US-Präsident Donald Trump will die Benzinpreise drücken – und nimmt dafür die heimische Ölindustrie in die Pflicht. Am Dienstag trifft er sich im Weißen Haus mit Vertretern kleiner, mittlerer und großer Raffinerien sowie mit Treibstoffhändlern. Das müssen Anleger zu Trumps Ölgipfel wissen.
- Trump erhöht den Druck auf US-Raffinerien.
- Sinkende Benzinpreise könnten Trumps Midterm-Kurs stärken.
- Politische Vorgaben könnten kurzfristig die Gewinne belasten. Noch ist das Ergebnis aber offen.
Trump trifft sich am morgigen Dienstag mit Spitzenvertretern der Ölindustrie. Im Mittelpunkt stehen eine höhere Verarbeitungskapazität, mehr Energieproduktion und konkrete Maßnahmen, die kurzfristig an der Zapfsäule ankommen sollen.
Der Zeitpunkt ist politisch brisant: Die Lebenshaltungskosten gelten als eines der wichtigsten Themen vor den US-Zwischenwahlen. Fast die Hälfte der Amerikaner bezeichnet die Kosten des täglichen Lebens als entscheidendes Wahlkampfthema. Zugleich missbilligen laut einer Reuters/Ipsos-Umfrage 70 Prozent den Umgang der Regierung mit der Teuerung.
Trump setzt unter anderem auf zusätzliche Lieferungen aus Venezuela. Der US-Präsident hatte zuletzt einen Deal angekündigt, der den USA die Mehrheit an mehr als 65 Milliarden Barrel Ölreserven sichern soll. Für die Raffinerien an der US-Golfküste bedeutet das zunächst vor allem: mehr schweres Rohöl zur Verarbeitung.
Doch mehr Angebot führt nicht automatisch zu niedrigeren Preisen. Weltweit fehlen derzeit erhebliche Raffineriekapazitäten. Der US-Ölkonzern Valero Energy geht davon aus, dass die Konflikte im Iran und in der Ukraine rund fünf Millionen Barrel täglicher Verarbeitungskapazität außer Betrieb gesetzt haben. Exxon-Chef Darren Woods sprach deshalb von einer Entkopplung zwischen Rohöl- und Benzinpreisen.
An der Börse rücken damit US-Raffineriewerte wie Valero Energy und Marathon Petroleum in den Blick. Zusätzliche Rohölmengen und eine bessere Auslastung könnten ihre Margen stützen – sofern die Unternehmen die höheren Kapazitäten tatsächlich kurzfristig mobilisieren können. Auch integrierte Konzerne wie Exxon Mobil und Chevron könnten von einer Entspannung an der Rohstofffront profitieren.
Für Anleger ist die Lage vor dem Ölgipfel zweischneidig: Trump will sinkende Verbraucherpreise, die Raffinerien brauchen dagegen attraktive Margen. Sollte das Weiße Haus die Branche zu direkten Preisnachlässen drängen, könnte das den Gewinnhebel der Unternehmen begrenzen.
Das Ergebnis des Ölgipfels ist offen und daher auch, wer die Gewinner und Verlierer sein werden. Entscheidend wird sein, welche Zugeständnisse die Branchenriesen dem US-Präsidenten machen werden. DER AKTIONÄR setzt bei den US-Ölriesen unverändert vor allem auf Chevron und ExxonMobil.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: ExxonMobil.
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