Die Amazon-Aktie steht am Montag unter Druck. Grund ist ein Bericht des Wall Street Journal. Demnach plant die US-Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde FTC eine Klage gegen den Konzern. Der Vorwurf: Jahrelange Manipulation der Preise für Werbung auf der Plattform.
- Die FTC soll bald eine Klage gegen Amazon einreichen.
- Der Vorwurf: Amazon soll Werbepreise über ein „Soft Reserve“ künstlich erhöht haben.
- Es wäre bereits die dritte große Klage der FTC gegen Amazon.
Das Wall Street Journal berichtet unter Berufung auf einen Vertreter der Behörde, dass die Federal Trade Commission (FTC) eine Klage gegen Amazon bei einem Bundesgericht in Seattle einreichen will. Im Zentrum steht demnach die Preisgestaltung für Werbung auf der Amazon-Plattform.
Die FTC wirft Amazon vor, über einen Zeitraum von sieben Jahren die Preise manipuliert zu haben, die Unternehmen für Produktwerbung zahlen mussten. Mehr als 20 Generalstaatsanwälte aus verschiedenen US-Bundesstaaten werden sich dem Verfahren voraussichtlich anschließen.
Konkret geht es um die Auktionsstrategie des Konzerns. Amazon soll diese im Jahr 2018 geändert und ein eigenes Gebot – ein sogenanntes „Soft Reserve“ – oberhalb des zweithöchsten Gebots platziert haben. Dadurch sei der Preis für die jeweilige Anzeige gestiegen.
Die Behörde bemängelt laut dem Bericht zudem, dass Amazon diese Praxis nicht offengelegt habe, obwohl der Konzern die konkurrierenden Gebote der Händler gekannt habe. Dem Bericht zufolge verfolgten für das Werbegeschäft zuständige Amazon-Manager den durch die Strategie erzielten Aufschlag.
Das Wissen darüber sei zunächst nur einem kleinen Kreis zugänglich gewesen. Zum Start sei die Methode lediglich an besonders umsatzstarken Einkaufstagen zum Einsatz gekommen – also an Tagen, an denen Händler höhere Werbekosten mit dem intensiveren Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Kunden hätten erklären können.
In den vergangenen Jahren habe Amazon laut dem Bericht aber in 70 bis 80 Prozent der Auktionen eingegriffen, um den Mindestpreis zu erhöhen. Die FTC argumentiert demnach, dass die Strategie die Kosten für Pay-per-Click-Anzeigen an wichtigen Einkaufstagen um bis zu 50 Prozent in die Höhe getrieben habe.
Amazon weist Werbetreibende auf einer öffentlichen Webseite, die zuletzt im April aktualisiert wurde, darauf hin, dass das Unternehmen ein „Reserve Pricing“ nutzt. Dieses könne „die Kosten Ihrer Anzeige beeinflussen“.
Ein Verfahren wegen der Werbepraxis wäre bereits die dritte große Klage der FTC gegen Amazon. Im vergangenen Jahr stimmte der Konzern einer Zahlung von 2,5 Milliarden US-Dollar zu, um einen Rechtsstreit beizulegen. Darin warf die Behörde Amazon vor, Kunden zur Anmeldung für den Prime-Dienst verleitet und die Kündigung des Abonnements erschwert zu haben.
Darüber hinaus läuft ein weiteres Verfahren wegen des Vorwurfs illegaler Monopolbildung. Die Verhandlung soll im kommenden Jahr beginnen.
Für Anleger ist der neue Bericht unangenehm, kommt aber nicht völlig überraschend. Alle großen Technologiekonzerne sehen sich regelmäßig mit kartell- oder wettbewerbsrechtlichen Verfahren konfrontiert. An ihrer Vormachtstellung hat das bislang in der Regel wenig geändert. Auch die Gewinne wurden durch solche Verfahren meist allenfalls kurzfristig belastet. Das dürfte auch für ein mögliches neues FTC-Verfahren gelten.
Anleger sollten die weiteren Entwicklungen beobachten, den Kursrückgang aber nicht überbewerten. Solange die Behörde keine weitreichenden strukturellen Auflagen durchsetzt, dürfte der Rechtsstreit für Amazon vor allem ein Belastungsfaktor auf Zeit sein – und kein Angriff auf die langfristige Investmentstory.
Heute, 21:05
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