Amazon startet in Europa eine eigenständige AWS-Cloud-Struktur. Daten verbleiben im EU-Rechtsraum, Betrieb und Kontrolle liegen bei einer europäischen Gesellschaft. Der Schritt ist regulatorisch motiviert, sichert aber das Cloud-Geschäft langfristig ab.
Amazon startet mit der AWS European Sovereign Cloud eine eigenständige Cloud-Struktur in Europa. Physisch, rechtlich und organisatorisch getrennt vom restlichen AWS-Netz. Sitz ist Brandenburg. Die Cloud erhält eine eigene Muttergesellschaft, geführt von EU-Bürgern. Ein zwingender Zugriff aus den USA ist nicht vorgesehen.
Der Begriff Sovereign Cloud bezeichnet Cloud-Dienste, bei denen Daten ausschließlich im Rechtsraum der Europäischen Union gespeichert und verarbeitet werden. Es gilt europäisches Datenschutz- und Aufsichtsrecht. US-Gesetze wie der Cloud Act sollen keinen Zugriff ermöglichen. Genau darauf zielt das neue AWS-Angebot.
Auslöser sind die wachsenden regulatorischen Anforderungen der Europäischen Union. Mit dem Digital Markets Act und strengen Datenschutzvorgaben geraten große US-Technologiekonzerne zunehmend unter Druck. Parallel wächst bei Behörden, öffentlichen Auftraggebern und Unternehmen aus kritischen Bereichen die Sensibilität für Datenhoheit und rechtliche Kontrolle.
AWS dominiert gemeinsam mit Microsoft und Google den europäischen Cloud-Markt. Nach Daten der Synergy Research Group entfallen rund 70 Prozent des Marktes auf diese drei Anbieter. Ohne ein souveränes Cloud-Angebot hätte Amazon perspektivisch Marktanteile verloren, insbesondere bei öffentlichen Auftraggebern, im Gesundheitswesen, bei Energieversorgern und in der Rüstungsindustrie.
Amazon setzt daher auf strukturelle Trennung. Die European Sovereign Cloud soll ohne kritische Abhängigkeiten von nicht-europäischer Infrastruktur auskommen. Auch bei einem Ausfall der globalen Kommunikation soll der Betrieb möglich bleiben. Im Extremfall erhalten autorisierte AWS-Mitarbeiter mit Wohnsitz in der EU Zugriff auf eine Quellcode-Kopie, um die Systeme zu betreiben.
Bereits im Jahr 2024 hatte Amazon Investitionen von 7,8 Milliarden Euro für den Aufbau der souveränen Cloud in Deutschland bis 2040 angekündigt. Nun folgt die geografische Ausweitung. Weitere Standorte sind in Belgien, den Niederlanden und Portugal geplant.
Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) lobte die Investition und erklärte: „Globales Know-how wird mit europäischen Datenschutz- und Sicherheitsstandards zusammengebracht.“
Beugt sich Amazon damit der EU? Formal ja, strategisch nein. Der Konzern akzeptiert die europäischen Spielregeln, um seine Marktposition zu sichern. Es ist kein Rückzug, sondern eine Anpassung mit klarer wirtschaftlicher Logik. Wer im europäischen Cloud-Markt führend bleiben will, muss regulatorische Souveränität liefern.
Für Anleger ist der Schritt positiv einzuordnen. AWS bleibt in Europa voll investitionsfähig, politische Risiken werden begrenzt. Amazon stärkt damit die strategische Basis seines Cloud-Geschäfts. Im Echtgeld-Depot setzt DER AKTIONÄR weiter auf steigende Kurse.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Amazon-Aktien befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 11:54