Es ist der nächste Nackenschlag für Super Micro Computer (SMCI). Nachdem erste Details über den Milliarden-Schmuggel von High-End-Chips nach China die Runde machten, sorgt die offizielle Anklageschrift nun für einen beispiellosen Ausverkauf. Die Aktie knickte am Freitag im US-Handel um rund 25 Prozent ein. Neue Details zeigen: Die kriminelle Energie war noch größer als bislang befürchtet.
Wie aus der nun entsiegelten Anklageschrift hervorgeht, beschränkte sich das illegale Netzwerk nicht nur auf ältere Chip-Generationen. Mitgründer Yih-Shyan „Wally“ Liaw soll massiven Druck ausgeübt haben, um auch die neuesten Blackwell-Beschleuniger (B200) von Nvidia an den US-Kontrollen vorbeizuschleusen.
Besonders brisant: Liaw, der laut Datenanbieter FactSet privat Super-Micro-Aktien im Wert von rund 464 Millionen Dollar kontrolliert, trieb den Schmuggel offenbar über Chat-Nachrichten persönlich voran. In einer SMS forderte er die Hintermänner in Südostasien auf, Prognosen für die Monate Januar bis April abzugeben, damit er Nvidia gegenüber eine entsprechende Zuteilung („Allocation“) der begehrten B200-Chips rechtfertigen könne.
Tränen-Emojis und „freundliche“ Prüfer
Die Ermittler präsentieren ein Sittenbild, das für Anleger kaum erschreckender sein könnte. Als ein Geschäftspartner Liaw einen Link über die Verhaftung chinesischer Chip-Schmuggler schickte, reagierte der Super-Micro-Mitgründer laut Anklage lediglich mit schluchzenden Emojis.
Zudem wird deutlich, wie gezielt das Compliance-System ausgehebelt wurde. Die Angeklagten installierten nicht nur „Dummy-Server“ in Tarnlagern, sondern versuchten aktiv, Auditoren zu manipulieren. Einer der Manager soll dafür gesorgt haben, dass Inventurprüfungen in den Datenzentren der südostasiatischen Tarnfirma von einem Prüfer durchgeführt wurden, den er als „freundlich“ bezeichnete. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die internen Kontrollen bei Super Micro über Jahre hinweg bewusst unterwandert wurden.
Auch für Nvidia ist die Situation unangenehm, wenngleich der Chip-Gigant selbst nicht im Fokus der Ermittlungen steht. Jensen Huang hatte erst kürzlich angekündigt, die Produktion für legale H200-Lieferungen nach China wieder hochzufahren. Dass Super Micro jedoch bereits Ende 2024 versuchte, Nvidia durch falsche Bedarfsanmeldungen zur Zuteilung von B200-Chips zu bewegen, wirft ein Schlaglicht auf die extremen Risiken in der KI-Lieferkette.
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Heute, 16:39