Prozent, Tesla mit plus 1,6 Prozent und Apple mit einem Aufschlag von 0,8 Prozent. Unter Druck geriet indes das 5-Billionen-Dollar-Schwergewicht Nvidia mit einem Kursverlust von 1,5 Prozent. Microsoft verlor 0,8 Prozent, Alphabet verharrte auf dem Vortagesniveau.

Auf der Hauptversammlung überzeugte Meta die Anleger mit neuen Monetarisierungsfantasien rund um künstliche Intelligenz. Der Facebook-Konzern testet erstmals kostenpflichtige Abo-Modelle für seinen KI-Chatbot. Nutzer sollen künftig für erweiterte Funktionen wie Bild- und Videogenerierung oder komplexere KI-Anfragen bezahlen. Gleichzeitig arbeitet Meta auch an Abo-Modellen für WhatsApp, Instagram und Facebook. Anleger setzen damit zunehmend darauf, dass Meta seine milliardenschweren KI-Investitionen künftig deutlich besser zu Geld machen kann.

Amazon baut derweil seine Ambitionen im KI-Commerce massiv aus. Der Konzern bietet seine intern entwickelte KI-Shopping-Technologie künftig auch anderen Einzelhändlern an. Über AWS können Händler in nur wenigen Wochen eigene KI-Einkaufsassistenten auf Basis von „Alexa for Shopping“ aufsetzen. Amazon positioniert sich damit zunehmend als Infrastruktur-Anbieter für den KI-Handel der Zukunft – ähnlich wie einst beim Aufbau von AWS im Cloudgeschäft. Zusätzlichen Rückenwind liefert eine Studie von Semianalysis: Demnach hängt AWS die Konkurrenz bei den KI-Margen inzwischen deutlich ab, unter anderem dank des KI-Booms rund um Anthropics Claude-Modell.

Microsoft stand dagegen trotz langfristig positiver KI-Perspektiven leicht unter Druck. Die Analysten der HSBC sehen enormes Potenzial in der Kooperation mit Anthropic und halten bis 2030 zusätzliche Umsätze von bis zu 43 Milliarden Dollar für möglich.

Alphabet (A) (WKN: A14Y6F)

Salesforce: Starke Ergebnisse reichen nicht

Salesforce hat eigentlich überzeugende Zahlen vorgelegt: Der Software-Konzern steigerte den Umsatz im ersten Quartal  um 13 Prozent auf 11,1 Milliarden Dollar und lag damit im Rahmen der Schätzungen. Der Gewinn je Aktie von 3,88 Dollar übertraf die Analystenprognose von 3,13 Dollar deutlich. Auch die operative Marge überraschte dank der starken Entwicklung im Abo-Geschäft positiv. Sie stieg um mehr als zwei Prozentpunkte auf starke 34,8 Prozent. 

CEO Marc Benioff verweist außerdem auf starke Fortschritte bei der KI-Plattform „Agentforce“. Das KI-Geschäft soll inzwischen bereits 1,2 Milliarden Dollar an wiederkehrenden Jahresumsätzen erzielen.

An der Börse überwog  dennoch die Enttäuschung. Der Haken: Der Ausblick auf das laufende zweite Quartal fiel etwas zu vorsichtig aus. Salesforce erwartet Erlöse in Höhe von 11,3 Milliarden Dollar und bleibt damit knapp unter den Erwartungen. Die Aktie büßt nachbörslich 1,4 Prozent ein.

Salesforce (WKN: A0B87V)

Snowflake: AWS-Deal liefert den großen Knall

Snowflake liefert das genaue Gegenteil ab und entfacht ein fulminantes Kursfeuerwerk. Die Aktie schießt nachbörslich um 36 Prozent auf 238,60 Dollar und schafft durch den Sprung über den GD200 einen echten Befreiungsschlag.

Verantwortlich dafür ist neben den überraschend starken Quartalszahlen eine milliardenschwere KI-Offensive mit Amazon. Snowflake verpflichtet sich mit einem neuen Deal, in den kommenden fünf Jahren rund sechs Milliarden Dollar in AWS-Graviton-Chips und Rechenzentrums-Infrastruktur zu investieren. Beide Unternehmen wollen ihre Zusammenarbeit bei generativer und agentischer KI massiv ausbauen. Snowflake-Chef Sridhar Ramaswamy spricht bereits von einem „Wendepunkt“.

Im abgelaufenen Quartal zog der Umsatz des Cloud- und Datenanalyse-Spezialisten um 33 Prozent auf 1,39 Milliarden Dollar an und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Gleichzeitig hob Snowflake die Prognose für das Gesamtjahr an: Das Unternehmen erwartet nun Umsätze in Höhe von 5,84 Milliarden Dollar – knapp 200 Millionen Dollar mehr als bislang prognostiziert.


Snowflake Inc. (WKN: A2QB38)

Behandelte Werte

Name Wert Veränderung
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