Evotec kommt beim Umbau sichtbar voran, muss seine mittelfristigen Ziele aber leicht nach hinten korrigieren. Statt bis 2030 die Umsatzmilliarde zu knacken, rechnen die Hamburger nun mit rund einer Milliarde Euro. Konzernchef Christian Wojczewski sieht zusätzliches Potenzial von einer weiteren Milliarde, falls sich die Partnerprogramme stärker entwickeln als erwartet. An der Börse kam das gut an: Die Aktie gewinnt derzeit mehr als fünf Prozent und gehört im SDAX hinter HelloFresh, Basler und SAF-Holland zu den stärksten Titeln des Tages.
Vorausgegangen war ein kräftiger Kurseinbruch. Seit Jahresbeginn verlor das Papier fast die Hälfte, binnen fünf Jahren sogar mehr als 90 Prozent. Mit rund drei Euro notiert die Aktie so tief wie seit über zehn Jahren nicht mehr.
Schwache Nachfrage nach der Pandemie, Kostendruck und ein Cyberangriff zwangen zum Umbau. Das Programm "Horizon" läuft seit dem Frühjahr und kommt schneller voran als geplant. Das Betriebsmodell wird neu ausgerichtet, Kernkompetenzen sollen in Exzellenzzentren gebündelt werden. Bis Ende September war gut ein Fünftel der bis Ende 2027 geplanten Einsparungen realisiert. Die Kostenbasis soll um 75 Millionen Euro sinken.
Vier Werke werden geschlossen, laut früheren Angaben fallen bis zu 800 Stellen weg. Rund die Hälfte davon ist umgesetzt.
Bei den Margen dauert es länger: Die bereinigte Ebitda-Marge soll bis Ende 2028 bei 20 Prozent liegen und bis Ende 2030 darüber steigen.
Die Zahlen bleiben belastet. In den ersten neun Monaten sank der Umsatz um rund 13 Prozent auf gut 465 Millionen Euro, im dritten Quartal legte er auf knapp 165 Millionen zu. Das bereinigte Ebitda fiel auf minus 44,3 Millionen Euro, der Verlust unter dem Strich lag bei gut 195 Millionen. Die gesenkte Prognose bestätigte Evotec: Für das Gesamtjahr wird ein Konzernumsatz von 570 bis 610 Millionen Euro erwartet.
Die Aktie von Evotec gibt wieder ein klares Lebenszeichen. Doch, um von einer Trendwende zu sprechen, ist es ganz klar zu früh. Das Unternehmen muss hierfür noch mehr liefern, um das Vertrauen der Anleger nachhaltig zurückzugewinnen. Zumindest gelang aber mit dem heutigen Kursanstieg der Sprung über die 50-Tage-Linie, was charttechnisch zumindest ein erstes positives Signal liefert.
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