Erst Preisdruck, dann Kurssturz – jetzt folgt die Eskalation. Novo Nordisk kündigt rechtliche Schritte an und geht offen auf Konfrontation mit Hims & Hers. Auslöser ist die angekündigte Semaglutid-Pille zum Kampfpreis. Die Aktie fällt weiter und rutscht in Kopenhagen auf den tiefsten Stand seit 2021.
Der dänische Konzern spricht von „illegaler massenhafter Herstellung“, die ein erhebliches Risiko für Patienten darstelle. Man werde rechtlich und regulatorisch gegen Hims & Hers vorgehen, um Patienten, geistiges Eigentum und den US-Zulassungsrahmen zu schützen, heißt es in einer Stellungnahme.
Hims & Hers hatte angekündigt, eine eigene Semaglutid-Pille ab sofort anzubieten – zum Kampfpreis. 49 Dollar im ersten Monat, danach 99 Dollar im Rahmen eines Fünf-Monats-Abos. Novo verlangt für die originale Wegovy-Tablette mindestens 149 Dollar. Der Markt reagiert sofort: Novo-Aktien verlieren heute zeitweise weitere 8 Prozent.
Novo hat eigentlich große Hoffnungen auf die orale Version von Wegovy gesetzt. Analysten trauten der Tablette im ersten Jahr Erlöse von 1,3 bis 1,35 Milliarden Dollar zu. Laut Novo haben innerhalb von vier Wochen bereits mehr als 170.000 Patienten mit der Einnahme begonnen. Ein Bilderbuch-Start – bis Hims & Hers dazwischenfunkt.
Novo hält dagegen. Die eigene Tablette nutze eine proprietäre SNAC-Technologie, die den Wirkstoff Semaglutid vor der Zersetzung im Magen schützt und überhaupt erst eine Aufnahme ermögliche. Ohne diese Schutzschicht „funktioniert das einfach nicht“, sagte Chef Mike Doustdar im Analysten-Call. Wer zur Kopie greife, verschwende seiner Ansicht nach sein Geld. Hims widerspricht. Man habe ein eigenes, wirksames Produkt im Angebot. Stimmt das? Daran dürfte sich nun der Rechtsstreit entzünden.
Die Klage kommt nicht überraschend. Und Novo hat bereits eine Vergangenheit mit Hims. DER AKTIONÄR hatte bereits mehrfach über das Thema berichtet. Mit dem heutigen Kursrutsch hat sich das charttechnische Bild bei Novo Nordisk noch einmal eingetrübt. Damit gilt das Fazit vom Nachmittag: „Auch wenn das Kursniveau mittel- bis langfristig interessant ist, sollten nun positive Impulse von der Charttechnik abgewartet werden.“ Mehr dazu in den weiterführenden Artikeln.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Novo Nordisk.
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Heute, 18:45