Der US-Server-Spezialist Super Micro Computer steht im Zentrum einer juristischen Auseinandersetzung. US-Behörden haben Anklage gegen den Mitgründer Yih-Shyan „Wally“ Liaw sowie zwei weitere Führungskräfte erhoben. Der Vorwurf: Ein hochkomplexes Schmuggelsystem, bei dem Hardware im Wert von 2,5 Milliarden Dollar illegal nach China gelangte.
Zwischen 2024 und 2025 sollen die Beschuldigten Hochleistungsserver, die mit den begehrten Nvidia-Chips der Typen H200 und B200 bestückt waren, über eine Tarnfirma in Südostasien nach China geschleust haben.
Der Grund: Um die strengen US-Exportbeschränkungen für KI-Technologie zu unterlaufen, arbeiteten die Beteiligten laut Staatsanwaltschaft mit gefälschten Dokumenten. Sogar „Dummy-Server“ wurden konstruiert, um bei Inventurprüfungen den Anschein zu erwecken, die Geräte befänden sich noch im Lager des Zwischenhändlers, während sie längst in chinesischen Rechenzentren installiert waren. Allein zwischen April und Mai 2025 wurden Waren im Wert von 510 Millionen Dollar verschoben.
Aktie unter Druck, Unternehmen geht auf Distanz
Super Micro selbst ist kein offizieller Beschuldigter in diesem Verfahren, doch der Reputationsschaden ist massiv. Die Reaktion an der Börse folgte prompt: Nach der Bekanntgabe des Justizministeriums brach der Aktienkurs im nachbörslichen Handel um 18,5 Prozent ein.
Das Unternehmen versucht nun, Schadensbegrenzung zu betreiben. In einer Stellungnahme distanzierte sich die Geschäftsführung von Liaw und den beiden mitangeklagten Managern, Ruei-Tsang „Steven“ Chang und Ting-Wei „Willy“ Sun. Liaw und Chang wurden mit sofortiger Wirkung beurlaubt, die Zusammenarbeit mit Sun wurde beendet. Man kooperiere vollumfänglich mit den Behörden, so der Tenor. Während Liaw und Sun bereits festgenommen wurden, gilt Chang als flüchtig.
Exportkontrollen als neuer geopolitischer Brennpunkt
Der Fall unterstreicht, wie hart die US-Regierung gegen den Abfluss von KI-Hardware in strategische Rivalenstaaten vorgeht. Da China die Chips für militärische Fortschritte nutzen könnte, überwacht das Justizministerium die Lieferketten strenger denn je. Sollten die Angeklagten schuldig gesprochen werden, drohen ihnen aufgrund der Schwere der Vorwürfe – darunter Verschwörung zum Schmuggel und Betrug gegen die USA – Haftstrafen von bis zu 20 Jahren.
Für Super Micro ist dies eine Zäsur. Auch wenn das Unternehmen juristisch bisher außen vor bleibt, wirft der Skandal ein grelles Licht auf die internen Kontrollmechanismen. Anleger sollten der Aktie weiterhin fernbleiben.
Heute, 10:05